Home
http://www.faz.net/-gqg-74e7c
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

„Fiskalische Klippe“ Amerikas Angst vor dem Sparen

Die Amerikaner fürchten sich vor der „fiskalischen Klippe“: einer Serie von Steuererhöhungen, die im Januar die Wirtschaft in die Rezession treiben könnten. Heute diskutiert Präsident Obama, ob es einen anderen Weg gibt. Was ist da los? Sieben Fragen und Antworten.

© REUTERS Vergrößern Die Skyline von New York

Was ist die fiskalische Klippe?

Patrick Welter Folgen:    

Die Amerikaner fürchten „über die fiskalische Klippe“ zu gehen, wenn es bis zum Jahresende nicht zu einem politischen Kompromiss kommt, wie man den Staatshaushalt in den Griff bekommt. Unter dem Begriff „fiskalische Klippe“ versteht man einen Automatismus aus höheren Abgaben und Steuererhöhungen, der zum Jahreswechsel greift, wenn sich das Land nicht auf Sparmaßnahmen einigen kann. Genauer gesagt  geht es dabei um eine Mischung von Steuersenkungen, steuerlichen Erleichterungen und erhöhten Ausgaben, die zum Jahresbeginn 2013 entfallen. Zugleich greifen automatische Ausgabenkürzungen im Bundeshaushalt.

Nach Schätzung des unabhängigen Budgetbüros des Kongresses werden die Änderungen das Staatsdefizit im Haushaltsjahr 2013 um 503 Milliarden Dollar oder rund 3,3 Prozent der Wirtschaftsleistung senken. Zum Vergleich: Im Fiskaljahr 2012, das im September endete, betrug das Defizit 8,9 Prozent. Der fiskalische Entzug liegt eher bei 4 Prozent, wenn man das Kalenderjahr und nicht das Fiskaljahr als Basis nimmt. Rund zwei Drittel des fiskalischen Entzugs stammt aus Steuererhöhungen, der Rest aus Ausgabenkürzungen. Zudem wird im ersten Quartal 2013 eine Entscheidung über die Erhöhung der Schuldengrenze von derzeit 16,39 Billionen Dollar notwendig.

Wenn die Vereinigten Staaten „über die fiskalische Klippe gehen“, wie die Amerikaner sagen, und es bis Jahresende zu keinem politischen Kompromiss kommt, ergeben sich unter anderem folgende Änderungen:

Steuern

  • Die Einkommensteuersätze des Bundes steigen von 10 bis 35 auf 15 bis 39,6 Prozent.
  • Rund 28 Millionen Haushalte müssen darüber hinaus mit noch höheren Steuerzahlungen rechnen, weil sie von der „Alternativen Mindeststeuer“ erfasst würden.
  • Der Steuersatz für langfristige Kapitalertragsgewinne steigt von 15 auf 20 Prozent.
  • Dividenden werden nicht mehr mit 15 Prozent, sondern mit dem normalen Einkommensteuersatz von in der Spitze 39,6 Prozent besteuert.
  • Investitionseinkommen werden mit einer zusätzlichen Steuer von 3,9 Prozent belegt, um die Gesundheitsreform von Obama mitzufinanzieren. Das gilt für Einkommen von mehr als 200.000 Dollar (Verheiratete: 250.000 Dollar).
  • Die Erbschaftsteuer steigt in der Spitze von 35 auf 55 Prozent, der Freibetrag sinkt von 5 Million auf 1 Million Dollar.
  • Der Arbeitnehmerbeitrag zur Rentenversicherung steigt von 4,2 auf 6,2 Prozent.
  • Steuerliche Erleichterungen für Familien mit Kindern und Lohnsubventionen für Familien mit vielen Kindern werden verringert.
  • Zahlreiche kurzfristige Steuererleichterungen für Individuen und Unternehmen, die üblicherweise regelmäßig verlängert werden, entfielen.

Ausgaben

  • Die Ausgaben der Bundesregierung für das Militär und für andere Bereiche werden automatisch gekürzt.
  • Die verlängerte Bezugsdauer für Arbeitslosenhilfe endet.
  • Die Ausgaben der staatlichen Krankenversicherung für Mediziner werden gekürzt.

Wie konnte es dazu kommen?

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Amerikanischer Haushalt Stillstand abgewendet, neue Gräben aufgerissen

Mit knapper Mehrheit billigt das Repräsentantenhaus die Freigabe weiterer Haushaltsmittel. Eine neuerliche Revolte der Tea-Party-Republikaner war einkalkuliert, aber der Widerstand bisher treuer demokratischer Gefolgsleute Obamas überrascht. Mehr Von Andreas Ross, Washington

12.12.2014, 14:51 Uhr | Politik
Kongresswahlen am Dienstag Trübe Wahlaussichten für Obama

Die Demokraten von Barack Obama könnten Umfragen zufolge bei den amerikanischen Kongresswahlen am Dienstag auch die Mehrheit im Senat verlieren. Dann müsste der Präsident bis zum Rest seiner zweiten Amtszeit mit republikanischen Mehrheiten in beiden Häusern des Kongresses regieren. Mehr

03.11.2014, 14:21 Uhr | Politik
Amerikas Verteidigungshaushalt Milliarden für den Kampf gegen Islamischen Staat

Amerikas Verteidigungshaushalt für 2015 steht. Für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind Milliarden-Ausgaben vorgesehen. Ein großes Projekt wird allerdings bewusst ausgeklammert. Mehr

13.12.2014, 04:09 Uhr | Politik
Wahlen in Amerika Obamas Gegner erobern beide Kongresskammern

In Amerika haben die Republikaner beide Kammern des Kongresses erobert und können damit weitere wichtige Vorhaben von Präsident Barack Obama blockieren. Obamas Gegner sicherten sich erstmals seit acht Jahren auch eine Mehrheit im Senat. Mehr

05.11.2014, 09:31 Uhr | Politik
Senat billigt Etat Amerika entgeht dem Verwaltungsstillstand

Die Republikaner hatten kurz mit Blockade gedroht, doch nun hat auch der amerikanische Senat dem Haushaltsentwurf zugestimmt. Damit ist ein Verwaltungsstillstand wie im vergangenen Jahr ausgeschlossen. Mehr

14.12.2014, 06:14 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.11.2012, 13:08 Uhr

Haudraufundschluss

Von Jan Grossarth

In einem Tierstall, der für Wiesenhof arbeitet werden Enten mit Mistgabeln erschlagen. Es sind Ausnahmen mit System. Die Massentierhaltung soll trotzdem nicht verboten werden. Mehr 6


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Lehrer und Schüler sind zufrieden mit der Computerausstattung an Schulen

Lehrer und Schüler sind eigentlich zufrieden mit ihrer Internet- und Computer. Doch welche Gruppe ist kritischer mit der Ausstattung? Mehr 1