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F.A.Z. exklusiv : Wie lassen sich Flüchtlinge in Arbeit bringen?

Junge Flüchtlinge arbeiten in einer Ausbildungswerkstatt der Deutschen Bahn AG in Erfurt: Feste Stellen sind auf dem Arbeitsmarkt oft nicht die Regel. Bild: dpa

Die Integration in den Arbeitsmarkt ist Voraussetzung für die Integration in die Gesellschaft. Die DIHK hat nun elf Punkte herausgearbeitet, bei denen es aus Sicht der Wirtschaft massiv hakt. Die Probleme sind vielfältig.

          Die bislang wenig erfolgreiche Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt hat immer wieder zu Verstimmungen zwischen Politik und Wirtschaft geführt. Zwar gibt es inzwischen viele Initiativen der Wirtschaft, um Flüchtlinge fit zu machen für eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz – feste Stellen dagegen sind nicht die Regel. Nun aber hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) eine Art Masterplan entwickelt, wie das Problem in den Griff zu bekommen wäre. Auf Grundlage einer Befragung seiner Industrie- und Handelskammern (IHK) hat der Verband elf Punkte identifiziert, an denen es bislang aus Sicht der Wirtschaft hakt – und was dagegen getan werden könnte.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Henrike Roßbach

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          In ihrem Engagement hätten Kammern und Unternehmen „noch viele Hürden zu überwinden“, heißt es in dem unveröffentlichten achtseitigen Papier, das der F.A.Z. vorliegt. Ganz oben auf der Liste der Ärgernisse: lange Asylverfahren und Wartezeiten für Sprachkurse.

          Auch die in den Bundesländern unterschiedlich streng gehandhabte Duldung von Ausländern während einer Ausbildung sei ein Problem, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks der F.A.Z. Wer wirklich einen Anspruch auf diese neu eingeführte „Ausbildungsduldung“ hat, sei für Unternehmen „nicht durchgängig ersichtlich“, heißt es in dem Papier. Die Innenministerkonferenz müsse sich auf einen „bundesweit einheitlichen Verwaltungsvollzug“ einigen.

          Auch die Meldepflicht für Betriebe, wenn ein Lehrling seine Stelle nicht antritt – inklusive Bußgelddrohung, wenn die Meldung ausbleibt oder fehlerhaft ist –, hält der DIHK, der das Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ organisiert, ebenfalls für kontraproduktiv. Stattdessen sollten die Sozialversicherungsträger die Meldung an die Ausländerbehörde übernehmen. Zu den elf Problempunkten gehört auch, dass Ausbildungsverträge hierzulande häufig mit viel Vorlauf geschlossen werden.

          Dauerhafte Ansprechpartner statt verschiedenste Programme

          Dann aber ist oft noch nicht klar, ob die Ausbildungsduldung greift. Diese Duldung, so die Forderung des Spitzenverbands, müsse sechs Monate vor Ausbildungsstart erteilt werden, damit die Betriebe planen könnten. Statt vieler verschiedener Programme zur Begleitung von jugendlichen Flüchtlingen schlägt der DIHK zudem dauerhafte Ansprechpartner für junge Migranten vor.

          Abschiebeschutz müsse zudem auch während einer Einstiegsqualifizierung gelten – also während jener Programme, die noch nicht ausbildungsreife Jugendliche vor einer Lehre durchlaufen. Und: Zu dieser Vorbereitung sollte, anders als derzeit üblich, Unterricht an der Berufsschule gehören.

          Wohnsitzauflage kann zum Problem werden

          Problematisch in manchen Berufen ist dem Papier nach auch die Wohnsitzauflage für Flüchtlinge – auf dem Bau etwa müssten Azubis mobil sein. Kritisch sieht die Wirtschaft auch den Umzugszwang in eine Gruppenunterkunft mit der Volljährigkeit eines Flüchtlings. Lange Wartezeiten, bis die Bundesarbeitsagentur eine Beschäftigungserlaubnis erteilt, hält der DIHK ebenfalls für ein Einstellungshindernis, ebenso wie das Zertifikatewirrwarr privater Sprachkursanbieter, das die Politik beenden müsse.

          Modellprojekt : Flüchtlinge erfolgreich durch Arbeit integrieren

          Die Bundesregierung beziffert unterdessen die Ausgaben des Bundes im Zusammenhang mit dem Flüchtlingszuzug auf etwa 43 Milliarden Euro in zwei Jahren. „Im Jahr 2016 waren rund 21,7 Milliarden Euro für asylbedingte Leistungen vorgesehen“, heißt es im aktuellen Monatsbericht des Finanzministeriums, der an diesem Freitag veröffentlicht werden soll, 2017 werde der Bund „voraussichtlich rund 21,3 Milliarden Euro ausgeben“.

          Rund sieben Milliarden Euro setzte der Bund 2016 in den Flucht-, Krisen- und Herkunftsländern ein. Der Großteil der Bundesmittel aber diente der Entlastung von Ländern und Kommunen: 9,3 Milliarden Euro im vergangenen und 6,9 Milliarden Euro in diesem Jahr.

          Quelle: F.A.Z.

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