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CSU-Politiker prangert Konzerne an : Entwicklungsminister will Shell und Adidas boykottieren

Umweltsünder? Bild: dpa

Die Zustände bei der Ölförderung in Nigeria und in der Textilindustrie seien „inakzeptabel“, sagt Entwicklungsminister Gerd Müller. Und auch mit der Textilindustrie geht der CSU-Politiker hart ins Gericht.

          Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat Autofahrer indirekt aufgerufen, Shell-Tankstellen zu boykottieren. „Ich war vor kurzem in Nigeria. Wenn Sie in das Nigerdelta gehen und dort den Standard der Ölförderung sehen, würde keiner von Ihnen an der Tankstelle der Ölfirma, die dort fördert, tanken“ Dort werde zu Lasten der Natur für unseren Wohlstand gewirtschaftet. „Das ist inakzeptabel.“ Eindringlich warb der CSU-Politiker am Dienstag in seiner Rede vor der Berliner Industrie- und Handelskammer für ökologische und soziale Mindeststandards in der Welt.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Mangrovenwälder im Nigerdelta sind von der Förderung gezeichnet. Wer in Nigeria für die ökologische Katastrophe verantwortlich ist, sagte der Entwicklungsminister nicht. Wichtigster ausländischer Partner ist dort der Multi Shell, aber auch Exxon-Mobil, Chevron, Agip und Total sind in Nigeria engagiert. Zusammen mit der staatlichen Ölgesellschaft fördern sie in Joint Ventures das schwarze Gold. Menschenrechtler und Umweltschützer prangern seit Jahren die Geschäftspraktiken von Shell in Nigeria an. Der Ölkonzern verweist seinerseits auf den grassierenden Öldiebstahl. Pipelines werden angezapft, um etwas von der wertvollen Fracht abzuzweigen. Mittlerweile hat das Unternehmen Konsequenzen gezogen und angekündigt, rund die Hälfte seiner Ölproduktion im Nigerdelta verkaufen zu wollen. Zu unrentabel und zu viele Negativschlagzeilen, hieß es zu Begründung.

          Der Entwicklungsminister ging auch mit der globalen Textilindustrie scharf ins Gericht. Das neue Weltmeistertrikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit seinen vier Sternen koste 84 Euro. „Davon bekommt die Näherin in Bangladesch 15 Cent.“ Der CSU-Politiker kritisierte grundsätzlich die Ausbeutung der Arbeiter in Asien und Afrika durch Konzerne aus Europa und Nordamerika: „16 Stunden-Tage, 5 Cent die Stunde, sechs Tage Arbeit für die Frauen – es kommt hinten ein Lohn heraus, der nicht zum Leben reicht, geschweige denn für die Familie.“ Es gebe keinen Arbeitsschutz, und bei Schwangerschaft folge die sofortige Kündigung. „Diese Trikots, diese Anzüge, diese Hemden, wollen Sie die tragen?“ Kinder bearbeiteten barfuß Leder in der Chemiebrühe, damit die reichen Länder an billige Lederhosen kämen. Zehn Jahr später stürben sie daran. „Wir brauchen ökologische und soziale Mindeststandards“, bekräftigte er. Wenn die Näherin in Bangladesch nur ein paar mehr Cent verdienen würde, könnte sie die Familie ernähren und die Kinder zur Schule schicken. Auf den Preis eines Hemdes würde sich das nicht auswirken.

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