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Finanzkrise und ihre Folgen Wie gefährlich sind die Schattenbanken?

Schattenbanken sind Firmen, die viel Geld verwalten - aber trotzdem nicht als Banken reguliert werden. Sie verwalten heute mehr Geld als vor der Finanzkrise. Ist das schlimm? Vier Anmerkungen.

© dpa Schatten auf den Banken

1. Schattenbanken verwalten eine Menge Geld. Schattenbanken fristen kein Schattendasein. Sie  verwalten Schätzungen zufolge rund 67 Billionen Dollar. Das ist mehr Geld als vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 und entspricht etwa dem Gegenwert des gesamten Weltsozialproduktes des vergangenen Jahres. Die Zahl ausgerechnet haben Finanzprofis, die unter dem Dach der wichtigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) im sogenannten Financial Stability Board (FSB) organisiert sind. Die Zahl 67 Billionen Dollar bezieht sich dabei auf das Ende des vergangenen Jahres und steht nach Angaben des FSB für rund 90 Prozent der im Weltfinanzsystem gehaltenen Vermögensbestände. Schattenbanken verwalten mehr Vermögen als Versicherer und Zentralbanken und in der Summe etwa halb so viel wie die „echten“ Banken (siehe Grafik). Schon aus diesen Größenvergleichen ist intuitiv ersichtlich, dass es für die Welt außerhalb der Schattenbanken vermutlich problematisch ist, wenn der Schattenbanken-Sektor in Schwierigkeiten gerät. Die Antwort auf die Frage, ob von Schattenbanken möglicherweise Gefahren ausgehen, lautet darum schlicht: Ja.

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2. Schattenbanken sind ähnlichen Risiken ausgesetzt wie Banken - zum Beispiel Bankruns. Schwer  zu beantworten ist, wie gefährlich dieser Bereich innerhalb des Finanzsystems tatsächlich ist. Grundsätzlich gilt wohl, dass Schattenbanken nahezu dieselben Risiken aufweisen wie klassische Banken auch, das ergibt sich aus der Natur der Sache. Denn Schattenbanken sind nach gängigen Maßstäben wie denen des FSB Schattenbanken, weil sie ähnliche bis identische Funktionen erfüllen wie Banken selbst. Darunter fallen bestimmte Hedgefonds-Gattungen ebenso wie manch börsennotierter Indexfonds oder Investmentbanken. Exemplarisch überaus häufig genannt werden zumindest mit Blick auf die Vereinigten Staaten zudem Geldmarktfonds. Entscheidend ist, dass die Schattenbank analog zur herkömmlichen Bank als Finanzintermediär auftritt und die Ersparnisse der einen als Kredit an andere ausreicht und dabei möglicherweise sowohl in der Zeit als auch in der Liquidität transformiert. Aus der auf Stabilität und Sicherheit bedachten Sicht der Gesellschaft (und ihrer Politiker) stellt sich darum wie im Falle der Banken die Frage, ob auch Schattenbanken Gefahr laufen, einen Bankrun zu erleiden - also eine Situation, in der ihre Anleger aus Angst heraus spontan ihre traditionellen Einlagen entsprechenden Engagements abziehen. Genau das ist in den Vereinigten Staaten während der Finanzkrise passiert.

Infografik / Schattenbanken / Verwaltetes Vermögen © F.A.Z. Bilderstrecke 

3. Die Finanzkrise - nichts anderes als ein Run auf Schattenbanken. Nach Ansicht führender Finanzexperten wie beispielsweise dem Yale-Professor Gary Gorton war die Finanzkrise, die in den Vereinigten Staaten im Jahr 2007 begann und in ihrer Hochphase bis ins Jahr 2009 reichte, im Kern nichts anderes als ein Ansturm auf den Schattenbankensektor. Warum? Die Funktion des Schattenbankensektors bestand dieser Argumentation folgend vereinfacht gesagt darin, eine sichere (kurzfristige) Geldanlage anzubieten für Anleger, die deutlich größere Beträge anlegen wollten als sie mit der Einlagensicherung gedeckt sind. Davon gab es (und gibt es) viele, etwa große international aufgestellte Unternehmen. Was im Falle eines Sparkontos die Einlagensicherung ist, sollte im Schattenbankenbereich mittels alternativer Sicherheiten dargestellt werden. Häufig wurden dafür nun berüchtigte, mit Hypotheken besicherte Wertpapiere dafür verwendet, die „Einlagen’’ in den Schattenbanken zu hinterlegen. Als dann Amerikas Häusermarkt kollabierte und Zweifel zunahmen, ob Hausbesitzer ihre Hypotheken bedienen können, verfielen die Preise der daraus gebündelten Wertpapiere - quasi die „Einlagensicherung“ der Schattenbanken brach zusammen. Die Anleger zogen ihr Geld massenweise ab, was die Schattenbanken ins Wanken brachte (Bankrun). Das geschah weitgehend unbeobachtet von der Öffentlichkeit - die Folgen indessen waren und sind weithin sichtbar, auch diesseits des Atlantiks.

4. Regulieren, so wie Banken. Die Folgerungen, die sich daraus ergeben für die Finanzaufsicht, sind ähnlich denen für die Bankenbranche. Der FSB empfiehlt grundsätzlich mehr Transparenz  über Schattenbanken. So sollten sich zum Beispiel alle Schattenbanken bei der Finanzaufsicht registrieren lassen. Außerdem sollten die Aufsichtsbehörden möglichst exakte Informationen über die Verflechtung des Schattenbankenbereichs mit dem traditionellen Bankensektor sammeln. Empfohlen wird außerdem, die Sicherheiten für häufig verwendete Transaktionstypen (etwa Wertpapier-Rückkaufgeschäfte, kurz: Repos)  zu standardisieren oder zumindest Richtlinien festzulegen, an denen sich die Marktteilnehmer orientieren. In Verbindung damit raten die FSB-Mitglieder, generell Sicherheiten zu hinterlegen, die (deutlich) über das nominale Volumen der abgesicherten Geschäfte hinausgehen. Das ist ungefähr vergleichbar mit höheren Eigenkapitalforderungen, wie sie im Rahmen von Basel III von den Banken künftig verlangt werden. Zusammengefasst sind die Gefahren, die von Schattenbanken ausgehen, nicht wesentlich anders als die Gefahren gewöhnlicher Banken. Deshalb stellen sich auch für  Regulierungsfragen dieselben Probleme - allein das Vokabular ist anders.

Wer mehr wissen möchte, kann sich weiter einlesen unter Gorton/Metrick: „Regulating the Shadow Banking System“ oder Poszar et. al. „Shadow Banking“.

Quelle: FAZ.NET/ala.

 
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