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Finanzkrise Die Entdeckung der kleinen Bad Banks

31.01.2009 ·  Peer Steinbrück hat eine Idee: Jede Bank trennt ihre schlechten Wertpapiere von den guten. Dafür darf sie bei der Bilanzierung tricksen. Aber wird das Prinzip „die Guten ins Töpfchen“ wirklich in der Praxis funktionieren?

Von Lisa Nienhaus und Christian Siedenbiedel
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Die deutsche Regierung kämpft an allen Fronten, um den Kollaps einzelner Banken zu verhindern. Die Katastrophenbank Hypo Real Estate will sie womöglich verstaatlichen. Die restlichen Institute sollen wohl neue Rettungsangebote erhalten. Geld und Staatsgarantien, die bisher der staatliche Rettungsfonds Soffin verteilt, reichen offenbar nicht, um das Vertrauen wiederherzustellen.

Während Amerika noch darüber diskutiert, eine staatliche Bad Bank einzurichten, die mit zwei Billionen Dollar alle schlechten Papiere der Geldhäuser aufkauft, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dieser Lösung schon eine Absage erteilt. Es ist Krisenminister Peer Steinbrück persönlich, der einen zweiten Weg vorschlägt. Nicht eine einzelne Bad Bank solle es geben. Vielmehr solle sich jede Bank in einen guten und einen schlechten Teil aufspalten. In die Mini-Bad-Bank solle sie ihre giftigen Wertpapiere stecken, den Finanzschrott, für den der Staat Garantien übernehmen könnte. Der guten Bank blieben die relativ gesunden Geschäftsfelder. Sie wäre ihre Schrottpapiere damit aber nicht los, denn die Bad Bank würde der guten Bank weiterhin gehören.

Interessant durch einen Bilanztrick

Was das bringen soll, ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, denn jede Bank besitzt dann weiterhin die gleichen Risiken. Interessant wird das Modell erst durch einen Bilanztrick: Die Band Banks müssen in so einer Konstellation ihre Papiere nicht unbedingt nach Marktpreisen bewerten – eine Regel, die in diesen Krisenzeiten dazu führt, dass die Papiere ständig abwerten und den Banken die Bilanzen verhageln. Die Geldhäuser können ihre Wertpapiere stattdessen einmal bewerten – und dann lange zu diesem Preis in den Büchern der Bad Bank stehenlassen, egal, ob der Marktpreis rauf- oder runtergeht.

Für die Bank hat das einen großen Vorteil. Sie kann die Risiken in die Zukunft verschieben. Zum Beispiel sind italienische Staatsanleihen derzeit nur zu geringen Preisen zu verkaufen. Dabei gilt es als wahrscheinlich, dass Italien die Anleihen bedienen wird. Wenn eine Bank also viele italienische Staatsanleihen hat, kann sie diese in die Bad Bank verschieben – und abwarten, bis sie mal wieder besser dastehen.

Nur wenn die Preise übertrieben niedrig sind, macht das Sinn

Das Beispiel macht deutlich: Eine solche Mini-Bad-Bank ergibt nur Sinn, wenn man annimmt, dass die Marktpreise für bestimmte Papiere zurzeit falsch sind, nämlich übertrieben niedrig. Der Gesetzgeber muss überzeugt sein, dass viele Marktpreise momentan „Notverkaufspreise“ sind, wie die Banker sagen, und dass ihr wahrer Wert auf Dauer höher ist. Ob das stimmt, ist umstritten.

Technisch funktioniert das Modell so: Die Bank gründet ihre Bad Bank als Zweckgesellschaft. Sie überträgt ihr die giftigen Papiere und bekommt dafür eine Forderung gegen die Bad Bank in Höhe der Gewinne, die sie aus dem Verkauf der faulen Anlagen in Zukunft erwartet. Am Ende der Laufzeit der Papiere wird abgerechnet: Liegt der Gewinn, den die Bad Bank mit ihnen erzielen kann, unter dem Wert, zu dem sie diese bekommen hat, muss die Good Bank dies als Verlust verbuchen.

Im besten Fall keine Kosten, im schlimmsten Fall hohe Verluste

Es handelt sich bei dieser Art Mini-Bad-Bank also um einen Trick, der im besten Fall keine Kosten verursacht und im schlimmsten Fall große Verluste in die Zukunft verschiebt. Das Ziel ist, schnell das Vertrauen zwischen den Banken wiederherzustellen. Das könnte gelingen. Denn wenn eine Bank ihre Papiere nicht nach Marktpreisen bewerten muss, sinkt das Risiko, dass sie über Nacht pleitegeht. Andere Banken könnten ihr sorgloser etwas leihen; der Austausch von Geld käme wieder in Gang. Dagegen spricht allerdings, dass das Ganze nur eine Illusion ist – „ein Bilanztrick“, wie Thomas Hartmann-Wendels von der Kölner Universität sagt. Die Bank ist nur optisch entlastet. Das Risiko künftiger Ausfälle trägt sie weiter.

Je nachdem, wie die Bad Banks ausgestaltet sind, könnten sie auch auf andere Weise Vertrauen schaffen: durch mehr Transparenz. Ein Grundproblem der Krise ist nämlich, dass keine Bank ahnt, wie viele Risiken genau bei den anderen Banken schlummern. Deshalb sind sie zur Zeit übervorsichtig und verleihen anderen Geldhäusern nur ungern Geld. Wenn das Risiko hingegen von außen erkennbar wäre, könnten die Banken besser einschätzen, wem sie noch Geld leihen. Die guten Banken würden profitieren, die schlechten könnten schneller abgewickelt werden. In der schwedischen Finanzkrise der neunziger Jahre war mehr Offenheit eine wichtige Bedingung dafür, dass die Sanierung der Banken funktioniert hat.

Der Vorteil ist die Arbeitsteilung

Die Mini-Bad-Bank könnte zur Transparenz beitragen, wenn jede Bank veröffentlichen müsste, wie viel Milliarden an schlechten Papieren sie in die Bad Bank verschoben hat. Wenn das hingegen in keiner Bilanz mehr auftaucht – dann wird alles nur noch undurchschaubarer.

Es bleibt ein unbestreitbarer Vorteil, den Mini-Bad-Banks haben: Die Arbeitsteilung. Ihre Mitarbeiter, Fachleute für Gift-Papiere, können sich ganz auf den Bilanzschrott konzentrieren. Sie wickeln ab oder verkaufen. Zugleich haben die Mitarbeiter der guten Bank wieder mehr Zeit für ihr eigentliches Geschäft: Kredite vergeben oder Sparer beraten. Das ist effizient.

Die Mini-Bad-Bank, wie sie jetzt diskutiert wird, ist nur ein Modell. Vielleicht nicht einmal das beste. Eine zentrale Frage ist nämlich: Wer trägt das Risiko, wenn es doch schiefgeht? Wer zahlt, wenn die Bad Bank Verluste macht? Gehört die Bad Bank der guten Bank, haftet diese, solange sie kann. Gehört sie dem Staat oder garantiert der Staat umfangreich für ihre Papiere, haftet der Steuerzahler. Ökonomen wie Hartmann-Wendels schlagen eine dritte Lösung vor: Warum soll nicht der Aktionär einen Großteil des Risikos tragen? Man könnte die schlechte und die gute Bank komplett trennen und die Aktie der alten Bank teilen. Jeder Aktionär bekäme eine Aktie der guten und eine Aktie der bösen Bank. Ginge die Bad Bank pleite, würden zunächst diese Aktien ihren Wert verlieren.

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Jahrgang 1979, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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