03.05.2007 · Die Arbeitslosenzahl sank im April unter vier Millionen. Doch denen, die langfristig ohne Job sind, hilft das kaum. Die Schere unter den Gruppen von Arbeitslosen geht immer weiter auf.
Von Sven AstheimerLangzeitarbeitslose profitieren bislang nur gering vom konjunkturellen Aufschwung und der Belebung des Arbeitsmarktes. Zwar sank im April die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 141.000 auf 3,97 Millionen - saisonbereinigt bleibt ein Minus von 9000 -, und die Quote lag mit 9,5 Prozent um 0,3 Punkte niedriger. Jedoch befanden sich unter den Abmeldungen nur rund 21.000 langzeitarbeitslose Empfänger des Arbeitslosengeldes II, was einem Anteil von knapp 15 Prozent entspricht.
Der Großteil entfiel auf Personen, die weniger als zwölf Monate als arbeitslos gemeldet sind (Arbeitslosengeld I). „Diese Entwicklung ist noch nicht befriedigend“, sagte das zuständige Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), Heinrich Alt, während der Pressekonferenz in Nürnberg. Die wichtigsten Kennzahlen hatte Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) schon am Tag der Arbeit bekanntgegeben.
Fehlende Qualifikation und Mängel bei Gemeinschaften
Damit geht die Schere unter den Gruppen von Arbeitslosen weiter auf. Während qualifizierte Arbeitssuchende von der hohen Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen zunehmend profitieren, wird der Abstand zu den mehr als 2,6 Millionen Langzeitarbeitslosen immer größer. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld I sank innerhalb eines Jahres um ein Viertel, beim Arbeitslosengeld II waren es nur 12 Prozent. Dadurch stieg der Anteil der Langzeit- an allen Arbeitslosen binnen Jahresfrist um 4 Prozentpunkte auf 66 Prozent. Diese Verschiebung hat auch dazu geführt, dass sich die durchschnittliche Verweildauer in Arbeitslosigkeit erhöht hat: Im vergangenen April lag diese bei rund 72 Wochen je Arbeitslosem, vor einem Jahr waren es noch 67 Wochen gewesen.
Die Zahl der Arbeitslosen ist im April unter die Vier-Millionen-Marke gesunken. So wenig gab es zuletzt vor fünf Jahren.
Alt führt die Schwierigkeiten der Langzeitarbeitslosen neben der fehlenden Qualifikation vieler Bewerber auch auf Mängel in den mehr als 350 Arbeitsgemeinschaften zurück. Diese Verwaltungseinheiten, die die Langzeitarbeitslosen betreuen und vermitteln, funktionierten auch mehr als zwei Jahre nach ihrer Einführung noch nicht richtig. Immer noch prallten die unterschiedlichen Kulturen von BA-Mitarbeitern und kommunalen Beamten aufeinander. Die BA erhofft sich eine Besserung, wenn in Kürze ein einheitliches Kontrollsystem Aufschlüsse über die Effizienz der Arbeitsweise jeder einzelnen Arbeitsgemeinschaft bringen soll.
Versicherung mit Überschuss von 400 Millionen Euro
Der rasante Abbau der Kurzzeitarbeitslosigkeit schlägt sich dagegen auch im Finanzergebnis der BA nieder: In den ersten vier Monaten des Jahres verzeichnete die Arbeitslosenversicherung einen Überschuss von 400 Millionen Euro, der Haushaltsplan geht noch von einem Fehlbetrag aus. Die Arbeitgeber fordern deshalb eine weitere Senkung des Beitragssatzes von 4,2 Prozent um mindestens einen halben Punkt. Der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise warnte dagegen, es sei noch zu früh für eine verlässliche Jahresprognose. Diese lasse sich erst zur Jahresmitte treffen. Es zeichne sich schon jetzt ab, dass es kein Defizit von 4,3 Milliarden Euro geben werde.
Dafür spricht auch die Tatsache, dass die BA ihre Prognose geändert hat und nun von 3,8 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt ausgeht. Die Korrektur basiert auf den guten Konjunkturprognosen und dem andauernden Beschäftigungsaufbau. Einer BA-Hochrechnung folgend, stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Februar auf 26,47 Millionen, das waren 650.000 mehr als ein Jahr zuvor. Der Großteil des Stellenaufbaus war demnach auf die Branchen Gastgewerbe, Bau, Verarbeitendes Gewerbe, Verkehr und Nachrichtenübermittlung sowie unternehmensnahe Dienstleistungen zurückzuführen.
Sven Astheimer Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
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