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Finanzpolitik / Geldpolitik Haushaltsdisziplin von Euro-Staaten zahlt sich aus

26.04.2005 ·  Haushalts- und Schuldendisziplin zahlt sich für die Regierungen im Euro-Raum aus. Investoren in Staatsanleihen berücksichtigen „zu einem gewissen Grad“ die Haushaltslage, hat die EZB herausgefunden.

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Haushalts- und Schuldendisziplin zahlt sich für die Regierungen im Euro-Raum aus. Denn Investoren in langfristige Staatsanleihen von Euro-Staaten berücksichtigen "zu einem gewissen Grad" die Haushaltslage des jeweiligen Euro-Staates. Zu diesem Schluß kommt die Europäische Zentralbank (EZB) in einer Analyse im Jahresbericht für 2004. Euro-Staaten, die ihre Schuldenquote im Vergleich zu Deutschland am meisten verringern, profitieren danach von einer Verringerung des Renditeabstands ihrer Anleihen gegenüber Deutschland.

Die EZB bezieht sich in dem Vergleich auf die Jahre 2001 und 2004. Als Folge ihrer hohen Liquidität wiesen zehnjährige deutsche Staatsanleihen in diesem Zeitraum die niedrigsten Renditen der Staatsanleihen im Euro-Raum auf. Zugleich aber verringerte sich in den vier Jahren der Renditeabstand der Staatsanleihen gegenüber den deutschen. Gemessen in Basispunkten, lag die Renditedifferenz bis Anfang 2001 im zweistelligen Bereich. Im vergangenen Jahr hatte sie sich in den meisten Euro-Staaten auf unter 10 Basispunkte verringert.

Die EZB vermutet, daß für diese allgemeine Annäherung unter anderem die Entwicklung der öffentlichen Finanzen in Deutschland verantwortlich war. Die deutsche Schuldenquote, also die Staatsschuld in Prozent des Bruttoinlandsprodukts, stieg von 59,4 Prozent im Jahr 2001 auf 66 Prozent im Jahr 2004. Mit Ausnahme Frankreichs hat kein anderes Land im Euro-Raum eine solche Verschlechterung der Schuldenquote zugelassen.

Schulden sinken, Rendite auch

Am meisten zurück ging der Renditeabstand in Belgien, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien. Diese Länder sind nach der EZB-Analyse aber auch genau die Euro-Staaten, deren Schuldenquoten sich im Vergleich zu Deutschland am meisten verbesserten. Nach Einschätzung der EZB hat diese Entwicklung mit der Liquidität der entsprechenden Anleihemärkte zu tun. Sie weise aber auch darauf hin, daß Investoren bei der Bewertung von Anleihen die Haushaltslage in dem entsprechenden Euro-Staat zu einem gewissen Grad berücksichtigten.

Die Analyse widerspricht insoweit der weitverbreiteten Vermutung, daß die Finanzmärkte kein Korrektiv für die Haushaltspolitik der Euro-Staaten bilden können. Zumindest in Ansätzen wissen Investoren offensichtlich zu unterscheiden. Das Ausmaß der Differenzierung hängt indes auch davon ab, inwieweit die Anleger der im Maastricht-Vertrag fixierten "No-bail-out"-Klausel vertrauen, nach der die Euro-Staaten nicht verpflichtet sind, sich in haushaltspolitischen Notlagen gegenseitig zu unterstützen.

Regierungen nutzen Niedrigzinsphase

Insgesamt folgert die EZB, daß die Euro-Staaten von der stabilitätsorientierten Politik in den vergangenen Jahren erheblich profitiert hätten, weil nun ein deutlich geringerer Teil des Staatshaushalts in Zinszahlungen fließe. Die durchschnittliche Rendite zehnjähriger Staatsanleihen sank von 7 Prozent in den Jahren 1994 bis 1998 auf durchschnittlich 4,7 Prozent in den Jahren seit Start der Währungsunion.

Im vergangenen Jahr haben die Regierungen der Euro-Staaten die Niedrigzinsphase offensichtlich genutzt, sich wieder verstärkt in längerfristigen Anleihen zu verschulden. Ende 2004 betrug der Anteil langfristiger Titel am Gesamtumlauf öffentlicher Schuldverschreibungen 91,6 Prozent, nach 91,1 Prozent im Vorjahr. Dennoch liegt der Anteil kurzfristiger Papiere 1,4 Prozenpunkte höher als noch im Jahr 2000. Bei der weit überwiegenden Mehrzahl der langfristigen Wertpapiere handelt es sich um festverzinsliche Anleihen. Emissionen mit variabler Verzinsung hätten stark an Bedeutung verloren, schreibt die EZB. Ihr Anteil am Gesamtumlauf fiel von 12,3 Prozent im Jahr 1998 auf 7,6 Prozent im vergangenen Jahr. Italien sei das einzige Land, in dem der Anteil der variabel verzinsten Schuldverschreibungen mit 20,7 Prozent weit über dem Durchschnitt im Euro-Raum liege. Insgesamt erhöhte sich der Umlauf staatlicher Schuldverschreibungen im vergangenen Jahr um 221,3 Milliarden auf 4362,5 Milliarden Euro.

Quelle: pwe. / F.A.Z., 27.04.2005, Nr. 97 / Seite 24
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