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EY-Studie : Dem „Islamischen Staat“ geht das Geld aus

Irakische Soldaten halten in Mossul eine Fahne des „Islamischen Staates“ falsch herum. Bild: AFP

Steuern, Öl und Raub: Die Einnahmen der Terrororganisation sind seit dem Jahr 2014 um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Das „Geschäftsmodell“ könnte somit bald zusammenbrechen.

          Dem „Islamischen Staat“ (IS) könnte bald das Geld ausgehen: Seine drei Haupteinnahmequellen – Steuern, Öl und Raub – sind zurückgegangen. Denn die Terrororganisation hat in den vergangenen Monaten den Einfluss auf große Gebiete verloren. Die Folge: Die Einnahmen sind um mehr als die Hälfte gesunken, seit der IS sich im Jahr 2014 als Kalifat ausgerufen hat: von ursprünglich bis zu 1,9 Milliarden Dollar auf höchstens noch 870 Millionen Dollar im Jahr 2016.

          Carsten Knop

          verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung und Unternehmen.

          Insbesondere die zu Anfang wichtigste Geldquelle versiegt: Mit ihren Gebietseroberungen plünderten die IS-Kämpfer zunächst Städte und historische Stätten, beschlagnahmten Besitz und verlangten Geldstrafen von der Bevölkerung. Das brachte 500 Millionen bis eine Milliarde Dollar ein. Doch schon 2015 konnte die Organisation auf diese Weise nur noch 200 bis 300 Millionen Dollar einnehmen. Und im vergangenen Jahr sanken die Einnahmen abermals, auf nun 110 bis 190 Millionen Dollar.

          Weniger Einnahmen aus Steuern und Abgaben

          Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) und des International Centre for the Study of Radicalisation (ICSR) am Londoner King‘s College. Die Einschätzung der Finanzlage basiert auf Dokumenten des IS, die an die Öffentlichkeit gelangt sind, Aussagen vor Kongressen und Parlamenten, Regierungsberichten, journalistischen Nachforschungen, Think-Tank-Studien sowie Gesprächen mit Regierungsvertretern und Sachverständigen. Die Studie wird am Samstag auf der Münchener Sicherheitskonferenz vor Innenministern europäischer und außereuropäischer Länder sowie Vertretern der Nachrichtendienste vorgestellt.

          Bild: F.A.Z.

          Grund für den Rückgang sind Gebietsrückeroberungen der Allianz gegen den IS, die auch die anderen „Geschäftsfelder“ der Organisation unattraktiver machen. Die Einnahmen aus Steuern und Abgaben zum Beispiel, die 2015 mit 400 bis 800 Millionen Dollar ihren Höhepunkt erreichten, betrugen im vergangenen Jahr nur noch 200 bis 400 Millionen Dollar. Und auch die Ausbeutung von Ölquellen und anderen natürlichen Ressourcen wird der Terrororganisation zunehmend erschwert. So gingen die Einnahmen von bis zu 450 Millionen Dollar im Jahr 2014 auf nur noch maximal 250 Millionen Dollar im vergangenen Jahr zurück.

          IS kürzte Gehaltszahlungen im Irak

          „Wenn sich der Trend so fortsetzt, bricht das ‚Geschäftsmodell‘ des Islamischen Staates bald zusammen“, wird dazu EY-Partner Stefan Heißner, Leiter des Fraud Investigation & Dispute Services bei EY, zitiert: „Der Terrororganisation ist es nach allen vorliegenden Daten nicht gelungen, ihre Einnahmequellen zu halten oder sich neue zu erschließen. Die Gebietseroberungen der internationalen Koalition gegen den IS graben dem selbst ausgerufenen Kalifat das Wasser ab. Denn anders als andere Terrororganisationen verfügt der IS über ein Gebiet, das er kontrolliert und dessen Bevölkerung und natürliche Ressourcen er ausbeuten kann. Aber je kleiner dieses Gebiet wird, desto kleiner wird der Kontostand der Terroristen.“

          Nach den militärischen Erfolgen des IS im Jahr 2014 konnte die Organisation nach und nach zurückgedrängt werden. So verkleinerte sich das Gebiet 2015 um 14 Prozent und im Jahr 2016 um 23 Prozent. In derselben Zeitspanne verringerte sich die Bevölkerungszahl unter dem Einfluss des IS zunächst um knapp 5 Prozent und schließlich um gut 18 Prozent. „Klassische Terrororganisationen sind in hohem Maße von Spenden oder Formen der organisierten Kriminalität abhängig“, sagt Heißner: „Ihnen kann relativ einfach der Geldhahn zugedreht werden, da solche Geschäfte über das internationale Bankensystem abgewickelt werden müssen. Die Finanzkraft des IS dagegen ist in großem Maße abhängig von seiner Gebietsgröße und der Bevölkerungszahl. Deswegen beruht sein ‚Geschäftsmodell‘ auf ständiger Expansion, die nur militärisch und politisch gestoppt werden kann. Dass dies immer besser gelingt, zeigt die Ebbe auf dem Konto des Kalifats.“

          Eine wichtige Maßnahme sei unter anderem die Entscheidung der irakischen Regierung im August 2015 gewesen, Gehaltszahlungen an Regierungsangestellte in vom IS beherrschten Gebieten auszusetzen. Weitere wirtschaftliche Schläge gegen den IS seien der Beginn der Operation „Tidal Wave II“ im Oktober 2015, die es ermöglichte, wichtige Erdölförderanlagen und -transportsysteme zu zerstören, und die anhaltenden Bemühungen, den grenzüberschreitenden Schmuggel mit der Türkei und kurdisch kontrollierten Gebieten im Irak einzudämmen.

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          Quelle: F.A.Z.

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