http://www.faz.net/-gqe-8wqg2

Flughäfen : Tegel, es lebe hoch!

Der Flughafen Berlin Tegel Bild: dpa

In Berlin soll jetzt das Volk entscheiden, ob der Flughafen Tegel tatsächlich schließen soll, wenn eines Tages der neue Hauptstadtflughafen in Betrieb geht.

          In Berlin soll jetzt das Volk entscheiden, ob der Flughafen Tegel tatsächlich schließen soll, wenn eines Tages der neue Hauptstadtflughafen in Betrieb geht. Die Schließung hatte die Politik vor Jahren eigentlich fest beschlossen, und auch die rot-rot-grüne Koalition in Berlin ist weiter dafür. Aber nach den jahrelangen Eskapaden beim Bau des neuen Flughafens sind die Berliner ins Grübeln geraten. Eine Bürgerinitiative – maßgeblich unterstützt von der Berliner FDP – hat nun mehr als 200 000 Unterschriften für die Offenhaltung gesammelt und damit das Quorum erfüllt. Vermutlich am 24. September, dem Tag der Bundestagswahl, dürfen die Hauptstadtbewohner parallel über die Zukunft des Flughafens Tegel entscheiden. Ryanair-Chef Michael O’Leary wirbt schon für dessen Offenhaltung. Berlin könne problemlos mehrere Flughäfen vertragen, meint der Chef des irischen Billigfliegers. Wenn es nach ihm geht, sollten sich die Flughäfen der Stadt gegenseitig Konkurrenz machen. Das senke die Gebühren, sagte er kürzlich im Interview mit dieser Zeitung.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          O’Learys Argument ist nicht abwegig. Aber auch nicht so einfach. Wie viele Flughäfen braucht eine Stadt? Lange Zeit galten Flughäfen als Musterbeispiel eines „natürlichen Monopols“. Darunter verstehen Ökonomen eine Situation, in der ein einziger Anbieter den Markt billiger bedienen kann als mehrere Anbieter. Ist ein Flughafen einmal gebaut, ist es sinnvoll, dort möglichst viele Flugzeuge starten und landen zu lassen, weil die Fixkosten für den Bau zwar hoch sind, dafür aber die variablen Kosten für weitere Flüge sehr gering. Volkswirtschaftlich wäre es gar nicht sinnvoll, die Fixkosten für die Pisten, Terminals und die landseitige Verkehrsanbindung doppelt auszugeben, heißt es apodiktisch in manchen Lehrbüchern. Und auch die Fluggesellschaften bündeln ihren Verkehr gerne auf einem Flughafen als Drehkreuz, weil sie dann große Flugzeuge auf langen Strecken einsetzen können, die sie zuvor mit Umsteige-Passagieren aus Zubringerflügen befüllen.

          Die meisten deutschen Großstädte haben tatsächlich nur einen einzigen Flughafen. Mehr wären ökonomisch auch meist nicht sinnvoll, weil die Bündelungsvorteile oft noch gar nicht ausgeschöpft sind. Doch im europäischen Ausland gibt es etliche Metropolen, die mehrere Flughäfen haben, etwa London, Paris, Rom, Mailand, Istanbul und Stockholm. Das passt nicht ganz zur These vom „natürlichen Monopol“, zeigt aber, dass das Verkehrsaufkommen in vielen Metropolen offenbar groß genug ist, um mehrere Flughäfen zu unterhalten. Sie scheinen dem „natürlichen Monopol“ entwachsen zu sein. Denn wenn es wirklich kostengünstiger gewesen wäre, den Verkehr über nur einen Flughafen abzuwickeln, hätte man das wohl meist auch gemacht.

          Ökonomen sind sich nicht einig, ab wann das Verkehrsaufkommen groß genug für zwei Flughäfen ist. Einige ökonometrische Studien deuten darauf hin, dass ein Verkehrsaufkommen von mehr als 25 Millionen Passagieren im Jahr genügen könnte, um zwei Standorte wirtschaftlich auszulasten. Weil es jedoch nur wenige Studien dazu gibt, muss man vorsichtig bleiben; die Zahl könnte auch höher liegen. Bei aller Unsicherheit aber scheint es so, als könnte es in Berlin genügend Verkehr geben: In Tegel und Schönefeld wurden 2016 zusammen knapp 33 Millionen Fluggäste abgefertigt.

          Weitere Themen

          Flughafen erzwingt Zwischenstopp Video-Seite öffnen

          Air Berlin : Flughafen erzwingt Zwischenstopp

          Eine Maschine der insolventen Fluglinie musste auf dem isländischen Flughafen Keflavik am Boden bleiben. Die Flughafengesellschaft teilte mit, Air Berlin habe Flughafengebühren nicht bezahlt.

          Ehrenrunde sorgt für Diskussionen Video-Seite öffnen

          Air-Berlin-Flug : Ehrenrunde sorgt für Diskussionen

          Ein Manöver am Flughafen Düsseldorf am Montag könnte einem Air-Berlin-Piloten vielleicht noch Ärger einbringen. Auf seinem letzten Langstrecken Flug von Miami nach Düsseldorf zieht der Flugkapitän statt zu landen hoch und saust noch einmal am Tower vorbei. Das Luftfahrtbundesamt forderte Air Berlin auf, Stellung zu dem Vorfall zu nehmen.

          Topmeldungen

          Brexit-Verhandlungen : Ohne Qualen geht es nicht

          Theresa May flehte diese Woche in Berlin, Paris und Brüssel um Hilfe bei den Brexit-Verhandlungen. Die Europäer blieben hart. Aber sie gaben sich Mühe, nett zu sein.
          Erst mal shoppen in der Stadt, dann zu Hause noch bei Zalando bestellen.

          Geld in der Partnerschaft : Hilfe, meine Frau wirft das Geld raus!

          In Gelddingen zeigt sich oft die Wahrheit über eine Beziehung, sagen Paartherapeuten. Aber wer wird denn gleich an Scheidung denken, wenn die Ehepartnerin über die Verhältnisse lebt?
          Für mehr Recht und Ordnung im eigenen Land: Macron will härter gegen kriminelle Ausländer vorgehen.

          Macrons Abschiebekurs : Mit harter Hand

          Der brutale Mord an zwei jungen Frauen durch einen illegalen Einwanderer erschüttert Frankreich. Nun plant Präsident Macron konsequenter bei der Abschiebung krimineller Ausländer durchgreifen. Doch die Umsetzung gestaltet sich schwerer als gedacht.

          SPD : Der wahre Sieger der Bundestagswahl

          So ein bisschen freuen sich die Sozialdemokraten über das katastrophale Ergebnis der Bundestagswahl. Endlich sind sie die Union los. In der Opposition soll alles besser werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.