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Finanzministertreffen Kanada will die G 7 zurück zu den Wurzeln führen

05.02.2010 ·  Hoch oben im winterdunklen Norden Kanadas kommen an diesem Freitag und Samstag die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7-Staaten zusammen. In Pullovern und ohne Anzug wollen sie über die Krise sprechen. Die neue Devise: Informelle Diskussion statt harter Verhandlung.

Von Patrick Welter und Manfred Schäfers
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Ein Treffen, an das sie sich später erinnern werden, hat Kanadas Finanzminister Jim Flaherty seinen Gästen versprochen. Am Freitag und Samstag kommen die Finanzminister und Notenbankgouverneure der großen Industriestaaten (G 7) in Iqaluit zusammen, der mit rund 7000 Einwohnern kleinen Hauptstadt des Inuit-Territoriums Nunavut hoch im winterdunklen Norden Kanadas. Iqaluit, das sich rund um einen Flughafen entwickelt hat, wird den Teilnehmern der Runde auf jeden Fall wegen der arktischen Kälte im Gedächtnis bleiben. Die Durchschnittstemperatur im Februar liegt bei minus 28 Grad; am Wochenende soll es etwas weniger kalt werden. Kritik am abgelegenen Tagungsort gibt es unter Teilnehmern und Diplomaten nur hinter vorgehaltener Hand; offiziell wird diese nicht laut.

Während Flaherty die Schönheit der Landschaft Nunavuts preist, vermuten Umweltaktivisten in der Wahl des Tagungsortes eine politische Spitze gegen die vier europäischen Teilnehmer der Runde, Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich und Italien. In Nunavut, wo die Robbenjagd zum täglichen Leben dazugehört wie andernorts die Rinderzucht, sind die Inuit erzürnt über das Verbot von Robbenprodukten, das die Europäische Union in diesem Jahr einführen will. Nun werden die Finanzminister auf Robbenfellsesseln sitzen, und es werden landestypische Speisen inklusive Robbenfleisch aufgetischt. Die EU sieht das Verbot zwar gegen den kommerziellen Robbenfang gerichtet und nicht gegen die im Umfang weitaus kleinere Jagd der Inuit. Doch das Verbot hat auch in Ottawa Verstimmung hervorgerufen.

„Es gibt keine verborgene Agenda“

Die Regierung aber bestreitet den Verdacht der Umweltschützer. „Es gibt keine verborgene Agenda“, heißt es im Finanzministerium zum Tagungsort. Iqaluit sei ausgesucht worden, um die großen Städte hinter sich zu lassen und um in abgeschiedener, intimer Atmosphäre offene Diskussionen führen zu können. In informeller Runde, in Pullovern und ohne Anzug und Krawatte, sollen die Finanzminister „zurück zu den Wurzeln“ der Siebenergruppe finden, die als lockere Kamingespräche in den siebziger Jahren ihren Anfang nahm, bevor sie sich zu den medialen Großereignissen der Weltwirtschaftsgipfel entwickelten. Bei den Weltwirtschaftsgipfeln tritt die Siebenergruppe zusammen mit Russland als G 8 auf.

Die Themen des Treffens sind von der Finanz- und Weltwirtschaftskrise vorgegeben: die Finanzmarktregulierung, der weitere Kurs der Finanzpolitik, globale Ungleichgewichte und künftige Wachstumsstrategien. Zudem wird über einen Schuldenerlass für das von dem schweren Erdbeben verwüstete Haiti beraten, wie aus dem Finanzministerium in Washington verlautete.

Kanada will das Momentum der Regulierungsbemühungen aufrechterhalten und warnt mit Blick auf die expansive Finanzpolitik vor übertriebenem Optimismus, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise schon überwunden sei. Am Freitagabend vor dem Kamin sollen die Finanzminister über die Zukunft der G 7 debattieren.

Russland trifft sich mit Brasilien, Indien und China

Russland ist in Kanada nicht dabei. Die Treffen im Rahmen der G 7 dienten der Vorbereitung des nächsten G-20-Gipfels. Russland treffe sich dazu mit Brasilien, Indien und China. „Die Russen können nicht da und dort teilnehmen“, hieß es in deutschen Regierungskreisen. Im Kreis der G 7 wolle man die Lage an den Finanzmärkten analysieren, sich anschauen, wo weiterhin Risiken bestünden, was getan worden sei und was noch fehle. Eine Kernfrage werde sein: „Was kann die G 7 beitragen, um die Lage an den Finanzmärkten weiter zu entschärfen?“

Im vergangenen Herbst hatte der Kreis der 20 großen Industrie- und Schwellenländer die Siebenergruppe als das Gremium der internationalen Zusammenarbeit in Wirtschaftsfragen abgelöst. Seither steht die Frage im Raum, was aus der Siebenergruppe werden soll. Kanada betont, dass die Gruppe immer noch eine besondere Verantwortung trage. Ein klein wenig spielt in solche beschwörenden Floskeln die Sorge hinein, dass Kanadas Einfluss mit dem Übergang zu den G 20 schwindet. „Kanada glaubt an die Zukunft der G 7“, sagt ein Spitzenbeamter des Finanzministeriums. Die geplante Erneuerung der Gruppe richte sich nicht gegen die G 20. Deutschland sieht dagegen die Bedeutung G 7 schon im Wandel. „In Zukunft wird sie zu einem Vorbereitungstreffen der G 20“, heißt es lakonisch in Regierungskreisen. Entsprechend könnten die Zusammenkünfte deutlich kleiner und informeller gehalten werden. Man werde daher in Kanada auch darüber beraten, wie der institutionelle Unterbau der G 7 angepasst werden könne.

Organisatorisch krempelt Kanada die Siebenergruppe schon um, damit sie aufgefrischt wird. Eine gemeinsame Abschlusserklärung, die üblicherweise in wochenlanger Arbeit von den beteiligten Staaten ausgehandelt wird, soll es in Iqaluit nicht geben. „Wir wollen diskutieren und nicht über einzelne Worte verhandeln“, lautet die neue Devise; darin liege der Wert der Siebenergruppe. Die sehr begrenzten Übernachtungsmöglichkeiten in dem Städtchen erzwingen dazu passend die Verkleinerung der Delegationen. Auch das übliche Ritual, dass nach dem offiziellen Teil des Treffens jedes Land seine eigene Pressekonferenz abhält und seine Sicht der Dinge darstellt, haben die Kanadier unterbunden: Gemeinsam sollen am Ende alle sieben Finanzminister vor die Presse treten. Die Notenbankgouverneure bleiben damit in der Öffentlichkeit wohl außen vor.

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