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Euro-Krise Die Stresstests bestehen ihren Stresstest nicht

01.12.2010 ·  Nachdem Irland vor der Bankenkrise kapituliert hat, sendet jetzt auch die portugiesische Notenbank Warnsignale. Doch noch vergangenen Sommer kamen irische und portugiesische Banken problemlos durch die Stresstests der europäischen Aufseher.

Von Markus Frühauf
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Die Stresstests der europäischen Bankenaufseher im Juli haben sich als nicht besonders hart herausgestellt. Von den 91 geprüften Banken fielen nur sieben durch. Das waren die verstaatlichte Hypo Real Estate, die griechische ATE Bank und fünf spanische Sparkassen. Jedoch befanden sich weder irische noch portugiesische Institute darunter. Der Kapitalbedarf für die europäische Kreditwirtschaft wurde auf insgesamt 3,5 Milliarden Euro beziffert.

Keine vier Monate später mussten die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds (IWF) für den einstigen keltischen Tiger ein 85 Milliarden Euro schweres Rettungspaket schnüren, das wegen der irischen Bankenkrise nötig wurde. Am Dienstag schlug die portugiesische Notenbank Alarm: Sollte die Regierung keine Maßnahmen zur „glaubwürdigen und nachhaltigen Konsolidierung der Staatsfinanzen“ ergreifen, werde das Risiko für die Banken untragbar (siehe auch: Portugals Notenbank rechnet mit Banken ab).

Zweifel an den Stresstests

Dass sich Vertrauenskrisen in Stresstests wirklichkeitsnah simulieren lassen, daran bestehen schon seit längerem Zweifel. Diese finden sich nun in den Ende Juli veröffentlichten Stresstestergebnissen bestätigt. Trotzdem haben die EU-Kommission und das Komitee der europäischen Bankenaufseher (Committee of European Banking Supervisors; CEBS) für das Frühjahr 2011 neue Stresstests mit anschließender Veröffentlichung angekündigt.

Dafür wird aber nicht mehr das CEBS, sonderen dessen Nachfolgeorganisation European Banking Authority (EBA) verantwortlich zeichnen. Die EBA wird als Teil der neuen europäischen Finanzaufsichtsstruktur am 1. Januar 2011 ihre Arbeit aufnehmen. Stand in den zurückliegenden Stresstests die Kapitalausstattung und deren Krisenbelastbarkeit im Blickpunkt, will die EU-Kommission in der nächsten Runde auch die Liquiditätspuffer prüfen. Denn Liquiditätsengpässe sind für Banken in der Regel ein größeres Existenzrisiko als Kapitalknappheit. Wie die Belastbarkeitstests für die liquiden Mittel aber aussehen sollen, darüber rätseln nicht nur die Banken, sondern auch die Aufseher. Insgesamt will Brüssel die Tests anspruchsvoller gestalten.

Die Banken sind wenig überrascht

In den zurückliegenden Stresstests wurden die Banken vor allem auf ihre Belastbarkeit in staatlichen Schuldenkrisen und Konjunktureinbrüchen getestet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte die Stresstests im Sommer noch orchestriert. In der neuen Runde will sie über ihren Systemrisikoausschuss, dem European Systemic Risk Board (ESRB), einen eigenen Test durchführen. Die systemischen Risiken, also in erster Linie die Ansteckungsgefahren, sollen erfasst und diese anschließend mit den EBA-Tests verglichen werden.

Für die Banken kommt dies nicht überraschend. „Es sieht so aus, als ob die europäischen Bankenaufseher solche Tests künftig in einem jährlichen Turnus durchführen“, sagte Hans-Joachim Massenberg vom Bundesverband deutscher Banken (BdB). Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des privaten Bankenverbandes stellt jedoch in Frage, ob der damit verbundene Aufwand sinnvoll beziehungsweise erforderlich ist. Gerade nach den Erfahrungen mit der ersten Veröffentlichung Ende Juli müsse das CEBS sicherstellen, dass in allen Ländern gleiche Vorgaben für alle einbezogenen Banken gelten, fordert Massenberg.

Auch Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), kritisiert die nationalen Unterschiede: „Die Stresstests waren in den einzelnen europäischen Ländern nicht vergleichbar.“ Seiner Ansicht nach sind die Stresstests kein Allheilmittel, da sie nur begrenzte Aussagefähigkeit über die tatsächlichen Krisenbelastungen haben. „Stresstests können nicht die nächste Krise simulieren, sie können sogar zusätzliche Unsicherheit auslösen, wenn die Märkte entweder den Ergebnissen zu sehr vertrauen oder die Stresstests nicht für streng genug halten und weitere Probleme vermuten“, warnt Hofmann, der vor seiner Tätigkeit im BVR als Zentralbereichsleiter der Bundesbank für Regulierungsfragen zuständig war.

Bafin und Bundesbank sind verantwortlich

In Deutschland sind für die Stresstests die deutsche Finanzaufsicht Bafin und die Bundesbank verantwortlich, die sich beide nicht zu der Ankündigung einer neuen Stresstest-Runde äußern wollen. Sie hatten aber eine jährliche Wiederholung bislang abgelehnt. Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler erklärte Ende Juli, die Tests seien eine „außerordentliche Maßnahme“ und sollten nicht zur Dauereinrichtung werden.

Die angestrebte Verbesserung der Methodik der Stresstests hält BVR-Vorstand Hofmann für sinnvoll. Die Belastungsprüfungen im vergangenen Sommer seien unter einem hohen Zeitdruck konzipiert worden. Bis zuletzt seien sich die europäischen Aufsichtsbehörden nicht einig gewesen, wie man einen sinnvollen Stress für Banken definieren sollte, kritisiert er.

Mit Blick auf die irischen Stresstests fordert Massenberg (BdB) eine bessere Erfassung der potentiellen gesamtwirtschaftlichen Gefahrenquellen in den Test-Szenarien. Mit ihrem systemischen Risikotest werde die EZB methodisches Neuland betreten, erwartet er. Nach Ansicht von Massenberg gibt es bislang noch keinen Standard für solche makroökonomischen Tests. Er geht davon aus, dass der EZB-Test auf makroökonomischen Modellen beruhen werde, aus denen dann Einzeltests abgeleitet würden. Dagegen ermittle der EBA-Test ein Gesamtergebnis, das sich aus Einzelergebnissen zusammensetze.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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