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Finanzmarktkrise „Mehr als eine vorübergehende Schlechtwetterfront“

22.03.2008 ·  Bundestagspräsident Lammert hat im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gemahnt, die Finanzkrise nicht zu unterschätzen. Ein noch dunkleres Bild zeichnet der Wirtschaftsweise Bofinger. Er bezeichnete die Krise als die schlimmste „seit dem zweiten Weltkrieg.“

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Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat gemahnt, die aktuelle internationale Finanzkrise nicht zu unterschätzen: „Es geht längst um mehr als um eine vorübergehende Schlechtwetterfront“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos“ - so hätte es Konrad Adenauer ausgedrückt, sagte Lammert.

Der Bundestagspräsident bezeichnete es als eine „große Gefahr“, dass das marktwirtschaftliche System in Deutschland bald keine Akzeptanz mehr finden könnte. Dieser „Trend“ beunruhige ihn. „Ich sehe, dass sich zunehmend mehr Menschen von Personal und Institutionen in Wirtschaft und Staat distanzieren“, sagte er. Mit Blick auf die Finanzkrise glaubt Lammert, dass man sich nicht wundern müsse, „wenn heute aus Enttäuschung über Fehlentwicklungen oder die Verfehlungen einzelner Wirtschaftsvertreter auf das Versagen des ganzen Systems geschlossen wird.“

Wirtschaftsweiser Bofinger warnt vor Konjunkturrisiken in Deutschland

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger zeichnete ein noch dunkleres Bild von der aktuellen Lage: Er sieht durch die aktuelle internationale Finanzkrise klare Abwärtsrisiken für die deutsche Konjunktur. „Die Bundesregierung darf darüber nicht einfach hinweggehen“, sagte das Mitglied im Sachverständigenrates der Bundesregierung der „Passauer Neuen Presse“. Allerdings unterscheide sich die Lage hierzulande grundlegend von der in den Vereinigten Staaten. „Der Aufschwung in Deutschland ist kein Aufschwung auf Pump gewesen. Wo es keine Kreditblase gibt, kann auch keine platzen.“

Als die größte Gefahr für die deutsche Wirtschaft wertete der Wirtschaftsweise die massive Aufwertung des Euro. „Der Euro ist seit dem Herbst gegenüber dem Dollar um rund zehn Prozent aufgewertet worden. Zehn Prozent Aufwertung bedeuten für Deutschland einen halben Prozentpunkt weniger Wachstum“, sagte Bofinger der Zeitung.

Änderung der Kreditvergabe gefordert

Mit Blick auf ein mögliches staatliches Konjunkturprogramm sagte Wirtschaftswissenschaftler, effektiver als ein nationaler Alleingang wäre eine Initiative auf internationaler Ebene. „Die Länder, die in den letzten Jahren massive Leistungsbilanzüberschüsse aufweisen konnten - also China, Russland, Japan, Deutschland, die Schweiz oder die Ölförderländer - sollten sich gemeinsam überlegen, wie sie einen Beitrag zur Belebung der Weltkonjunktur leisten können.“ So könnten China und Russland etwa ihre Reserven für Investitionen im Umweltschutzbereich nutzen.

In der Zeitung „Bild am Sonntag“ forderte Bofinger eine Änderung der Kreditvergabe. „Das internationale Finanzsystem befindet sich in der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“, schrieb Bofinger laut einem Vorabbericht in einem Gastbeitrag für die Zeitung. „Kredite müssen in Zukunft wieder stärker über traditionelle Banken laufen und nicht über exotische Zwischenhändler. Und der Staat muss mehr als bisher dafür sorgen, dass sich alle Beteiligten an die Regeln halten. Nur so werden die Finanzmärkte wieder sicherer.“

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