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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

EU will neue Regeln für Wirtschaftsprüfer Prüfer kündigen Widerstand an

 ·  Die EU-Kommission will den Wirtschaftsprüfermarkt neu ordnen. Große Unternehmen sollen verpflichtet werden, ihren Wirtschaftsprüfer nach spätestens neun Jahren zu wechseln. Die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften halten davon wenig.

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Auf erheblichen Widerstand der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften stoßen Vorschläge der EU-Kommission zur Neuregelung des europäischen Wirtschaftsprüfermarktes. „Wir werden uns mit aller Macht gegen Vorschläge wehren, die die Qualität der Prüfung gefährden“, kündigte Rolf Nonnenmacher an, Vorstandssprecher der KPMG Deutschland.

Ein aus dem Binnenmarktkommissariat an die Öffentlichkeit gelangter Vorschlag – offiziell sollen die neuen Regeln im November veröffentlicht werden – sieht drastische Eingriffe in den Markt vor, bis hin zur Zerschlagung großer Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften. Ziel der Neuordnung ist es, nach den Erfahrungen der Finanzmarktkrise die Qualität der Prüfung zu verbessern und die marktbeherrschende Stellung der vier großen Prüfungsgesellschaften PWC, KPMG, Ernst & Young und Deloitte zu brechen.

Dazu sollen alle kapitalmarktorientierten Unternehmen in der EU verpflichtet werden, ihren Wirtschaftsprüfer nach spätestens neun Jahren zu wechseln. Außerdem darf das prüfende Unternehmen bei dem gleichen Mandanten nicht auch beratend tätig werden. Wenn ein Prüfungsunternehmen in der Europäischen Union mehr als 1,5 Milliarden Euro mit Prüfungsleistungen umsetzt und davon mehr als ein Drittel mit kapitalmarktrelevanten Unternehmen, soll es künftig nur noch prüfen dürfen. Es müsste sich in diesem Fall ganz aus der lukrativen Beratung zurückziehen.

Ferner wird gefordert, dass alle kapitalmarktorientierten Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Euro Bilanzsumme künftig von zwei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zu prüfen sind. Da als kapitalmarktorientiert alle Unternehmen gelten, die entweder mit Aktien (Eigenkapital) oder Anleihen (Fremdkapital) an der Börse vertreten sind, dürfte die Mehrheit der etwa 1000 in Deutschland betroffenen Unternehmen künftig zwei Prüfungsgesellschaften haben.

„Die Vorschläge der EU-Kommission gehen in die völlig falsche Richtung. Unter dem Vorwand der Krisenprävention wird eine drastische Intervention der EU-Kommission in den Prüfungsmarkt vorbereitet, die bis hin zur Zerschlagung der leistungsfähigsten Prüfungsfirmen reicht“, sagte KPMG-Vorstandssprecher Nonnenmacher. „Das Regulierungspaket lässt jede Verhältnismäßigkeit vermissen“ beklagt Klaus-Peter Naumann, Vorstandssprecher des IDW Institut der Wirtschaftsprüfer.

In Kommissionskreisen hieß es, die Vorschläge seien durchaus darauf angelegt, den Wirtschaftsprüfermarkt radikal zu verändern. Schließlich habe die Krise gezeigt, dass das derzeitige Modell nicht funktioniere, da die parallel oft auch als Unternehmensberater tätigen Wirtschaftsprüfer aus Interessenkonflikten nicht rechtzeitig vor Problemen von Unternehmen gewarnt hätten. Es gehe der Kommission aber nicht darum, den Markt für Wirtschaftsprüfer in seinen Grundfesten zu erschüttern, hieß es weiter. Die vier großen Anbieter hätten sich im Übrigen in der Vergangenheit als flexibel genug gezeigt, um auf eine Änderung der Regeln für Wirtschaftsprüfer in Ländern wie den Vereinigten Staaten oder Frankreich erfolgreich zu reagieren.

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