Home
http://www.faz.net/-gqg-762dd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Europa-Grundsatzrede Für die Briten ist das Thema Europa  viel unwichtiger als für Premier Cameron

Der britische Premierminister hat eine Grundsatzrede über das Verhältnis seines Landes zur Europäischen Union gehalten. Was Balsam für die Seele eines Teiles seiner Partei war, ist dem britischen Volk gar nicht so wichtig, zeigt eine Umfrage.

© AP Vergrößern David Cameron hat auch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine Rede gehalten.

Die Grundsatzrede des britischen Premierministers David Cameron über das Verhältnis Großbritanniens zur Europäische Union hat ein gewaltiges mediales Echo ausgelöst. Und sie hat - bisher jedenfalls - offensichtlich sehr dabei geholfen, einen äußerst konservativen Teil seiner Partei zu beruhigen, der den Regierungschef zunehmend unter Druck gesetzt hatte. Für die breite britische Öffentlichkeit indessen scheint die Frage, welche Rolle das Vereinigte Königreich in Europa spielt und künftig spielen sollte, wesentlich weniger wichtig zu sein. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos-MORI.

Das Thema EU/Währungsunion gehört danach nicht einmal zu den zehn wichtigsten Herausforderungen, denen Britannien sich aus Sicht der Briten heute stellen muss. Mit großem Abstand auf Platz eins steht die wirtschaftliche Entwicklung des Landes - mehr als die Hälfte der Befragten zeigt sich besorgt darüber. Auf Platz zwei folgt das eng damit zusammenhänge Thema Arbeitslosigkeit im Vereinigten Königreich, an dritter Stelle stehen Fragen rund um Immigration. „Trotz der aktuell großen politischen Aufmerksamkeit, welche die EU erfährt, halten nur 6 Prozent (der Briten) dieses Thema für eines der wichtigsten, mit denen sich das Land momentan auseinander muss“, schreiben die Meinungsforscher.

Europa war schon mal ein wichtigeres Thema für die Briten

Das liberale britische Wirtschaftsmagazin „The Economist“ schreibt in einem Kommentar zur Rede Camerons auch angesichts dieser Umfrage, in einem Punkt habe sich der Regierungschef geirrt: Camerons Behauptung, die Briten seien immer unzufriedener (“increasingly frustrated“) über Europa und diese Unzufriedenheit wachse dramatisch, sei falsch. Das gelte für Camerons eigene Partei, aber nicht für die britische Öffentlichkeit. Zugleich stellt das Magazin - ebenfalls auf Basis von Ipsos-Umfragen - heraus, dass das Thema EU/Währungsunion nicht nur verglichen mit anderen Themen jetzt gerade eine geringe Rolle spiele, sondern auch verglichen mit seiner eigenen Bedeutung in den zurück liegenden 20 Jahren. Wesentlich besorgten sind die Briten der Umfragestatistik zufolge über ihr Verhältnis zur EU gewesen, als der frühere Regierungschef Tony Blair versuchte, sie für die Währungsunion zu erwärmen.

Mehr zum Thema

Das aktuelle Umfrageergebnis, in dem Europa-Fragen keine bedeutsame Rolle spielen, passt zur wirtschaftlichen Nachrichtenlage im Vereinigten Königreich. Gerade hat das britische Statistikamt enttäuschende neue Zahlen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung veröffentlicht. Das britische Bruttoinlandsprodukt ist demnach im vierten Quartal des vergangenen Jahres deutlich stärker geschrumpft als zunächst von professionellen Marktbeobachtern erwartet. Mittlerweile sorgt sich darüber hinaus nicht nur die britische Opposition darüber, die von der Regierung auf den Weg gebrachten Sparmaßnahmen könnten zu stark gewesen sein. Der stellvertretende Regierungschef Nick Clegg nannte es einen „ernsten Fehler“, dass die Koalition nicht früher und stärker mit Staatsinvestitionen zum Beispiel in Infrastruktur für Nachfrage und Arbeitsplätze gesorgt habe.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
CIA-Folterpraxis Britische Komplizenschaft

Nach dem Bericht über die Folterpraxis der CIA wird auch in Großbritannien über brutale Verhörmethoden britischer Behörden diskutiert. Der Vorwurf: Auch sie sollen systematisch gefoltert haben. Mehr Von Jochen Buchsteiner, London

12.12.2014, 07:04 Uhr | Politik
Cameron über das Schottland-Referendum

Der britische Premierminister David Cameron gab in New York ein paar Einblicke in seine Gemütslage zum Thema Unabhängigkeitsreferendum in Schottland. Beim Gespräch mit Michael Bloomberg nehmen die Mikrofone der Kamerateams mehr auf, als ihm lieb sein kann. Mehr

24.09.2014, 14:20 Uhr | Politik
David Folkerts-Landau Deutsche Bank: Euro bringt verlorene Generation

Die Bewältigung der Euro-Krise ist teuer. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank erklärt, warum sich das trotzdem lohnt, fordert mehr Reformen von Frankreich und Italien - und ist langfristig aus einem Grund auch optimistisch. Mehr Von Philip Plickert

10.12.2014, 15:37 Uhr | Wirtschaft
Brüssel Cameron wettert gegen Milliarden-Nachforderung

Die geforderte Nachzahlung von 2,1 Milliarden Euro sei absolut ungerechtfertigt. Der britische Premierminister David Cameron stellte erneut die Mitgliedschaft seines Landes in der EU infrage. Mehr

24.10.2014, 20:05 Uhr | Politik
Segeln Wie Großbritannien den America’s Cup gewinnen will

Ben Ainslie ist der erfolgreichste Segler der Welt. Sein großes Ziel: Er will den America’s Cup zurück nach Großbritannien holen. Dafür braucht er bis zu 100 Millionen Euro – doch die Royals stehen an seiner Seite. Mehr Von Michael Ashelm, Sydney

15.12.2014, 09:22 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.01.2013, 14:51 Uhr

Denksportaufgabe Erbschaftsteuer

Von Heike Göbel

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts beginnt nun die Zeit der Steuertechnokraten, um das Gesetz verfassungskonform zu machen. Dabei könnte die Koalition die Erbschaftssteuer auch von Grund auf reformieren. Wünschenswert wäre das. Ein Kommentar. Mehr 7 8


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutschlands modernste Branchen

Nahezu jedes Unternehmen wirbt gern mit „Fortschritt“ oder „Innovation“. Doch in den unterschiedlichen Branchen sind Marktneuheiten von ganz unterschiedlicher Bedeutung. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden