Home
http://www.faz.net/-gqg-7553x
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Europäische Zentralbank Draghi verteidigt die EU-Bankenaufsicht

Mario Draghi hat „keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit“ der europäischen Bankenaufsicht. Der neue EZB-Direktor Yves Mersch stimmt ihm zu und spricht sich im F.A.Z.-Interview zudem gegen eine weitere Leitzinssenkung aus.

© AFP Vergrößern Sieht kaum Spielraum für weitere Kredithilfen: Mario Draghi

Der EZB-Präsident Mario Draghi hat vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments die gemeinsame europäische Bankenaufsicht verteidigt. Es gebe keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Aufsicht, die unter dem Dach der Europäischen Zentralbank geschaffen werden soll. Zudem unterstütze eine wirksame Bankenaufsicht die Umsetzung der Geldpolitik, sagte Draghi. Er schätze die Inflationsrisiken als ausgewogen ein und sagte, es gebe gleichwohl kaum Spielraum für weitere Kredithilfen für Krisenstaaten durch die EZB. Er verwies darauf, dass die EZB langfristige Refinanzierungsgeschäfte geschaffen habe und in die Liste der Sicherheiten erweitert habe. Mehr zu tun, sei „sehr schwierig“, sagte Draghi.

Auch der neue EZB-Direktor Yves Mersch verteidigte im Interview mit der F.A.Z. (Dienstags-Ausgabe) die Rolle der EZB in der Bankenaufsicht. Der Zielkonflikt zwischen der Verhinderung von Inflation und der Sicherung der Finanzstabilität sei auf seltene Ausnahmen beschränkt. In den allermeisten Fällen unterstütze Preisstabilität die Stabilität der Banken. Im Zweifel werde sich die Zentralbank aber immer für ihren primären Auftrag, die Sicherung der Preisniveaustabiltät, entscheiden. Mersch sprach sich außerdem gegen eine weitere Leitzinssenkung aus. Viele Investoren spekulieren auf einen solchen Schritt im Laufe des kommenden Jahres. Im Moment mache die EZB Geldpolitik vor allem mit unkonventionellen Mitteln, weil diese angesichts des gestörten Wirkungskanals der konventionellen Geldpolitik derzeit besser wirkten. „Deshalb verstehe ich die Diskussion über eine Zinssenkung nicht so recht“, sagte Mersch.

Wachstum geringer als bisher angenommen

Die Deutsche Bundesbank hat am Montag derweil vor einer Rezession der deutschen Wirtschaft im Winterhalbjahr gewarnt. Die jüngsten Konjunkturindikatoren deuteten auf einen spürbaren Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion zum Jahresende hin, heißt es im Monatsbericht. Die Schwäche gehe vor allem von der Industrie aus. Insbesondere die Hersteller von Investitionsgütern haben demnach ihre Produktion reduziert, weil weniger Maschinen und Geräte bestellt werden. Die schwache wirtschaftliche Entwicklung sei auf die Anpassungsrezessionen im Euroraum und auf die Verlangsamung der globalen Konjunktur zurückzuführen. Die Bundesbank hofft jedoch, dass die wirtschaftliche Schwächephase in Deutschland nicht lange dauern wird.

Wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Teilen des Euroraums und der verbreiteten Verunsicherung werde das Wachstum allerdings geringer ausfallen als bisher angenommen. Die Bundesbank geht von einem Wachstum in diesem Jahr von 0,7 Prozent aus und erwartet für 2013 eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozent und im Jahr 2014 um 1,9 Prozent. Bei der letzten halbjährlichen Voraussage im Juni hatte die Bundesbank für dieses Jahr mit einem Plus von 1 Prozent und im nächsten von 1,6 Prozent gerechnet.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Düstere Aussichten Rendite der Bundesanleihe fällt unter 0,7 Prozent

Die Rendite der Bundesanleihe fällt auf historisches Tief. Die Aussichten auf EZB-Kaufprogramm drücken auch andere europäische Staatsanleihen auf Rekordtiefs. Bundesbank-Präsident Weidmann warnt vor Staatsanleiheverkauf. Mehr Von Markus Frühauf

28.11.2014, 07:51 Uhr | Finanzen
Rede auf Bankenkongress Draghi macht Tür zu Staatsanleihe-Käufen weit auf

EZB-Präsident Mario Draghi will die Konjunktur in der Euro-Zone beleben. Dazu werde er die schwache Inflation wenn nötig mit allen Mitteln anheizen. Nach Draghis Rede jubelt die Börse, der Euro schwächelt. Mehr

21.11.2014, 13:45 Uhr | Finanzen
Rohstoffwerte sind gefragt Geldschwemme der Notenbanken treibt Aktienkurse

Chinas überraschende Leitzinssenkung hat am Montag die Aktienkurse angeheizt: In den ersten Stunden des Handels in Schanghai kauften Ausländer für gut 2 Milliarden Dollar Aktien. Mehr Von Christoph Hein, Saigon

24.11.2014, 05:27 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.12.2012, 17:34 Uhr

Der Mythos vom prekären Arbeitsmarkt

Von Sven Astheimer

Zum ersten Mal sind mehr als 43 Millionen Menschen in Deutschland beschäftigt. Vor allem viele normale Arbeitsplätze hat der Aufschwung geschaffen - allen Warnern zum Trotz. Eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Mehr 7 2


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Wo Gemeinden die meisten Steuern einnehmen

Die Städte und Gemeinden in Ostdeutschland haben zwar weniger Schulden als die im Westen, doch ihre Steuerkraft ist noch immer deutlich niedriger. Unsere Grafik zeigt, wo Kommunen viele Steuern einnehmen. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden