19.06.2006 · Das Ehegattensplitting könnte bald durch ein Familiensplitting ersetzt werden. Paare mit vielen Kindern zahlen dann deutlich weniger Steuern als Paare ohne Kinder. Wir haben schon einmal gerechnet, was das bringt.
Von Dyrk ScherffDas Ehegattensplitting könnte bald durch ein Familiensplitting ersetzt werden. Paare mit vielen Kindern zahlen dann deutlich weniger Steuern als Paare ohne Kinder. Wir haben schon einmalgerechnet, was das bringt.
Auf der rechten Seite finden Sie drei Modelle mit verschiedenen Rechenbeispielen.
Wie das neue Familiensplittung funktionieren könnte
Noch ist nicht klar, wie das neue Familiensplitting genau aussehen wird. In den kommenden Wochen sollen die Pläne der CDU veröffentlicht werden. Das wahrscheinlichste Modell beruht darauf, daß das Einkommen der Familie durch die Zahl der Familienmitglieder einschließlich der Kinder geteilt wird. Für jedes dieser Einkommen wird die Steuer berechnet. Die fällt wegen des stark ansteigenden Steuersatzes für hohe Einkommen deutlich geringer aus, als wenn das Einkommen nicht geteilt wird und damit höher ist.
Beim derzeit praktizierten Ehegattensplitting wird das Einkommen nur durch zwei geteilt, beim Familiensplitting aber bei zwei Kindern durch vier. Die vier Teile ergeben dann eine geringere Steuerlast als die Summe der beiden Hälften. Familien mit Kindern würden also stärker entlastet als kinderlose Paare. Das ist Ziel der Neuerung.
Unklar ist, ob ein Kind bei der Teilung des Einkommens voll (Faktor 1,0), nur zur Hälfte (Faktor 0,5) oder eineinhalb mal so stark (Faktor 1,5) berücksichtigt wird. Fließt es nur zur Hälfte in die Rechnung ein, wird das Einkommen bei der vierköpfige Familie nur durch drei (2 mal 1,0 plus 2 mal 0,5) geteilt, die Steuerersparnis ist kleiner als beim Faktor 1,5, bei dem das Einkommen durch fünf geteilt wird. Wir haben alle drei Modelle gerechnet. Als Einkommen gilt dabei das zu versteuernde Einkommen.
Zur Finanzierung des Familiensplittungs droht eine Einschränkung des Steuervorteils für kinderlose Ehepaare. Bisher profitieren sie in gleicher Höhe wie kinderreiche Familien vom Ehegattensplittung. Obwohl eine Abschaffung des Ehegattensplittings verfassungsrechtlich problematisch ist, rechnen wir auch dieses Extrembeispiel.
Diskutiert wird als Alternative auch ein Familiensplitting für Familien, bei denen die Partner nicht verheiratet oder gleichgeschlechtlich sind oder die Mutter alleinerziehend. Auch hier würde das Einkommen durch die Zahl der Familienmitglieder geteilt. Das würde alles für den Finanzminister noch teurer machen. Dessen Realisierung ist daher unwahrscheinlich.
Endlich!
Helmut Schmidt (schmidt8)
- 19.06.2006, 19:51 Uhr
Fragen über Fragen
Klaus Kuschmierski (kuschgrim)
- 20.06.2006, 01:54 Uhr
Guter Ansatz
Andreas Seidl (ASeidl)
- 20.06.2006, 11:55 Uhr
Dyrk Scherff Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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