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EU-Tabakrichtlinie Nicht(verb)raucher-Schutz

Die EU will regeln, was in Zigaretten drin ist und wie Zigarettenschachteln aussehen. Das ist ein starker Eingriff. Und richtig.

Die EU-Kommission will Rauchern ihre Zigaretten noch mehr vermiesen und Nichtraucher vom Rauchen abhalten: Texte und gruselige Bilder sollen künftig auf drei Vierteln der Vorder- und Rückseite von Zigarettenverpackungen davor warnen zu rauchen. Außerdem dürfen Zusatzstoffe wohl höchstens noch so gering dosiert werden, dass das Tabakaroma selbst nicht überlagert wird.

Alexander     Armbruster Folgen:  

Das Vorhaben wirkt äußerst brachial und sehr erzieherisch. Das ist es auch. Selten wird in ein Produkt so stark eingegriffen wie das künftig in Europa mit Zigaretten und ihren Verpackungen geschehen soll. Gleichwohl ist es richtig. Denn es setzt gleich zweifach an.

Gut für Raucher

Erstens besteht Hoffnung, dass es Rauchern hilft, mit dem Rauchen aufzuhören, wenn diese - zugegeben mit dem Holzhammer - mit möglichen Folgen ihres Tuns konfrontiert werden. Das klingt bevormundend, denn schließlich sollte in einer freien Gesellschaft jeder Mensch seiner eigenen Gesundheit Schmied sein dürfen. Zu dieser Freiheit gehört zunächst auch das Recht, sich bewusst und mit Absicht krank zu machen oder abhängig von Drogen - freilich aber nur, solange Dritte dadurch nicht beeinträchtigt werden. Niemand darf gezwungen werden, permanent mitrauchen zu müssen, vor allem Kinder nicht. Haftung und Risiko gehören auch in diesem Fall zusammen.

Zweitens helfen abschreckende Bilder (von Raucherbeinen, ergrauten Augen oder teergeschwärzten Lungen?) Nichtrauchern womöglich dabei, gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen. Hier dürfte die Wirkung der Bilder sogar ungleich größer sein als auf die Raucher selbst, da diese Personengruppe nicht erst von einer Sucht loskommen muss.

Gut für Nichtraucher

Gerade im Sinne des Nichtverbraucherschutzes sind erschreckende Fotografien übrigens vielleicht sogar die erste Wahl. Sie sind kein Verbot. Wer unbedingt möchte, kann auch weiter anfangen zu rauchen. (Dieses Konzept ist bei manch amerikanischem Forscher inzwischen unter dem Namen „liberaler Paternalismus“ beliebt.)

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Auch in diesem Fall darf man natürlich wieder fragen, ob intelligente Menschen nicht auch ohne verordnete radikale Hinweise gegen Zigaretten & Co entscheiden. Das kann schon sein. Ein präventiver Warnschuss, wie er nun auf den Weg gebracht werden soll, schränkt sie aber überhaupt nicht in ihrer Freiheit ein.

Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 19.12.2012, 13:17 Uhr

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