http://www.faz.net/-gqe-75dcz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 28.12.2012, 09:39 Uhr

Familienpolitik Pflegezeit findet wenig Anklang

Seit Anfang des Jahres haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, eine Familienpflegezeit in Anspruch zu nehmen, um nahe Angehörige zu versorgen. Doch die Regelung von Familienministerin Schröder wird kaum genutzt - bislang erst in 200 Einzelfällen.

© dapd Mehr Zeit für pflegebedürftige Angehörige sollte die Pflegezeit-Regelung bringen. Doch kaum jemand nutzt die neue Möglichkeit.

Die Anfang 2012 eingeführte Pflegezeit für Familien wird bislang kaum genutzt. Arbeitnehmer und Arbeitgeber hätten das Gesetz in den ersten zwölf Monaten in nicht mehr als 200 Einzelfällen in Anspruch genommen, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf eine Statistik des Bundesfamilienministeriums.

Ministerin Kristina Schröder (CDU) wollte mit dem Gesetz ursprünglich Menschen die Chance geben, ihren Beruf und die Pflege eines Angehörigen besser miteinander zu vereinbaren.

Vorgesehen ist, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren können, um nahe Angehörige zu pflegen. Um in dieser Zeit finanziell abgesichert zu sein, zahlt der Arbeitgeber ein höheres Gehalt, zum Beispiel 75 Prozent der bisherigen Bezüge. Nach Ende der Pflegezeit müssen die Arbeitnehmer dann so lange zu einem geringeren Gehalt arbeiten, bis der Vorschuss ausgeglichen ist. Auf diese Form der Auszeit besteht aber kein Rechtsanspruch.

Familienministerium: Anlaufzeit nötig

Ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums sagte, das Beispiel der Altersteilzeit, die sehr ähnlich organisiert gewesen sei und nach zehn Jahren 100.000 Teilnehmer hatte, zeige, dass solche großen gesellschaftlichen Vorhaben eine Anlaufzeit brauchen.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) kritisierte die Regelung. Die Zahlen belegten, dass das Gesetz nicht notwendig sei, sagte ein Sprecher. Arbeitgeber und Arbeitnehmer könnten je nach Einzelfall und Betrieb selbst etwas für Pflegezeiten vereinbaren.

DGB: „Überkomplexe Regelungen“

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock sprach von „überkomplexen Regelungen“. Weil Schröder keinen Rechtsanspruch durchgesetzt habe, fehlten dem Gesetz „die soziale Prägekraft“ und der „soziale Mindeststandard“.

In Deutschland werden dem Bericht zufolge mehr als 1,6 Millionen Menschen von Angehörigen und ambulanten Diensten zu Hause gepflegt.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA/DAPD

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kolumne Mein Urteil Wann darf ich mir meinen Urlaub auszahlen lassen?

Machmal häuft sich nicht genommener Urlaub einfach an. Können Arbeitnehmer eigentlich wählen: Mehr Geld statt des Resturlaubs? Mehr Von Doris-Maria Schuster

25.06.2016, 06:14 Uhr | Beruf-Chance
Nach Brexit-Referendum Cameron kündigt Rücktritt an

Der britische Premierminister David Cameron kündigte nach dem Brexit-Referendum seinen Rücktritt an. Die britische Regierung müsse ihre Beziehungen mit der Europäischen Union nun neu regeln, sagte Cameron am Freitag. Mehr

24.06.2016, 15:40 Uhr | Politik
Arbeitsmarktpolitik Verheerende Bilanz für Mindestlohnausnahmen

Um Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, dürfen sie eine Zeit lang vom gesetzlichen Mindestlohn ausgeschlossen werden. Doch offenbar bringt die Regelung vor allem erhebliche Kosten. Mehr

24.06.2016, 01:35 Uhr | Wirtschaft
Brexit Briten profitieren von EU-Arbeitsgesetzen

Die Briten verdanken es der EU, dass sie es als Arbeitnehmer heute besser haben als noch vor Jahren. Die Rechte der Arbeiter wurden gestärkt, die Arbeitsbedingungen wurden familienfreundlicher. Ein möglicher Brexit würde Vieles aufs Spiel setzen. Mehr

23.06.2016, 02:00 Uhr | Wirtschaft
Analyse Feministinnen, regt euch ab!

Frauen verdienen immer noch weniger als Männer. Mit Diskriminierung hat das aber kaum etwas zu tun – bei der Lohnlücke bleiben wichtige Merkmale unberücksichtigt. Mehr Von Jenni Thier

01.07.2016, 10:16 Uhr | Beruf-Chance

Wer ist der bessere Fahrer – Mensch oder Computer?

Von Holger Appel

Was hat zu dem tödlichen Unfall in einem von Computern gesteuerten Auto geführt? War der Fahrer übermütig? Hätte das Auto nicht trotzdem bremsen müssen? Es stellen sich nun sehr grundsätzliche Fragen. Mehr 13 18

„World Wealth Report“ So viele Millionäre leben in Deutschland

Weltweit hat das Vermögen der Millionäre im vorigen Jahr um vier Prozent auf 58,7 Billionen Dollar zugelegt. Deutschland ist dabei unter den vier Ländern mit den meisten Millionären – und hatte überdurchschnittliche Zuwächse. Mehr Von Christian Siedenbiedel 80 64

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden