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Erzbischof Zollitsch gegen AfD Eine Wahlempfehlung

 ·  Üblicherweise halten sich Bischöfe mit eindeutigen (Nicht)wahlempfehlungen zurück. Nicht so Robert Zollitsch: Der Erzbischof von Freiburg hat der AfD den Segen entzogen. Kann Euroskepsis Sünde sein?

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© dpa Vergrößern Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg, lobt den Euro.

Der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, greift ungewöhnlich deutlich in den Bundestagswahlkampf ein. „Ich sehe keine Alternative zum Euro“, sagte er in einem Gespräch mit dem Badischen Tagblatt: „Denn der zwingt uns, weiter zusammenzukommen.“ Man müsse „den Ländern, die Hilfe brauchen, wirklich helfen.“ Konsequent empfiehlt der Kirchenmann seinen Gläubigen, die euroskeptische Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) nicht zu wählen. Auf die Frage, ob die AfD seinen bischöflichen Segen habe, antwortet Zollitsch: „Nein, unsere Zukunft liegt in Europa und nicht in der Rückkehr in die Nationalstaaten. Ich hoffe, dass wir diese Frage auf Dauer überwunden haben, und dass es nur ein paar Nostalgiker sind, die nicht in den Bundestag einziehen werden.“

Zollitschs Bekenntnis ist bemerkenswert. Denn üblicherweise halten sich Bischöfe mit eindeutigen (Nicht)wahlempfehlungen zurück (bis in die siebziger Jahre konnten sie sicher sein, dass die meisten Katholiken ohnehin CDU und CSU wählten). Bemerkenswert ist, dass Zollitsch sein währungspolitisches Bekenntnis nicht etwa biblisch begründet, sondern mit demoskopischen Argumenten aufwartet („Nostalgiker, die nicht in den Bundestag einziehen“) und offenbar seiner Zeit weit voraus ist, weiß er doch, dass wir den Nationalstaat „überwunden haben“ und nicht mehr „zurückkehren“ wollen (das müsste eigentlich die Mitglieder des deutschen Bundestags irritieren).

Beim Forsa-Institut kann Zollitsch sich nicht kundig gemacht haben. Dessen Chef Manfred Güllner ließ vor ein paar Tagen mitteilen, die Unterstützung für die AfD könnte höher liegen als die zwei bis drei Prozent in den aktuellen Umfragen. Wenn erst einmal die Vier-Prozent-Grenze überschritten sei, sieht Güllner den Einzug in den Bundestag durchaus in Reichweite: „Ich habe lange gedacht, dass sie keine Chance haben, aber jetzt bin ich nicht mehr so sicher.“ Ob die Strategie des Freiburger Bischofs aufgeht, die Euroskeptiker als Häretiker zu stigmatisieren, ist unsicher. Die Kirche hat schließlich auch jene verdammt, die behaupteten, die Erde drehe sich um die Sonne, eine Auffassung, die sich langfristig nicht durchgesetzt hat.

Joachim Starbatty, bekennender Euroskeptiker, Ökonomie-Professor in Tübingen und Spitzenkandidat der AfD in Berlin wehrt sich dagegen, von Zollitsch als „Nostalgiker“ abgestempelt zu werden: „Ich trauere nicht dem Gestern nach.“ Starbatty will sich nicht Europagegner schimpfen lassen und kontert Zollitschs Solidaritätsaufruf mit dem Hinweis, das Geld der Euroretter komme in Wirklichkeit gar nicht den notleidenden Schuldnerstaaten zugute, sondern den Gläubigerbanken, die dort finanziell engagiert sind: „Mein Motto: Nicht Banken, sondern Länder retten“, sagt Starbatty, der zugleich dem Glauben widerspricht, der Euro bringe die Völker zusammen. Dabei sei der Euro selbst nicht das Problem, sondern die Zusammensetzung der Eurozone: „Eine Währungsunion der Ungleichen hat noch nie funktioniert.“ Ihre Mitgliedschaft in der Eurozone zwinge den Südländern eine Politik auf, die sie mit hoher Arbeitslosigkeit bezahlen. „Diese Politik versündigt sich an Menschen“, sagt Ökonom Starbatty.

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