Home
http://www.faz.net/-gqg-745xp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Euro-Krise Frankreich will Unternehmen mit 20 Milliarden Euro entlasten

Die Regierung unter Präsident Hollande macht offenbar ernst: Sie will die Kosten der Unternehmen senken, um das Land wettbewerbsfähiger zu machen. Es wird Zeit.

© Reuters Vergrößern „Wir brauchen einen Ruck auf nationaler Ebene, um unser Schicksal wieder in den Griff zu bekommen“, sagt Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault.

Mit milliardenschweren Steuererleichterungen will Frankreich seine Unternehmen wieder fit für den internationalen Wettbewerb machen. Die Regierung von Präsident Francois Hollande versprach Arbeitgebern am Dienstag eine Entlastung von 20 Milliarden Euro über drei Jahre.

Um das zu finanzieren, bürdet der Sozialist den Bürgern höhere Abgaben vor allem über die Mehrwertsteuer auf. Zudem wird in den öffentlichen Haushalten noch mehr gekürzt. „Wir brauchen einen Ruck auf nationaler Ebene, um unser Schicksal wieder in den Griff zu bekommen“, sagte Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault. Abgehängt nicht zuletzt durch brummende deutsche Exporte hatte Frankreichs Industrie eine Art Schocktherapie gefordert, der die nun vorgestellten Maßnahmen überraschend nahe kommen.

Ayrault: Wir sind nicht verdammt, dem Untergang der Industrie entgegen zu schlittern

Frankreich sei nicht dazu verdammt, in einer Abwärtsspirale dem Untergang seiner Industrie entgegen zu schlittern, sagte Ayrault. Die Maßnahmen sollten die Unternehmen manövrierfähiger machen.

Mehr zum Thema

Er schlug Steuererleichterungen für Unternehmen vor, die Arbeitsplätze in Frankreich halten. Die Nachlässe dürften unter dem Strich darauf hinauslaufen, dass die Arbeitskosten vorübergehend um etwa sechs Prozent sinken. Firmen sollen so in der aktuellen Wirtschaftsflaute entlastet werden. Ayrault will zudem Innovationen in Fortschrittstechnologien, Ausbildung und Kleinunternehmen fördern.

Erst Entlastung, dann Gegenfinanzierung

Die Regierung schnürt ein Paket, das zeitlich versetzt erst die Unternehmen begünstigt und dann die Gegenfinanzierung - je zur Hälfte über neue Steuereinnahmen und Einsparungen - einleitet. So soll die Wirtschaft schon ab 2013 in den Genuss der Steuererleichterungen kommen.

Erst ab Anfang 2014 will die Regierung dann die Mehrwertsteuer anheben, so unter anderem den Standardsatz auf 20 von derzeit 19,6 Prozent. Der ermäßigte Satz auf bestimmte Produkte in Restaurants soll von sieben auf zehn Prozent steigen. Ab 2016 ist auch eine neue Ökosteuer geplant. Konkret war zuvor eine Abgabe auf Diesel im Gespräch gewesen.

Mehr Mehrwertsteuer

Allein der Aufschlag bei der Mehrwertsteuer - die die von hoher Arbeitslosigkeit gebeutelten und um ihre Kaufkraft besorgten Franzosen im Portemonnaie zu spüren bekommen werden - soll dem Staat etwa zwei Drittel der zehn Milliarden Euro in die Kassen spülen, die das Wettbewerbspaket zur Hälfte finanzieren sollen. Die übrigen zehn Milliarden sollen durch zusätzliche Einsparungen der öffentlichen Hand hereingeholt werden.

Am Montag hatte Regierungsberater Louis Gallois, der Ex-Chef des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Frankreich eine „Schocktherapie“ ans Herz gelegt, um die lahmende Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. Dabei hatte er vor allem die hohen Arbeitskosten ins Visier genommen.

Der IWF fordert rasches Handeln

Die französische Industrie erlebt seit Jahren einen scheinbar unaufhaltsamen Niedergang. Die Exportwirtschaft steht im Schatten vor allem Deutschlands. Neben der Innovationskraft der deutschen Wirtschaft werden in Frankreich vor allem auch die niedrigeren Arbeitskosten hierzulande als Erfolgsfaktor genannt.

Vielen französischen Arbeitnehmern sind aber Errungenschaften wie die 35-Stunden-Woche und der üppig ausgestattete Sozialstaat heilig. Das macht jedes Wettbewerbspaket zugunsten der Wirtschaft für den Sozialisten Hollande zur Gratwanderung. Er selbst hatte eine von seinem konservativen Amtsvorgänger Nicolas Sarkozy geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 21,2 Prozent gekippt.

Der Internationale Währungsfonds hatte jüngst rasches Handeln angemahnt und erklärt, ohne Reformen könne Frankreich den Anschluss an seine Nachbarn verlieren. Kritiker sagen, Hollande gehe die Probleme der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone zu zaghaft an. Die Regierung indes fürchtet, die Bürger mit zu ambitionierten Plänen zu überfordern.

Quelle: Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Reaktionen auf Syriza-Sieg Ein neues Kapitel für Europa

In Frankreich ist der Sieg der griechischen Syriza-Partei sowohl im linken als auch im rechten Lager begeistert begrüßt worden – mit durchaus ähnlich klingenden Argumenten. Mehr Von Michaela Wiegel, Paris

26.01.2015, 12:14 Uhr | Politik
Neue Regierung in Paris

Frankreich hat eine neue Regierung. Der Generalsekretär des Élysée-Palastes verkündete, wen Präsident Francois Hollande für die Ministerposten nominiert hat. Mehr

27.08.2014, 11:44 Uhr | Politik
Matthieu Pigasse Dieser Banker berät Griechenland

Die neue griechische Regierung engagiert Investmentbanker für das Schuldenproblem. Ein maßgeblicher Mann heißt Matthieu Pigasse – er beriet Athen schon einmal. Und hat viel Einfluss in Frankreich. Mehr Von Christian Schubert und Alexander Armbruster

01.02.2015, 16:09 Uhr | Wirtschaft
Nach Terroranschlägen Höhenflug für Hollande

Noch vor kurzem war François Hollande der unbeliebteste Präsident Frankreichs. Doch nach den Terroranschlägen wuchs er an seinen Aufgaben. Jetzt steht François Hollande als Vater der Nation da. Mehr

19.01.2015, 17:09 Uhr | Politik
Neue Regierung Griechenland entlässt die Privatisierungs-Chefs

Die neue griechische Regierung stoppt nicht nur den Verkauf von Häfen und Eisenbahnen, jetzt entlässt sie auch die Führung ihrer zuständigen Behörde. Trotzdem wirbt die Regierung um neues Geld. Mehr

31.01.2015, 11:41 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.11.2012, 14:42 Uhr

Riskantes Betongold

Von Michael Psotta

Die attraktiven Immobilienobjekte in Deutschland sind rar und vor allem teuer. Außerhalb der Großstadtgrenzen steigt das Risiko einer Fehlinvestition. Wer trotzdem sein Geld geschickt anlegen will, muss nicht unbedingt Wohnungen kaufen. Mehr 4 7


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Grafik des Tages Geldmaschine Real Madrid

Der umsatzstärkste Fußballclub ist ein spanischer. Viel Geld verdienen auch britische Vereine. Aus Deutschland schafft es in dieser Rangfolge nur einer unter die ersten zehn. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden