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Eng verzahnt Die Krise in Dubai trifft in Indien Reiche und Arme

30.11.2009 ·  Der arme Subkontinent Indien und das reiche Emirat Dubai sind äußerst eng verzahnt. Die Krise in Dubai trifft Zwei von fünf Menschen, die in Dubai leben, stammen aus Indien. Ein Drittel aller Überweisungen indischer Gastarbeiter in die Heimat werden am Golf aufgegeben.

Von Christoph Hein
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Darshan Hiranandani und sein Vater könnten sich bitter verspekuliert haben. Die indischen Immobilienentwickler, mit einem Vermögen von 1,3 Milliarden Dollar laut „Forbes“ die Nummer 41 unter den reichsten Indern, müssen die Appartements in ihrem 90 Stockwerke hohen Wohnturm an der Marina in Dubai schon jetzt mit 40 Prozent Nachlass verkaufen. Die Krise im Emirat dürfte nun weitere Abschläge fordern. Den Bau eines zweiten Hochhauses haben sie auf Eis gelegt. Größer ist das Pech, das Arbeiter wie Manur aus dem südindischen Chennai erleiden: Über Jahre hat er als Gastarbeiter in Dubai die Luxusbauten der Investoren hochgezogen. Wenn nun die Hiranandanis nicht mehr bauen, verliert er seine Arbeit.

Der arme Subkontinent und das reiche Emirat sind viel enger verzahnt, als es den Anschein hat. Die Krise in Dubai trifft im 3000 Kilometer entfernten Indien die ganz Reichen genauso wie die ganz Armen. Zwei von fünf Menschen, die in Dubai leben, stammen aus Indien. Ein Drittel aller Überweisungen indischer Gastarbeiter in die Heimat werden am Golf aufgegeben. Zugleich haben Investoren aus Dubai Projekte im Gesamtwert von fast 50 Milliarden Dollar in Indien geplant: Wohnsiedlungen, Kaufhäuser, Industriegelände. Die Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen Dubai zählt, sind Indiens größter Handelspartner, rechnet man Ölkäufer heraus. Fonds und Unternehmen aus Dubai halten Beteiligungen zum Beispiel an der privaten indischen Fluggesellschaft Spice Jet und an Thomas Cook India. Die Analysten von Nomura schätzen, mit mehr als einer Milliarde Dollar sei Indien das Land, das am stärksten in Dubai engagiert sei. Die Bank Baroda allein steht für 830 Millionen Dollar, Bauunternehmen wie Larsen & Toubro oder Nagarjuna Construction bauen Hotels oder Satellitenstädte am Golf. Sie alle beeilten sich am Wochenende mitzuteilen, dass ihre Engagements in Dubai zu vernachlässigen seien.

Die Börse in Bombay (Mumbai) und der Wert der Rupie hat nach dem Bekanntwerden der Kreditkrise jedoch deutlich nachgegeben. „Wir müssen die Größe des Problems und seine Auswirkungen auf Indien jetzt erst einmal messen“, mahnte Indiens Zentralbankgouverneur Duvvuri Subbarao. „Ist es nur Dubai allein, sollten wir nicht sofort reagieren“, warnte er vor überhastetem Handeln. Am Montag aber stellte Indien nun einen Hilfsplan für heimkehrende Gastarbeiter vor. „Es klingt doch ziemlich wahrscheinlich, dass Dubai vor einem ernsten Abschwung im Immobilien- und Finanzsektor steht. Und das betrifft Überweisungen von unseren Gastarbeitern und deren Jobs“, sagte Thomas Isaac, der Finanzminister des südindischen Bundesstaates Kerala. Die Überweisungen der indischen Bauarbeiter, Kellner und Dienstmädchen am Golf steuerten ein Viertel zur gesamten Wirtschaftsleistung des im Westen vor allem als Urlaubsland bekannten Kerala bei, sagte der Minister. Indien ist mit 52 Milliarden Dollar im Jahr das Land, das die meisten Heimüberweisungen von ausgewanderten Beschäftigten überhaupt erhält – sogar vor China.

Viele der Reichen werden sich, ob mit oder ohne die Hilfe des Finanzministers, zu retten wissen. Denen am unteren Ende der Gesellschaft bleibt dagegen kaum ein Ausweg. „Es ist unvermeidlich, dass die Überweisungssummen fallen werden“, sagt Manu Bhaskaran, Asien-Analyst von Centennial in Singapur, voraus. Wenn die Krise aber die Gastarbeiter Südindiens erreicht, bekommen sie auch Hunderttausende Familien auf dem Subkontinent selbst zu spüren.

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