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Finanzmarkt Wachstumszweifel drücken die Stimmung

05.10.2009 ·  Die Stimmung an den Börsen kippt. Zwischen Juli und September war an den Aktienmärkten zwar wieder gutes Geld zu verdienen. Doch jetzt wird selbst den Optimisten unter den Börsianern klar: Der Weg aus der Krise wird trotzdem lang und steinig werden.

Von Claus Tigges, Washington
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Als habe jemand einen Schalter umgelegt, ist mit dem Ende des dritten Quartals die Stimmung an den Börsen gekippt. Nicht nur an der Wall Street, auch an anderen Finanzplätzen wie Frankfurt oder Tokio sanken an den ersten beiden Handelstagen im Oktober die Notierungen, mitunter sogar kräftig.

Was manche Marktauguren als den Beginn der vielfach befürchteten Kurskorrektur, andere nur als kurzen Rückschlag auf dem Weg zu deutlich höheren Notierungen bezeichneten, wurde durch enttäuschende Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt am Freitag verstärkt: Der Anstieg der Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 9,8 Prozent war noch weithin von Bankvolkswirten vorhergesagt worden. Als beunruhigend werteten die Marktakteure aber, dass sich der Stellenabbau im September wieder beschleunigt hat. Selbst wenn die Pessimisten unter den Börsianern nicht recht behalten sollten, so ist dies doch eine eindringliche Erinnerung, dass die Wirtschaftskrise noch nicht endgültig überwunden ist und die Konjunkturerholung aller Voraussicht nach schleppend verlaufen wird. In dieser Woche beginnt die Berichtssaison für das zu Ende gegangene Quartal. Dann werden die Anleger erfahren, ob sich ihre Hoffnungen auf steigende Gewinne erfüllt haben. Und sie werden von den Unternehmen hören, was diese von den kommenden Monaten erwarten.

Dow Jones verbucht bestes drittes Quartal seit 1998

Das bedeutet freilich nicht, dass zwischen Juli und September mit einem Aktienengagement nicht gutes Geld zu verdienen war. Der Dow Jones, Barometer der 30 führenden Industrieaktien an der Wall Street, verbuchte während dieses Zeitraums einen Anstieg von 15 Prozent – das macht das dritte Quartal zum erfolgreichsten seit 1998. Aber auch der marktbreitere Index S&P 500 legte 15 Prozent zu, ein Hinweis darauf, dass die Kursrally nicht nur von einer kleinen Schar von Aktien getrieben wurde. In Deutschland stieg der Dax von etwas weniger als 4600 Punkten auf mehr als 5700 Punkte, ehe es zwei Tage lang bergab ging.

Einen weiteren Beleg dafür, dass viele Finanzmarktakteure die Aussichten als durchaus günstig einstufen, hat die Ankündigung der französischen BNP Paribas geliefert, innerhalb der kommenden vier Wochen rund 5,1 Milliarden Euro von Investoren einwerben zu wollen. Mit dem Geld will die in Paris ansässige Bank einen Krisenkredit der Regierung von Ende März zurückzahlen. 226 Millionen Euro soll die Regierung als Dividende für die Vorzugsaktien erhalten, die sie damals erworben hat. In Amerika hat schon eine Reihe von Banken dies getan und dem Finanzministerium und damit letztlich den amerikanischen Steuerzahlern eine ordentliche Rendite beschert.

Zentralbanken beraten über „Exit-Strategie“

Untrennbar verbunden mit der Lage auf den Märkten und den Perspektiven für die Wirtschaft ist die Geldpolitik der Notenbanken. Am Donnerstag trifft sich der geldpolitische Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) zu seiner auswärtigen Sitzung in Venedig. Eine Zinserhöhung für den Euro-Raum liegt zwar noch in der Ferne, doch die Währungshüter um Jean-Claude Trichet werden gewiss über Einzelheiten der „Exit-Strategie“ beraten, jenes geldpolitischen Kurses, mit dem die zur Krisenbewältigung ausgebrachte Liquidität wieder eingesammelt werden soll, damit die Preisstabilität gesichert bleibt. Dass die EZB auch damit keine allzu große Eile verspürt, das hat neben Trichet beispielsweise auch Bundesbankpräsident Axel Weber erkennen lassen.

Ganz ähnlich haben sich auch amerikanische Währungshüter geäußert, unter anderem der Präsident der Federal Reserve Bank von Boston, Eric Rosengreen. Sowohl der geldpolitische als auch der finanzpolitische Impuls dürften erst dann verringert werden, wenn der Aufschwung sich selbst trage und von der privaten Nachfrage gestützt werde, sagte der Notenbanker. Das dürfte auch die Einschätzung des Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke sein. Die Fed wird in diesem Monat den Kauf amerikanischer Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten für bis zu 300 Milliarden Dollar abschließen. Der Erwerb von Wertpapieren, die mit Forderungen aus Hypothekendarlehen abgesichert sind, soll zum Ende des ersten Quartals 2010 abgeschlossen werden. Bernanke und seine Kollegen werden sich aber schon jetzt die Köpfe darüber zerbrechen, wie sie ihr Engagement auf diesen Märkten zurückfahren werden, ohne dass es dort zu Turbulenzen kommt, die womöglich einen scharfen Anstieg der Kapitalmarktrenditen und der Hypothekenzinsen zur Folge hätten. Die Rendite der amerikanischen Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit beträgt derzeit 3,21 Prozent. Das ist zwar fast ein Dreiviertelprozentpunkt mehr als zur Ankündigung des Kaufprogramms im März, aber auch rund 0,75 Prozentpunkte weniger als im Juni, als an den Märkten über eine mögliche Zahlungsunfähigkeit der amerikanischen Regierung gemutmaßt wurde.

Dollar dank Amerikas Haushaltsdefizit weiter schwach

Das hohe Haushaltsdefizit Washingtons und der wachsende Schuldenberg spielen im Übrigen für den Außenwert des Dollar eine nicht gering zu schätzende Rolle. Finanzminister Geithner hat nicht ohne Grund dieser Tage darauf hingewiesen, dass ein starker Dollar „sehr wichtig für dieses Land“ sei. Und er weiß, dass es der Reputation des Dollar und seiner Rolle als führende Reservewährung abträglich wäre, wenn es nicht zu einer Konsolidierung der öffentlichen Finanzen in Amerika käme. Sobald der Aufschwung gefestigt sei, werde der finanzpolitische Kurswechsel eingeleitet, verspricht der Minister. Geithner und auch Bernanke dürften gleichwohl mit dem Ergebnis des Treffens der G-7-Finanzminister und -Notenbankchefs am Wochenende in Istanbul zufrieden sein. In der Abschlusserklärung wird China ausdrücklich gelobt für seine Fortschritte auf dem Weg zu einem flexibleren Wechselkurs des Yuan. Eine weitere Aufwertung der chinesischen Währung werde die Abhängigkeit Chinas vom Export verringern und für ein gleichmäßigeres Wachstum sorgen, heißt es im Kommuniqué.

Eine gewisse Abwertung des Dollar ist durchaus im amerikanischen Sinne. Unliebsam erhöhen würde sich der Druck vermutlich, entschlösse sich die Führung in Peking dazu, ihr Reserveportfolio zu diversifizieren und einen Teil ihrer Dollar-Bestände abzugeben. Ein Zeichen hat China schon mit dem Milliardenkredit an den Internationalen Währungsfonds gesetzt, der nicht in Dollar, sondern in SZR (Sonderziehungsrechte) aufgelegt ist.

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01.06.2012 12:36 Uhr
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