Home
http://www.faz.net/-gqg-6ydxo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

F.A.Z.-Gastbeitrag Bundesbank geht im Targetstreit in die Offensive

Mittlerweile wird die Debatte um das Zahlungsverkehrssystem Target auch politisch und öffentlich geführt. Bundesbankpräsident Jens Weidmann fordert in einem F.A.Z.-Gastbeitrag ein EZB-Konzept für die Rückführung der Nothilfen.

© dapd Vergrößern Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank

Die Debatte über die aus dem Zahlungsverkehrssystem Target erwachsenden Risiken wird zunehmend auch politisch und öffentlich geführt. Was vor der Finanz- und Schuldenkrise allenfalls Fachkreise bewegte, dürfte an diesem Dienstag beherrschendes Thema auf der Bilanzpressekonferenz der Bundesbank werden. Denn die Targetforderungen gegenüber der Europäischen Zentralbank sind mit zuletzt knapp 550 Milliarden Euro längst zum mit Abstand größten Bilanzposten der Bundesbank geworden.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann bekräftigt nun zwar die Einschätzung der Bundesbank, dass die Targetrisiken kein eigenständiges Risiko darstellten. „Weil ich ein Auseinanderbrechen der Währungsunion für absurd halte“, wie er in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Dienstagsausgabe) schreibt.

Mehr zum Thema

Es sei aber nicht Aufgabe der Geldpolitik, marode Banken künstlich am Leben zu erhalten. „Entscheidungen über die Umverteilung größerer Solvenzrisiken von Banken und Staaten zwischen den Steuerzahlern der Mitgliedsländer dürfen nur gewählte Regierungen und Parlamente treffen.“ Geldpolitische Nothilfen dürften deshalb nur begrenzt und befristet sein und sie dürften kein Vorwand sein, notwendige Reformen aufzuschieben, fordert Weidmann.

Weidmanns erste öffentliche Darstellung der Targetsalden ist von Vorsicht geprägt. Allerdings kommt der Beitrag auch zu einem heiklen Zeitpunkt. Denn die Debatte über die Targetrisiken hat im EZB-Rat gerade erst begonnen. Vor einigen Tagen hatte Weidmann in einem Brief den EZB-Präsidenten Mario Draghi aufgefordert, das Eurosystem solle bald zu den geldpolitischen Standards zurückkehren, die vor der Krise galten.

Weidmann weist ausdrücklich auf die Targetsalden hin

Dass der Brief durch Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung öffentlich wurde, brachte den Bundesbankpräsidenten unter Druck, weil manche Medien - ohne über Informationen zu verfügen - suggerierten, er selbst habe ihn lanciert. Inzwischen hat EZB-Präsident Mario Draghi in diesem Punkt Weidmann den Rücken gestärkt. Er sei sich sicher, dass Weidmann den Brief nicht selbst weitergeleitet habe, sagte Draghi.

Weidmann wies in dem Brief erstmals ausdrücklich auf die Targetsalden hin. Vor einem Jahr hatte Weidmanns Vorgänger Axel Weber bei seiner letzten Bilanzpressekonferenz noch ausweichend auf Fragen nach den Targetforderungen reagiert und sie vor allem mit hohen Leistungsbilanzüberschüssen erklärt. Inzwischen zeigen jedoch Daten der Bundesbank, dass die Targetsalden so nicht mehr erklärt werden können.

Infografik / Deutsche Zahlungsbilanz

Kapitalflucht aus den finanzschwachen Euroländern ist zu einem treibenden Faktor geworden. Auch deshalb dürfte Weidmanns Stellungnahme zu den Targetsalden auf der Pressekonferenz an diesem Donnerstag, wenn er zudem einen Rückgang des Bundesbankgewinns von 2,2 Milliarden auf 700 Millionen Euro berichten wird, umfangreicher ausfallen.

Aufgebracht hatte die Diskussion ursprünglich Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchener Ifo-Instituts, als er einem Hinweis des ehemaligen Bundesbankpräsidenten Helmut Schlesinger nachging und früh auf die Ausfallrisiken hinwies. „Wir müssten zumindest das Anwachsen der Salden verhindern“, sagte Sinn kürzlich im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Es kann nicht sein, dass die Südländer immer mehr normale Kreditschulden durch billige Notenbankkredite ersetzen, die sie sich im EZB-Rat genehmigen.“

Immer mehr Fachleute warnen vor Targetsalden

Anfangs stieß Sinn noch auf Unverständnis und Ablehnung in der Fachwelt und insbesondere in Notenbankkreisen. Inzwischen wächst jedoch der Kreis derer, die in den Targetsalden ein Risiko für den deutschen Steuerzahler erkennen. Eine ganze Reihe von Ökonomen, darunter auch Fachleute der Deutschen Bank und der Commerzbank, warnen vor den wachsenden Risiken aus dem Zahlungsverkehrssystem Target.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bundesbankchef Weidmann fürchtet Sklave der Märkte zu werden

Der Bundesbankchef stemmt sich gegen den geplanten Massenkauf von Staatsanleihen durch die EZB. Das Risiko einer Deflation, die damit bekämpft werden soll, hält er für gering. Mehr Von Philip Plickert

16.12.2014, 17:45 Uhr | Wirtschaft
Streit um Geldpolitik Draghi gegen Weidmann

Die negativen Stimmen zu EZB-Chef Mario Draghi werden immer lauter. Auch der Chef der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann übt Kritik. Mehr

24.10.2014, 12:53 Uhr | Wirtschaft
Geldpolitik EZB-Rat debattiert 1000- Milliarden-Euro-Kaufprogramm

Die Anleihekäufe der Zentralbank sind innerhalb der EZB heftig umstritten. Doch die Befürworter einer geldpolitischen Lockerung drängen. Nach Informationen der F.A.Z. wird im EZB-Rat über größere Anleihekäufe gesprochen als bislang bekannt. Mehr Von Philip Plickert

05.12.2014, 14:31 Uhr | Wirtschaft
EZB überrascht Börsen mit neuer Zinssenkung

Die Aussicht auf zusätzliche milliardenschwere Geldspritzen haben den Euro auf Talfahrt geschickt. Dax und EuroStoxx50 zogen dagegen an. EZB-Präsident Mario Draghi hatte eine Senkung des Leitzinses von 0,15 auf 0,05 Prozent angekündigt. Mehr

04.09.2014, 17:57 Uhr | Wirtschaft
Hohe Investitionen erwartet Die EZB drängt private Anleger aus Verbriefungen

Das Angebot am Markt für verbriefte Kredite ist sowieso knapp. Nun kommt die EZB als Käufer hinzu. Damit treibt sie die Preise. Der Handel trocknet aus. Mehr Von Markus Frühauf

07.12.2014, 09:28 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.03.2012, 19:13 Uhr

Bescherung im Bundesrat

Von Heike Göbel

Die jüngsten Beschlüsse im Bundesrat bringen den Ländern mehr Geld. Für den Bund ist das nicht so gut. Mehr 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Lehrer und Schüler sind zufrieden mit der Computerausstattung an Schulen

Lehrer und Schüler sind eigentlich zufrieden mit ihrer Internet- und Computer. Doch welche Gruppe ist kritischer mit der Ausstattung? Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden