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EU fordert Dreiliterauto Autoindustrie bittet Kanzlerin um Hilfe

Audi, BMW und Daimler fürchten um ihr Geschäftsmodell. Die EU will bis 2025 den durchschnittlichen Benzinverbrauch auf drei Liter halbiert wissen. Die Branche hält die Auflagen für unerfüllbar und bittet die Kanzlerin um Hilfe.

© REUTERS Vergrößern Die deutschen Hersteller setzen größtenteils auf große und schwere Autos - die EU setzt bis 2025 auf einen Durchschnittsverbrauch von drei Litern

Die deutsche Autoindustrie wehrt sich gegen noch schärfere Klimaschutzregeln der Europäischen Union. Die Hersteller sollen vom Jahr 2025 an den Verbrauch auf im Durchschnitt drei Liter Kraftstoff je hundert Kilometer halbieren. Die Branche hält diese Auflagen jedoch für unmöglich erfüllbar. Verbandspräsident Matthias Wissmann hat sich deshalb jetzt in einem Brief an die Bundeskanzlerin gewandt und sie um Hilfe gebeten.

Wissmann, der in früheren Jahren als Kabinettsmitglied neben Merkel zur Regierung Helmut Kohl gehörte, warnt in dem Schreiben mit der Anrede „Liebe Angela“, dass „wir unser leistungsfähiges und starkes Premiumsegment, das fast 60 Prozent der Arbeitsplätze unserer Automobilhersteller in Deutschland ausmacht, nicht über willkürlich gesetzte Grenzwerte buchstäblich kaputt regulieren lassen dürfen“.

Ausgangspunkt für den Konflikt ist ein Regelungsentwurf der EU-Kommission aus dem Juli vergangenen Jahres. Dieser wurde kürzlich vom federführenden Umweltausschuss im Europaparlament noch verschärft. Das Parlament muss sich nun noch mit der Runde der nationalen Umweltminister auf die endgültigen Regeln einigen. Vor diesem Hintergrund schreibt Wissmann, es komme nun entscheidend auf den Ministerrat und damit auf die Position der Bundesregierung an.

Der Vorstoß aus Brüssel trifft besonders die deutschen Autohersteller wie Audi, BMW und Mercedes, weil sie im Durchschnitt etwas größere und deshalb auch schwerere Autos verkaufen als Konkurrenten wie Fiat, Toyota und Ford. Deren preisgünstige Neuwagen sind kleiner und leichter, verbrauchen deshalb weniger und erfüllen auch besser die strengeren Auflagen für den mit dem Spritverbrauch steigenden Ausstoß von Kohlendioxid.

Messwerte nur unter Laborbedingungen

Letztlich gehe es „bei dieser und bei weiteren Regelungen um die Frage, ob die Verordnung wettbewerbsneutral ausgestaltet und damit die Vielfalt innerhalb der europäischen Automobilindustrie berücksichtigt“ werde, heißt es in dem Brief des Verbands der Autoindustrie (VDA) vom 8.Mai, der dieser Zeitung vorliegt.

Bis zum Jahr 2020 soll der CO2-Ausstoß der Neuwagenflotten in Europa auf im Durchschnitt 95 Gramm je Kilometer sinken, bis 2025 dann auf 68 bis 78 Gramm. Letzteres entspräche etwa einem Verbrauch von drei Litern auf 100 Kilometern. Die heute verkauften Neuwagen verbrauchen den Angaben der Hersteller zufolge etwa sechs Liter. Der Widerstand der Autoindustrie richtet sich im Wesentlichen gegen drei Punkte.

„Die für unsere Unternehmen wichtigen Themen sind ein Verzicht auf die heutige Grenzwertfestlegung für 2025, eine stärkere Anrechenbarkeit besonders effizienter Modelle auf den Flottendurchschnitt eines Herstellers („Supercredits“) sowie die Sicherstellung eines verlässlichen Messverfahrens für die CO2-Emissionen“ von Autos, schreibt Wissmann. Die Branche hofft darauf, dass die Politik nach dem Jahr 2020 umschwenken und den CO2-Ausstoß dann etwa über die Mineralölsteuer regulieren könnte.

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Über die Supercredits will sie erreichen, dass Elektroautos den CO2-Schnitt der Flotte senken und die schweren Geländewagen weiter verkauft werden dürfen. Hinter der Forderung nach einem verlässlichen Messverfahren verbirgt sich die Angst der Autohersteller, dass künftig nicht mehr unter Laborbedingungen gemessen wird. Im Alltag brauchen die neuen Autos im Durchschnitt mehr Benzin - eher siebeneinhalb als die offiziell angegebenen sechs Liter.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 21.05.2013, 07:34 Uhr

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Von Hendrik Kafsack

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