Die Europäische Kommission nimmt die Regulierung der sogenannten Schattenbanken in Angriff. Nach Angaben des für die Finanzmärkte zuständigen Binnenmarktkommissars Michel Barnier will die Behörde prüfen, in welchem Umfang Finanzunternehmen, die außerhalb des regulierten Bankensektors agieren, zusätzlicher Regulierung bedürfen.
Er wolle „Licht in den gesamten Finanzsektor bringen“, sagte Barnier am Montag in Brüssel bei der Vorstellung eines sogenannten Grünbuchs, mit dem er allen Marktakteuren und Verbraucherorganisationen die Möglichkeit zur Stellungnahme geben will.
Es sei offen, ob die Behörde nach Abschluss der Konsultation Gesetzgebungsvorschläge mache, sagte der Kommissar. In seinem Umfeld hieß es aber, es sei schwer vorstellbar, dass die Kommission die Aktivitäten von Nichtbanken völlig unreguliert lasse.
„Besser verstehen, was Schattenbanken sind“
Denkbar sei, dass der bestehende Rechtsrahmen – etwa die neuen Regulierungen für Hedgefonds – ergänzt werden. Möglicherweise sei ein ganz neues Gesetz notwendig. Zuvor müsse er aber „besser verstehen, was Schattenbanken eigentlich sind und welche Regulierung und Aufsicht für sie angebracht ist“, sagte Barnier. Dies sei wichtig, weil die Branche innovativ und dauernd in Bewegung sei.
Als Schattenbanken gelten alle Marktteilnehmer, die im weitesten Sinne an der Finanzierung mitwirken, ohne der Bankenregulierung zu unterliegen, etwa Hedgefonds, Geldmarktfonds, börsengehandelte Indexfonds oder Unternehmen, die Verbriefungen verkaufen.
Anlass der Kommissionsuntersuchung ist nicht zuletzt die Befürchtung, dass die in den vergangenen Jahren verschärfte Bankenregulierung dazu führt, dass Geschäfte aus den Banken in unregulierte Institutionen abwandern. Möglicherweise gingen von der Branche systemische Risiken aus.
Nach Angaben des internationalen Finanzstabilitätsrats FSB (Financial Stability Board) ist das Volumen der Schattenbanken global zwischen 2002 und 2010 von 21 auf 46 Billionen Euro gewachsen. Das entspricht 25 bis 30 Prozent der globalen Finanztransaktionen.
Nach Angaben der EU-Behörde ist die Bedeutung der Schattenbanken in der EU (mit 13 Prozent in Großbritannien und fünf Prozent in Deutschland) geringer als in den Vereinigten Staaten, wo ihr Anteil an den Transaktionen auf 35 bis 40 Prozent geschätzt wird.
Allerdings sei der Anteil der Schattenbanken in Europa gestiegen, während sie im Rest der Welt, auch in Amerika, gesunken sei. Die EU-Kommission betonte, „bis zu einem gewissen Grad“ erfüllten Schattenbanken eine wichtige Funktion, weil sie eine zusätzliche Finanzierungsquelle darstellen und Anlegern Alternativen zu Bankeinlagen böten. Für langfristige Finanzstabilität könnten sie aber mit Risiken verbunden sein.
Positive Reaktionen
Die Reaktionen aus Barniers Vorstoß fielen weitgehend positiv aus. Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret sagte im Deutschlandradio Kultur, die EU müsse in der Überwachung der Schattenbanken vorangehen. Es genüge keine einmalige Erfassung der Aktivitäten. Vielmehr sei regelmäßige Kontrolle nötig, weil Schattenbanken typischerweise mit immer neuen Innovationen in den Markt eingriffen.
Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Alternative Investments, Frank Dornseifer, lobte das Grünbuch, weil die EU-Kommission einen differenzierten Überblick über unterschiedliche nicht regulierte Aktivitäten anstrebe. Er machte aber darauf aufmerksam, dass vor allem Hedge Fonds und Private Equity gar keine bankähnlichen Aktivitäten ausübten. Zudem seien sie durch eine bestehende neue Richtlinie bereits reguliert.
Armutszeugnis fuer EU
Carlos Anton (carlosanton)
- 20.03.2012, 09:06 Uhr
Alter Hut
(ErnstLudwig)
- 20.03.2012, 07:34 Uhr
Die EU will zunächst einmal selbst eine Schattenbank errichten.
Name: ESM!
Gerold Keefer (solaris21)
- 20.03.2012, 07:15 Uhr
Ach was!
Andreas Gehrmann (Traumschau)
- 19.03.2012, 18:43 Uhr
