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Euro-Krise Ältere Arbeitnehmer bleiben verschont

Die OECD sieht eine gefährliche Spaltung zwischen jüngeren und älteren Arbeitnehmern auf den Arbeitsmärkten. Ein G-20-Treffen soll derweil den beschäftigungspolitischen Wissenstransfer untereinander verbessern.

© dpa Ältere Arbeitnehmer müssen in der Krise weniger Lasten tragen als jüngere

Die Lasten der Wirtschaftskrise treffen jüngere und ältere Menschen auf den Arbeitsmärkten extrem ungleich. Während die Jugendarbeitslosigkeit vor allem in den südeuropäischen Ländern drastisch angestiegen ist, haben sich die Beschäftigungsperspektiven älterer Arbeitnehmer selbst in den Krisenstaaten wenig oder gar nicht verschlechtert. Das zeigt der am Dienstag vorgestellte Beschäftigungsausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

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In Spanien war der Anteil der Erwerbstätigen in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen im Jahr 2012 mit 44 Prozent nur knapp einen Prozentpunkt niedriger als im Jahr 2007. Der Anteil der Erwerbstätigen in der Gruppe der unter 25-Jährigen hat sich dagegen auf 20 Prozent halbiert. Ähnlich verlief die Entwicklung in Italien und Griechenland. In Griechenland sank der Anteil der Erwerbstätigen in der Gruppe der Älteren vergleichsweise moderat von 42 auf 36 Prozent, während er unter den Jüngeren von einst 24 auf 13 Prozent abstürzte. In Italien legte die Quote unter den Älteren seit 2007 von rund einem Drittel auf gut 40 Prozent zu.

Schwierige Entwicklung in Europa

Die Forscher der in Paris ansässigen Organisation von 34 Industriestaaten warnen in ihrer Analyse die betroffenen Länder eindringlich vor der Versuchung, die Verwerfungen auf den Arbeitsmärkten mit neuen Frühverrentungsprogrammen bekämpfen zu wollen. Es sei eine gefährliche „falsche Wahrnehmung“, dass eine günstigere Beschäftigungslage für Ältere auf Kosten der Jüngeren gehe, schreiben sie. Daher werde es umgekehrt auch nicht den Jüngeren helfen, wenn Ältere in den Ruhestand gedrängt würden.

Infografik / Beschäftigungsquoten / Arbeitslosenquoten © F.A.Z. Bilderstrecke 

Notwendig seien auf der einen Seite beherzte Strukturreformen - darunter eine Lockerung des Kündigungsschutzes für Bestandsarbeitsverhältnisse, wie sie in einigen Ländern auch schon auf den Weg gebracht worden sei. Der hohe Bestandsschutz hatte zuvor insbesondere in Spanien und Portugal zu einem Boom befristeter Arbeitsverhältnisse für jüngere Arbeitnehmer geführt, die dann in der Rezession nicht mehr verlängert wurden. Auf der anderen Seite bedürfe es jedoch auch einer sozialpolitischen und makroökonomischen Ergänzung solcher Reformen, da eine Deregulierung mindestens kurzfristig etliche Verlierer hervorbringen werde.

Insgesamt dürfte die Entwicklung auf den Arbeitsmärkten nach Einschätzung der OECD-Forscher insbesondere in Europa auf absehbare Zeit schwierig bleiben. In Griechenland, Spanien und Portugal wird sich der laufende Abbau von Beschäftigung nach ihrer Prognose auch im kommenden Jahr fortsetzen, wenn auch mit abnehmendem Tempo. Doch alle drei Länder dürften laut OECD auch noch 2014 abermals mehr als 1 Prozent ihrer Beschäftigung verlieren und damit die Schlusslichter unter den 34 Staaten sein. Für die Niederlande und für Frankreich rechnen die Forscher mit einer geringfügig sinkenden Beschäftigung. Für Irland und auch für Deutschland erwartet die OECD indessen einen leicht positiven Beschäftigungstrend. Für die Vereinigten Staaten sagt sie für das nächste Jahr wieder einen deutlichen Beschäftigungszuwachs um 2 Prozent voraus.

Bemühungen um einen Wissenstransfer

Mit ihrer Analyse der Spaltung der Arbeitsmärkte in Europa greift die OECD in die auf EU-Ebene in den vergangenen Monaten engagiert geführte Diskussion über die Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit ein. Die EU-Staats- und -Regierungschefs wollen dafür ergänzend zu den Reformen auf nationaler Ebene bis zu 22 Milliarden Euro an Fördermitteln mobilisieren. Überdies hatten sie auf einem Regierungstreffen in Berlin Anfang Juli einen engeren Erfahrungsaustausch in der Arbeitsmarktpolitik vereinbart.

Entsprechende Bemühungen um einen beschäftigungspolitischen Wissenstransfer laufen überdies auf der Ebene der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20). Deren Finanzminister treffen sich Ende dieser Woche in Moskau erstmals zu gemeinsamen Beratungen mit Arbeitsministern. Auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die das Treffen in Berlin kürzlich mit angestoßen hatte, wird dazu in Moskau sein.

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Der Ansatz eines solchen Wissenstransfers und einer weltweiten Abstimmung beschäftigungspolitischer Strategien wird auch von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der OECD unterstützt. Nur durch intensiven Austausch über die Erfahrungen in der Beschäftigungspolitik könnten die G-20-Staaten die großen arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen in den Griff bekommen, mahnen ILO und OECD in einem Report, den sie gemeinsam im Auftrag der G-20-Arbeitsminister angefertigt haben und der an diesem Mittwoch in Moskau vorgestellt werden soll. Beide Organisationen werben dafür, die Schwerpunkte der Finanz- und der Beschäftigungspolitik auch auf der Ebene der G20 möglichst eng aufeinander abzustimmen.

Quelle: F.A.Z.

 
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