Home
http://www.faz.net/-gqg-7gowu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Erzbischof Zollitsch gegen AfD Eine Wahlempfehlung

Üblicherweise halten sich Bischöfe mit eindeutigen (Nicht)wahlempfehlungen zurück. Nicht so Robert Zollitsch: Der Erzbischof von Freiburg hat der AfD den Segen entzogen. Kann Euroskepsis Sünde sein?

© dpa Vergrößern Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg, lobt den Euro.

Der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, greift ungewöhnlich deutlich in den Bundestagswahlkampf ein. „Ich sehe keine Alternative zum Euro“, sagte er in einem Gespräch mit dem Badischen Tagblatt: „Denn der zwingt uns, weiter zusammenzukommen.“ Man müsse „den Ländern, die Hilfe brauchen, wirklich helfen.“ Konsequent empfiehlt der Kirchenmann seinen Gläubigen, die euroskeptische Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) nicht zu wählen. Auf die Frage, ob die AfD seinen bischöflichen Segen habe, antwortet Zollitsch: „Nein, unsere Zukunft liegt in Europa und nicht in der Rückkehr in die Nationalstaaten. Ich hoffe, dass wir diese Frage auf Dauer überwunden haben, und dass es nur ein paar Nostalgiker sind, die nicht in den Bundestag einziehen werden.“

Rainer Hank Folgen:  

Zollitschs Bekenntnis ist bemerkenswert. Denn üblicherweise halten sich Bischöfe mit eindeutigen (Nicht)wahlempfehlungen zurück (bis in die siebziger Jahre konnten sie sicher sein, dass die meisten Katholiken ohnehin CDU und CSU wählten). Bemerkenswert ist, dass Zollitsch sein währungspolitisches Bekenntnis nicht etwa biblisch begründet, sondern mit demoskopischen Argumenten aufwartet („Nostalgiker, die nicht in den Bundestag einziehen“) und offenbar seiner Zeit weit voraus ist, weiß er doch, dass wir den Nationalstaat „überwunden haben“ und nicht mehr „zurückkehren“ wollen (das müsste eigentlich die Mitglieder des deutschen Bundestags irritieren).

Beim Forsa-Institut kann Zollitsch sich nicht kundig gemacht haben. Dessen Chef Manfred Güllner ließ vor ein paar Tagen mitteilen, die Unterstützung für die AfD könnte höher liegen als die zwei bis drei Prozent in den aktuellen Umfragen. Wenn erst einmal die Vier-Prozent-Grenze überschritten sei, sieht Güllner den Einzug in den Bundestag durchaus in Reichweite: „Ich habe lange gedacht, dass sie keine Chance haben, aber jetzt bin ich nicht mehr so sicher.“ Ob die Strategie des Freiburger Bischofs aufgeht, die Euroskeptiker als Häretiker zu stigmatisieren, ist unsicher. Die Kirche hat schließlich auch jene verdammt, die behaupteten, die Erde drehe sich um die Sonne, eine Auffassung, die sich langfristig nicht durchgesetzt hat.

Germany's anti-euro party "Alternative fuer Deutschland" advisor Starbatty addresses the audience during the first informal meeting of the party in Oberursel © REUTERS Vergrößern Joachim Starbatty, AfD-Aktivist

Joachim Starbatty, bekennender Euroskeptiker, Ökonomie-Professor in Tübingen und Spitzenkandidat der AfD in Berlin wehrt sich dagegen, von Zollitsch als „Nostalgiker“ abgestempelt zu werden: „Ich trauere nicht dem Gestern nach.“ Starbatty will sich nicht Europagegner schimpfen lassen und kontert Zollitschs Solidaritätsaufruf mit dem Hinweis, das Geld der Euroretter komme in Wirklichkeit gar nicht den notleidenden Schuldnerstaaten zugute, sondern den Gläubigerbanken, die dort finanziell engagiert sind: „Mein Motto: Nicht Banken, sondern Länder retten“, sagt Starbatty, der zugleich dem Glauben widerspricht, der Euro bringe die Völker zusammen. Dabei sei der Euro selbst nicht das Problem, sondern die Zusammensetzung der Eurozone: „Eine Währungsunion der Ungleichen hat noch nie funktioniert.“ Ihre Mitgliedschaft in der Eurozone zwinge den Südländern eine Politik auf, die sie mit hoher Arbeitslosigkeit bezahlen. „Diese Politik versündigt sich an Menschen“, sagt Ökonom Starbatty.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kardinal Reinhard Marx im Gespräch Gebt uns die Sterbenden

Sterbehilfe, Kirchensteuer, Familiensynode – dem neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx mangelt es nicht an gesellschaftlich strittigen Themen. Im Gespräch gibt er klare Antworten. Mehr

05.09.2014, 11:16 Uhr | Politik
Gegen den Strom der Euroskeptiker

Europaskepsis hat in Großbritannien Tradition, vor allem bei den Konservativen. Die Parlamentariergruppe Fresh Start hält dagegen. Rund 100 Konservative gehören ihr an und stellen sich harter Kritik ihrer Wähler. Mehr

15.05.2014, 16:15 Uhr | Politik
Kardinal Marx gegen Sterbehilfe Wir kümmern uns, dass Menschen nicht alleine  sterben

Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, äußert im Gespräch mit der F.A.Z. die Sorge, eine Legalisierung der Sterbehilfe werde zur Organisation von menschenwürdigem Töten führen. Mehr

04.09.2014, 14:03 Uhr | Politik
Sachsen wählen neuen Landtag

Eine Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition ist fraglich, weil die FDP wohl nicht wieder in den Landtag einziehen wird. Das dürfte dagegen der AfD gelingen. Mehr

31.08.2014, 14:35 Uhr | Politik
Boston Globe startet Katholiken-Portal Jeder nur ein Kreuz, bitte

Der Boston Globe legt ein Katholiken-Portal auf, an dem die Kurie in Rom eventuell keine Freude hat: Crux ist undogmatisch, manchmal ironisch und hoffentlich zukunftsfähig. Mehr

10.09.2014, 17:24 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.08.2013, 16:43 Uhr

Lufthansas Nagelprobe

Von Ulrich Friese

Die Lufthansa reagiert mit einem Reformkurs auf die Veränderungen im internationalen Luftverkehr. Dafür sind Zugeständnisse notwendig - auch der Piloten. Der Tarifstreit ist Sinnbild des Machtkampfes zwischen Führung und Cockpit-Führern. Mehr 6


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Amazon vor Otto vor Zalando

Der Platzhirsch im deutschen Online-Handel heißt Amazon. Er setzt mehr um als seine unmittelbaren Verfolger zusammen. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden