06.02.2010 · Die Finanzprobleme in Ländern des Euro-Raums haben den Beginn des G-7-Finanzministertreffens im kanadischen Iqaluit bestimmt. Finanzminister Schäuble bemühte sich zwar zu versichern: „Der Euro bleibt stabil.“ Doch Gastgeber Flaherty äußerte sich besorgt.
Die Finanzprobleme in Ländern des Euro-Raums haben den Beginn des Finanzministertreffens der sieben großen Industrieländer (G7) am Freitag und Samstag im arktischen Iqaluit bestimmt. Der kanadische Gastgeber Jim Flaherty kündigte an, er werde dieses Thema mit seinen Kollegen mit besonderem Augenmerk auf die Lage Griechenlands erörtern. Ich glaube, wir müssen sehr bewusst mit der Möglichkeit des Zusammenbruchs nationaler Volkswirtschaften und der anhaltenden Existenz von giftigen Anlagen in einigen Banken umgehen“, sagte Flaherty.
Die Aktienmärkte waren zuvor wegen der Befürchtungen einer Destabilisierung des Euro-Raums und Spekulationen über die Möglichkeit einer umfangreichen gemeinsamen Hilfeaktion der Euro-Länder auf Abwege geraten. Die Kurse fielen am Freitag zeitweise auf ein Dreimonatstief, erholten sich dann aber wieder in den Vereinigten Staaten. Der Euro schwächte sich zeitweise auf unter 1,36 Dollar ab, den niedrigsten Stand seit Mai vergangenen Jahres.
Einige Länder des Euro-Raums, namentlich Griechenland, Portugal und Spanien, leiden zunehmend unter Finanzproblemen. Das nährt die Befürchtung, dass diese Probleme sich in der Europäischen Währungsunion noch ausbreiten und damit den gesamten Euro-Raum hinabziehen könne (siehe auch: Banken zittern mit den schwachen Euro-Staaten).
Schäuble von Euro-Stabilität überzeugt, Oettinger zweifelt
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich in Iqaluit überzeugt, dass diese ernsten Probleme letztlich den Euro nicht gefährden würden. „Der Euro bleibt stabil“, sagte er. Die Unruhe an den Welt-Kapital- und Devisenmärkten nannte er Übertreibungen. Griechenland müsse nun einen hohen Preis für die lang andauerende Verletzung von EU-Stabilitätsregeln zahlen.
Der designierte EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) fürchtet hingegen, der Euro könne instabil werden. Er sehe die „Stabilisierung der Währung“ als größte Herausforderung für Europa, sagte der scheidende baden-württembergische Ministerpräsident unmittelbar vor seinem Amtswechsel dem „Reutlinger General-Anzeiger“.
Er verwies auf die dramatisch zugespitzte Haushaltslage in mehreren Euroländern. Neben Griechenland seien zunehmend auch Spanien, Portugal, Lettland, Irland und Italien betroffen. Diese Aufgabe zu bewältigen sei „vordringlich“, mahnte Oettinger. Der künftige Energiekommissar der Europäischen Kommission sieht neben seiner Fachzuständigkeit auch eine Mitverantwortung für gesamteuropäische Fragen im Rahmen des Kollegialprinzips in Brüssel.
Trichet: Kein Krisentreffen der EZB-Führung
Der Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet wies Spekulationen zurück, die EZB-Führung könnte am Wochenende wegen der angespannten Lage zu einem Krisentreffen zusammenkommen. Schäuble wandte sich gegen Mutmaßungen über gemeinsame Notfallpläne der Euro-Länder zur Unterstützung Griechenlands. Er sagte aber auch, viele kluge Menschen machten sich über viele Dinge Gedanken.
Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise ist unterdessen, so sagte Finanzminister Schäuble, noch nicht ganz überwunden. Darin sei man sich in der G7 einig. Er äußerte sich aber besorgt, dass man beim geeigneten Zeitpunkt für den Abschied von den teuren Konjunktur- und großzügigen Liquiditätsprogrammen noch nicht die notwendigen Exit-Strategien ausgearbeitet habe. Man dürfe nicht bereits wieder die Basis für Überhitzungen in der Wirtschaft legen. „Wir sind uns aber alle einig, dass es derzeit noch nötig ist, die Anreizprogramme weiterzufahren“, sagte Flaherty.
Die kanadischen Organisatoren des G7-Treffens wollen erstmals seit langem darauf verzichten, am Ende ein Kommunique zu veröffentlichen. Dies soll ein Stück weit auch der Tatsache Rechnung tragen, dass die G7 angesichts des Bedeutungsgewinns der Gruppe der 20 großen Schwellen- und Industrieländer (G20) wieder stärker informell arbeiten will (siehe: Kanada will die G 7 zurück zu den Wurzeln führen). Die Zukunft der G7 selbst steht auf der Tagesordnung. Italiens Wirtschafts- und Finanzminister Guilio Tremonti möchte die G20 weiterentwickeln zu einer Art Weltwirtschafts-Rat als Organ der weltwirtschaftlichen Koordination und Aufsicht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.419,90 | −1,28% |
| EUR/USD | 1,2363 | −0,05% |
| Rohöl Brent Crude | 103,36 $ | +0,11% |
| Gold | 1.540,00 $ | −2,50% |
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