Home
http://www.faz.net/-gqg-7hmez
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

FAZ.NET-Steuerrechner Die Reichen sanieren den Haushalt nicht

SPD, Grüne und Linkspartei fordern höhere Spitzensteuersätze. Doch das bringt wenig Geld in die Staatskasse. Drei Beobachtungen aus dem FAZ.NET-Steuerrechner.

© dpa Vergrößern Der Staat nimmt deutlich mehr als 200 Milliarden Euro Einkommensteuer ein - jedes Jahr.

Die Steuerkonzepte von SPD und Grünen schaffen dem Staat trotz höherer Steuern für Spitzenverdiener nicht viel mehr finanziellen Spielraum als bisher. Das ergibt sich aus dem Steuerrechner, den FAZ.NET zusammen mit dem Institut zur Zukunft der Arbeit in Bonn (IZA) entwickelt hat. Solange keine Steuerausnahmen abgeschafft werden, nimmt der durch die höheren Einkommensteuersätze dadurch gerade einmal zwischen zwei und vier Milliarden Euro mehr Einkommensteuer ein. Davon bezahlte sich weder die Energiewende noch die Euro-Rettung - noch kostenlose Kindertagesstätten für jedermann.

Wenn Sie Finanzminister wären Der FAZ.NET-Steuerrechner © F.A.Z., Institut zur Zukunft der Arbeit, Bernd Helfert Interaktiv 

Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass sich mit den Steuern auch das Verhalten der Menschen ändern kann. Unternehmen lassen eine geplante Investition vielleicht sein, wenn weniger vom vermuteten Ertrag hängen bleibt - oder sie verlegen gleich ihren Standort, weil die Last zu groß wird. Auch für Privatpersonen lohnt sich Anstrengung umso eher, je sie von der eigenen Leistung auch behalten können.

Dennoch weisen die Ergebnisse tendenziell in die richtige Richtung. Dass Steuererhöhungen komplett durch Ausweichreaktionen ausgeglichen werden ist ebenso unwahrscheinlich wie dass sich Steuersenkungen komplett von selbst finanzieren, ohne dass im Gegenzug Ausgaben gestrichen oder neue Schulden gemacht werden müssten, ist eher unwahrscheinlich - auch wenn sie mehr Einsatzbereitschaft freisetzen. Eine wissenschaftlich fundierte Faustregel sagt, dass die Änderungen in Steuersätzen am Ende rund die Hälfte dessen bringen, was vorher berechnet wurde.

Deutlich wird aber dennoch: Ein steigender Spitzensteuersatz bringt oft nicht genug Geld, um entstehende Lücken bei geringeren Steuern im unteren Einkommensbereich ausgleichen. Offenbar gibt es in Deutschland zu wenige Spitzenverdiener, oder weniger als allgemein wahrgenommen.

Einkommensteuer der Linkspartei belastet den Haushalt

Das zeigt auch eine zweite Beobachtung: Das Einkommensteuerkonzept der Linkspartei kostet den Staat trotz der Mehrbelastung von Gutverdienern Milliarden. Sie will das laut Wahlprogramm gegenfinanzieren, indem sie andere Belastungen steigert: Sie will die Körperschaftssteuer erhöhen, was 35 Milliarden Euro Mehreinnahmen bringen soll - pro Jahr. Außerdem will sie Vermögen besteuern und Erbschafen stärker belasten.

Doch auch andere gepriesene Modelle können den Haushalt belasten. Das Modell von der 25-Prozent-Pauschalsteuer, das im Jahr 2005 Angela Merkels designierter Finanzminister Paul Kirchhof vorgeschlagen hat, hing sehr daran, dass Ausnahmen im Steuersystem abgeschafft werden - so, wie es Kirchhof selbst vorgeschlagen hatte. Er wollte das System vereinfachen: nicht mehr die vielen Ausnahmen, nicht mehr die komplizierte Progression. Stattdessen ein einfaches Modell: Jeder zahlt einen Steuersatz von 25 Prozent, außerdem gibt es 8000 Euro Grundfreibetrag pro Person, Schluss aus. Der Rechner zeigt allein für die Eckdaten (8000 Euro Grundfreibetrag, 25 Prozent Steuersatz) Mindereinnahmen von 30 Milliarden Euro im Jahr. Wenn die Ausnahmen nicht beseitigt werden, bleiben die Einnahmen erst mit einem Steuersatz von 30 Prozent gleich. So viel machen die vielen Steuerspar-Möglichkeiten aus.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET/ala.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Defizitstreit mit Brüssel Frankreich entdeckt plötzlich neue Einnahmen

Seit Wochen streitet sich die Regierung in Paris mit der EU-Kommission um den Haushalt. Jetzt gibt Frankreich dem Druck aus Brüssel nach: Die Neuverschuldung soll um bis zu 3,7 Milliarden Euro sinken - allerdings nicht über neue Einsparungen. Mehr Von Christian Schubert, Paris

27.10.2014, 20:34 Uhr | Wirtschaft
Regierung bringt Mietpreisbremse auf den Weg

Bei einem Mieterwechsel darf die Wohnungsmiete ab 2015 nur noch soviel steigen, dass sie höchstens zehn Prozent teurer ist als eine vergleichbare Wohnung derselben Größe und Lage. Allerdings sind Ausnahmen von dieser Bremse vorgesehen. Mehr

01.10.2014, 17:35 Uhr | Wirtschaft
Aktie im Plus Volkswagen steigert Gewinn - dank China

Beinahe 3 Milliarden Euro Gewinn in drei Monaten: Das Geschäft des größten Autobauers Europas läuft. Besonders in China - allen Widrigkeiten zum Trotz. Mehr

30.10.2014, 09:15 Uhr | Wirtschaft
Dax klettert Anleger verzückt

Um die Wirtschaft wieder auf Trab zu bringen, will die japanische Notenbank mehr als 500 Milliarden Euro an den Aktienmärkten investieren. Bei den Händlern in Frankfurt sorgte die Nachricht für glänzende Augen. Mehr

31.10.2014, 15:28 Uhr | Finanzen
Großbritannien und Europa Shocking!

Der Streit um den EU-Beitrag der Briten zeigt vor allem eines: Die Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit wird immer schmaler. Und ein Austritt Großbritanniens aus der EU immer wahrscheinlicher. Mehr Von Marcus Theurer, London

25.10.2014, 08:17 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.09.2013, 12:07 Uhr

Geld rettet Japan nicht

Von Carsten Germis

Die japanische Zentralbank überrascht die Märkte mit einer noch weiteren Öffnung der geldpolitischen Schleusen. Doch das rettet das Land nicht. Mehr 5 11

Umfrage

Sparen Sie angesichts der niedrigen Zinsen noch?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Womit im Umweltschutz am meisten verdient wird

Deutsche Wind- und Solarenergie sind weltweit gefragt. Das gilt auch für andere Bereiche aus dem Umweltschutz, wie unsere Grafik des Tages zeigt. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden