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Fiskalstreit Die Unsicherheit über Amerika bleibt

Demokraten und Republikaner haben sich im Fiskalstreit zwar auf einen Minimalkompromiss geeinigt. Ohne harte, aber notwendige Kürzungen der Staatsausgaben bekommt Amerika sein Schuldenproblem jedoch nicht in den Griff. Ein Kommentar.

© dpa Obama und der Kongress haben es in der Hand, bis Ende Februar die Unsicherheit für Kapitalanleger und Investoren auszuräumen

Die fiskalische Klippe in den Vereinigten Staaten war als politische Selbstbindung des Kongresses dazu angelegt, die zerstrittenen Parteien zu einer dauerhaften Sanierung des Staatshaushalts zu zwingen. Dieser Versuch ist gescheitert. In den wochenlangen Verhandlungen seit dem Wahlsieg von Präsident Barack Obama sind Demokraten und Republikaner der Verantwortung abermals ausgewichen. Sie haben sich auf einen Minimalkompromiss geeinigt: Nur ein Teil der zu klärenden Steuerfragen ist mit der Einigung erledigt. Vor allem aber sind die harten, dennoch notwendigen Entscheidungen auf der Ausgabenseite erst einmal um zwei Monate verschoben.

Patrick Welter Folgen:

Das wäre nicht so schlimm, wenn man das Vertrauen haben dürfte, dass dann der zweite Teil eines Kompromisses gefunden würde, mit dem die Neuverschuldung entschlossen zurückgeführt und der Bundeshaushalt auf eine solide Basis gestellt würden. Dieses Vertrauen aber hat in dem für eine wirtschaftliche Führungsmacht unwürdigen politischen Spektakel mit der Senatsabstimmung in den frühen Morgenstunden des Neujahrstags mehr als Schaden genommen. Die Euroeuropäer werden den Amerikanern Zunder geben, sollten diese je wieder Lehrstunden in der Krisenabwehr erteilen wollen. Damit ist nicht gesagt, dass die Europäer besser agieren. Im Schuldentaumel versagt in unterschiedlicher Weise die Politik auf beiden Seiten des Atlantiks und lässt Weitsicht missen.

Trübe Aussichten auf einen entschlossenen Defizitabbau

Für beide Seiten im Kongress ist der Kompromiss Niederlage und Erfolg zugleich. Präsident Barack Obama und die Demokraten haben - wenn auch nicht im gewünschten Ausmaß - ihr populistisches Umverteilungsstreben durchgesetzt, die Reichen mit höheren Steuern zu belasten. Die Republikaner können im Gegenzug darauf verweisen, dass die 2001 unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush eingeleiteten Steuersenkungen für das Gros der Amerikaner jetzt endlich unbefristet festgeschrieben sind. Keinen ernsthaften Erfolg gibt es dagegen beim Abbau des Defizits, auch wenn Obama das anders darstellt.

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Das liegt nicht daran, dass die Steuermehreinnahmen mit rund 600 Milliarden Dollar über zehn Jahre, die erste Einkommensteuererhöhung seit zwei Jahrzehnten, weitaus spärlicher ausfallen als von den Demokraten ursprünglich angestrebt. Auch Steuererhöhungen für die Wohlhabenden belasten die Wirtschaft. In der Umkehrung eines Diktums des gestorbenen Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman gilt, dass keine Zeit eine gute Zeit für Steuererhöhungen ist. Auch wenn die amerikanischen Steuereinnahmen - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - im vergangenen Jahrzehnt zurückgegangen sind, leiden die Vereinigten Staaten weitgehend unter einem Ausgabenproblem, nicht unter einem Einnahmenproblem. Den Beleg dafür hat der Senat selbst geliefert: Mit dem Kompromiss zur angeblichen Verringerung des Defizits werden zugleich unter anderem Agrarsubventionen fortgeschrieben, um den Anstieg des Milchpreises zu verhindern.

Die trüben Aussichten auf einen entschlossenen Defizitabbau gründen in diesem mangelnden Willen vor allem der Demokraten im Kongress, von liebgewonnenen Staatsausgaben zu lassen. Auf republikanischer Seite gilt freilich dasselbe mit Blick auf die Militärausgaben. Ohne klare Einschnitte in den Staatsausgaben und vor allem in den Sozialversicherungen werden die Vereinigten Staaten mit ihrer alternden Bevölkerung ihr Schuldenproblem aber nicht in den Griff bekommen. Der Kompromiss gibt kein Signal, dass der Wille zu solchen Kürzungen bis Ende Februar gewachsen sein wird, wenn dann die notwendige Erhöhung der Schuldengrenze und die nächste Entscheidung über die Zukunft der automatischen Ausgabenkürzungen anstehen. Obama hat schon signalisiert, dass er für Defizitabbau noch weitere Steuermehreinnahmen verlangen wird.

Die Wachstumsaussichten bleiben positiv

Der Weltwirtschaft bietet der gefundene Kompromiss dennoch Grund zur Erleichterung. Mit den Belastungen an beiden Enden der Einkommensskala, den höheren Steuern oben und den höheren Rentenversicherungsbeiträgen unten, wird die amerikanische Konjunktur zwar nicht nur auf der Nachfrageseite einen Dämpfer erleiden. Die schlimmen Folgen eines Absturzes über die fiskalische Klippe, der die Vereinigten Staaten wohl zumindest zeitweise in die Rezession geführt hätte, bleiben indes aus. Die Exporteure auch in Deutschland wird das freuen. Mit der sich abzeichnenden Stabilisierung des Hausmarktes bleiben die amerikanischen Wachstumsaussichten positiv, wenn auch in keiner Weise berauschend.

Die Unsicherheit für Kapitalanleger und Investoren über den Fortgang des Fiskaldramas aber bleibt. Obama und der Kongress haben es in der Hand, bis Ende Februar diese Unsicherheit mit einem entschiedenen mittelfristigen Defizitabbau vor allem über die Ausgabenseite auszuräumen. Gelingt das nicht, werden auch die Ratingagenturen wieder aufmerken und die Kreditwürdigkeit des Schuldners Vereinigte Staaten abermals in Frage stellen.

Quelle: F.A.Z.

 
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