25.08.2006 · Bis zu 175.000 Dollar ist ein ausgewachsener roter Thunfisch wert. Vor allem japanische Gourmets haben großen Appetit auf diese Delikasse - sehr zum Leidwesen der Tierschützer.
Er kann bis zu vier Meter lang, 820 Kilogramm schwer und 30 Jahre alt werden. Er lebt vor allem im Mittelmeer und im Atlantik – doch sein Bestand ist bedroht. Meeresbiologen sind sich einig, daß der rote Thunfisch, der auch Blauflossenthun heißt, überfischt wird und kommerziell nur noch wenige Jahre genutzt werden kann, wenn die Fischer so weitermachen wie bisher. Ursache dafür ist die vor allem aus Japan stammende Nachfrage. In Form von Sushi schätzen die Japaner den roten Thunfisch wie keine andere Nation und bringen ihn täglich in großen Mengen auf den Tisch.
„Die eigenen Bestände haben die Japaner fast komplett heruntergefischt. Daher stammen fast hundert Prozent der Nachfrage für den Thunfisch im Mittelmeer vom japanischen Markt“, sagt Thilo Maack, Meeresbiologe der Umweltprotestorganisation Greenpeace in Hamburg. Einzelne Thunfische, zu voller Größe ausgewachsen, können Preise von bis zu 175.000 Dollar erzielen.
Fischerei per Flugzeug
Da ist es kein Wunder, daß die Fischer zur Großjagd auf die begehrten Meerestiere blasen. Mit Hochtechnologie ausgestattet stechen sie in See und sind teilweise wochenlang auf der Suche. Manche stehen mit kleinen Flugzeugen in Funkkontakt, die große Bestände orten können. Dann werden Beiboote ausgelassen, die mit großen Ringnetzen die Thunfischschwärme umkreisen. Die Netze sind unten geschlossen, so daß sie dann „wie ein Teebeutel“ nach oben gezogen werden können, berichtet Maack. Effizienter kann man kaum fischen – und sich gleichzeitig um den eigenen Bestand bringen. „Wenn sich nichts ändert, dürfte in zehn Jahren der rote Thun im Mittelmeer nicht mehr kommerziell genutzt werden können“, meint der Greenpeace-Experte Maack.
Eigentlich müßten die regelmäßig festgelegten Fangquoten die Bestände schützen. Doch die Quoten werden nicht eingehalten. Nach Angaben des World Wildlife Fund (WWF) werden die international vereinbarten Quoten für Thunfisch im Mittelmeer zu rund 40 Prozent überschritten. Verantwortlich seien Fischer aus Libyen, der Türkei und aus Teilen der Europäischen Union, vor allem aus Frankreich, berichtete die Umweltschutzorganisation und forderte ein sofortiges Fangverbot, damit sich die Bestände erholen könnten.
Keiner will es gewesen sein
Doch gegen die Umweltschützer stehen die wirtschaftlichen Interessen der Fischereiindustrie. In Frankreich kam es in diesen Tagen zur direkten Konfrontation. Greenpeace wollte am Mittwoch dieser Woche mit seinem Schiff „Rainbow Warrior II“ im alten Hafen von Marseille für eine Informationskampagne anlegen. Doch 22 Fischerboote umzingelten das Schiff und verhinderten das Einlaufen in den Hafen. Zu dieser Aktion hatte die Gewerkschaft der französischen Thunfisch-Fischer offen aufgerufen. Am Donnerstag zog das Greenpeace-Schiff, das sich auf einer Informationskampagne durch das Mittelmeer befindet, wieder weiter.
Wenn es um die Quoten-Überschreitung geht, will es – wie oft in der Fischereipolitik – niemand gewesen sein. Die französischen Fischer beharren darauf, daß sie ihre Obergrenzen einhalten. „Wir werden ja systematisch am Hafen kontrolliert. Für die türkischen oder tunesischen Fischer ist dies nicht der Fall. Wir haben selbst kroatische und australische Fischer gesehen“, berichtet ein Fischer am Hafen von Marseille. Ein anderer Fischer ergänzt, daß sie in ihre Boote viel investieren müßten, daß auf der anderen Seite aber die Benzinpreise gestiegen und die Kilopreise für Thunfisch gesunken seien. In der vergangenen Saison habe er gerade einmal 3000 Euro verdient.
„Vorgehen kommt Selbstmord gleich“
Die französische Greenpeace-Organisation will daher auch nicht allein den französischen Fischern den schwarzen Peter zuschieben. Ein Greenpeace-Sprecher berichtet, daß die illegale Fischerei von sogenannten Piratenfischern die Lage verschärfe. Der WWF schätzt, daß rund 15 Prozent der internationalen Hochseeflotte aus illegalen Fischern bestehe, die sich an keine Quoten halten und ihren Fang unkontrolliert an Land brächten. Sie züchteten auch häufig die Thunfische in Käfigen und mästeten sie mit proteinreichen Fischen wie Makrelen oder Sardinen. Für die Mast von einem Kilogramm Thunfisch werden nach Expertenschätzungen 25 Kilogramm Nahrungsfische gebraucht. Dies belastet wiederum die Bestände anderer Arten und bringt damit das ökologische Gleichgewicht durcheinander.
Die französische Regierung sprang ihren Fischern, die in der Öffentlichkeit viel Sympathie genießen, am Donnerstag zur Seite. Landwirtschafts- und Fischereiminister Dominique Bussereau verwies auf ihre schwierige wirtschaftliche Lage und darauf, daß sich alle Welt am Thunfisch-Bestand des Mittelmeeres bediene. Er kündigte an, die Interessen der Fischer, aber auch das Ziel des Bestandsschutzes auf der Internationalen Konferenz der Fischerei-Management-Organisation Iccat im November zu vertreten. Wissenschaftler sind jedoch skeptisch. „Die Lage ist katastrophal. Das Vorgehen der Fischer in Marseille kommt einem Selbstmord gleich“, meint Alain Fonteneau vom Centre de recherche halieutique méditerranéenne et tropicale, einem meeresbiologischen Institut nahe Montpellier. „Es findet sich heute kein einziger Wissenschaftler, der ihre Position verteidigt.“
Quotensetzung gescheitert, Schutzzonen benötigt
Nach Ansicht der Umweltschützer reicht eine neue Quotenfestlegung nicht aus. Es müßten vielmehr Schutzzonen mit vollständigem Fangverbot geschaffen werden, beispielsweise in der Laichregion der Thunfische bei den Balearen. Die Quotensetzung der EU dagegen sei gescheitert, weil sie unter dem Einfluß der Nationalstaaten unzureichend kontrolliert werde. „Die geringen Geldstrafen haben die Fischer doch als laufende Kosten von vornherein miteinkalkuliert“, meint der Greenpeace-Biologe Maack. Das Scheitern des EU-Meeresschutzes spiegele sich auch in der Erfolglosigkeit des seit 2002 erlassenen Verbots von Treibnetzen wider. Treibnetze bewegen sich mit der Strömung und reißen gefährdete Arten wie Delphine, Wale, Haie und Schildkröten mit sich. Greenpeace schätzt, daß vier Jahre nach dem Erlaß des Verbotes im Mittelmeer heute noch rund 400 Fischer mit Treibnetzen unterwegs sind.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |