Home
http://www.faz.net/-gqg-75dcz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Familienpolitik Pflegezeit findet wenig Anklang

Seit Anfang des Jahres haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, eine Familienpflegezeit in Anspruch zu nehmen, um nahe Angehörige zu versorgen. Doch die Regelung von Familienministerin Schröder wird kaum genutzt - bislang erst in 200 Einzelfällen.

© dapd Vergrößern Mehr Zeit für pflegebedürftige Angehörige sollte die Pflegezeit-Regelung bringen. Doch kaum jemand nutzt die neue Möglichkeit.

Die Anfang 2012 eingeführte Pflegezeit für Familien wird bislang kaum genutzt. Arbeitnehmer und Arbeitgeber hätten das Gesetz in den ersten zwölf Monaten in nicht mehr als 200 Einzelfällen in Anspruch genommen, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf eine Statistik des Bundesfamilienministeriums.

Ministerin Kristina Schröder (CDU) wollte mit dem Gesetz ursprünglich Menschen die Chance geben, ihren Beruf und die Pflege eines Angehörigen besser miteinander zu vereinbaren.

Vorgesehen ist, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren können, um nahe Angehörige zu pflegen. Um in dieser Zeit finanziell abgesichert zu sein, zahlt der Arbeitgeber ein höheres Gehalt, zum Beispiel 75 Prozent der bisherigen Bezüge. Nach Ende der Pflegezeit müssen die Arbeitnehmer dann so lange zu einem geringeren Gehalt arbeiten, bis der Vorschuss ausgeglichen ist. Auf diese Form der Auszeit besteht aber kein Rechtsanspruch.

Familienministerium: Anlaufzeit nötig

Ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums sagte, das Beispiel der Altersteilzeit, die sehr ähnlich organisiert gewesen sei und nach zehn Jahren 100.000 Teilnehmer hatte, zeige, dass solche großen gesellschaftlichen Vorhaben eine Anlaufzeit brauchen.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) kritisierte die Regelung. Die Zahlen belegten, dass das Gesetz nicht notwendig sei, sagte ein Sprecher. Arbeitgeber und Arbeitnehmer könnten je nach Einzelfall und Betrieb selbst etwas für Pflegezeiten vereinbaren.

DGB: „Überkomplexe Regelungen“

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock sprach von „überkomplexen Regelungen“. Weil Schröder keinen Rechtsanspruch durchgesetzt habe, fehlten dem Gesetz „die soziale Prägekraft“ und der „soziale Mindeststandard“.

In Deutschland werden dem Bericht zufolge mehr als 1,6 Millionen Menschen von Angehörigen und ambulanten Diensten zu Hause gepflegt.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA/DAPD

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Debatte über Sterbehilfe Der Tod als Dienstleistung?

Im Bundestag wollen viele Abgeordnete organisierte Formen der Sterbehilfe verbieten. In der emotionalen Debatte ging es auch um persönliche Erfahrungen. Strittig bleibt die ärztliche Beihilfe zum Suizid. Mehr Von Heike Schmoll, Berlin

13.11.2014, 15:49 Uhr | Politik
Jahressteuergesetz Das Aus für die Weihnachtsfeiern?

O du fröhliche: Der Fiskus will die Regeln für Betriebsfeste zu Weihnachten verschärfen. Die Wirtschaft hält die geplanten Änderungen für nicht handhabbar – und will die Feiern retten. Mehr

22.11.2014, 12:00 Uhr | Wirtschaft
Edward Snowden Half Vodafone den Geheimdiensten beim Ausspähen?

Cable & Wireless gehört zu Vodafone. Medienberichten zufolge soll die heutige Tochter des Telekommunikationsunternehmens dem britischen Geheimdienst GCHQ geholfen haben – beim Ausspähen von Kunden. Mehr

20.11.2014, 22:18 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.12.2012, 09:39 Uhr

Kartell in Not

Von Christian Geinitz

Die Opec-Länder haben entschieden, ihre Ölförderung trotz des Preisverfalls nicht zu drosseln. Das ist gut für uns Verbraucher. Die Macht des Kartells schwindet. Mehr 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Wo Gemeinden die meisten Steuern einnehmen

Die Städte und Gemeinden in Ostdeutschland haben zwar weniger Schulden als die im Westen, doch ihre Steuerkraft ist noch immer deutlich niedriger. Unsere Grafik zeigt, wo Kommunen viele Steuern einnehmen. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden