23.11.2007 · Die Qualität der Bonitätsbewertungen durch die Ratingagenturen müsse besser werden. Diese Lehre sollte aus der Finanzkrise gezogen werden, forderte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet. Am Freitag traf sich in Frankfurt die Finanzbranche zum „European Banking Congress“.
Als Konsequenz aus der Finanzmarktkrise hat die Europäische Zentralbank (EZB) eine strengere Kontrolle von Rating-Agenturen gefordert. „Wir müssen den Informationsgehalt der Ratings erhöhen und den Überwachungsprozess sehr viel transparenter gestalten“, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Freitag beim „European Banking Congress“ in Frankfurt.
Rating-Agenturen waren in die Kritik geraten, weil sie riskante Finanzprodukte am Markt für zweitklassige amerikanische Hypothekenkredite (Subprime) vermeintlich zu positiv eingeschätzt hatten. Viele Anleger verließen sich nur noch auf Ratings - „das ist aber sehr riskant“, sagte Trichet. Der Markt war zusammengebrochen, viele Anleger verloren große Summen, etliche Banken mussten Millionen oder gar Milliarden abschreiben. Die „erhebliche Marktkorrektur“, sei nicht überraschend, sagte Trichet.
Trichet mahnt zu mehr Selbstkontrolle
Insgesamt mahnte der EZB-Präsident die internationale Finanzindustrie zu mehr Selbstkontrolle: „Wir müssen das Risikomanagement auf allen Ebenen verbessern.“ Trichet betonte: „Dies bedeutet nicht unbedingt, dass es bei den Regeln einen dramatischen Wandel geben muss oder dass es zu einer Überregulierung kommt. Ich bin der festen Meinung, dass eine freiwillige Teilnahme der beste Weg ist.“
Außerdem sieht Trichet in den heftigen Bewegungen am Devisenmarkt eine Gefahr für die Weltwirtschaft. „Scharfe Bewegungen sind nicht gut für das globale Wachstum“, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Freitag am Rande eines Bankenkongress in Frankfurt.“Und was wir nicht wollen sind brutale Wechselkursbewegungen.“ Der Euro war am Morgen knapp an der Marke von 1,50 Dollar gescheitert. Die Gemeinschaftswährung wertet wegen der anhaltenden Dollarschwäche seit Monaten massiv auf.
Dresdner Bank will keine stärkere Regulierung
Nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank Herbert Walter sollte die Finanzkrise keine schärfere staatliche Kontrolle nach sich ziehen. „Ich halte eine stark regulatorische Lösung für unangebracht“, sagte Walter. Es müsse aber mehr Transparenz an den Märkten herrschen.
Seit diesem Sommer sorgt eine Krise auf dem amerikanischen Immobilienmarkt weltweit für Turbulenzen. Etliche Banken schrieben Millionen oder gar Milliarden ab. Die Allianz-Tochtergesellschaft Dresdner Bank musste im dritten Quartal 2007 rote Zahlen ausweisen (Allianz: Dresdner Bank schreibt wieder Verlust).
Commerzbank erneuert Interesse an Postbank
Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hat sein Interesse an der Deutschen Postbank bekräftigt. Auf die Frage, ob Deutschlands größte Filialbank ein attraktiver Übernahmekandidat für sein Geldinstitut wäre, sagte Müller am Freitag in Frankfurt: „Wie schon mehrfach betont: Ja.“
Auch die Deutsche Bank hatte ein Interesse an der Postbank signalisiert. Analysten erwarten, dass die börsennotierte Tochtergesellschaft der Deutschen Post 2008 oder 2009 zum Verkauf stehen wird.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.419,90 | −1,28% |
| EUR/USD | 1,2363 | −0,05% |
| Rohöl Brent Crude | 103,36 $ | +0,11% |
| Gold | 1.540,00 $ | −2,50% |
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