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Energiewende : Verbraucher zahlen zu viel für Ökostrom

Eine Photovoltaikanlage auf einem Hausdach im brandenburgischen Sieversdorf Bild: dpa

Dieses Geld wurde gar nicht gebraucht: Die deutschen Stromverbraucher haben Milliarden Euro zu viel Umlage für die Förderung des Ökostroms gezahlt. Das geht aus Daten hervor, die jetzt im Internet veröffentlicht wurden.

          Die deutschen Stromverbraucher haben Milliarden Euro für die Förderung des Ökostroms gezahlt, die gar nicht gebraucht werden. Im Mai wies das Konto, auf dem die Ein- und Auszahlungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz verrechnet werden, im dritten Monat in Folge einen Überschuss von mehr als 5 Milliarden Euro aus. Das geht aus den jetzt im Internet einsehbaren Daten hervor. So hoch wie war die Reserve für die im Sommer wegen der vielen Photovoltaikanlagen steigenden Ausgaben noch nie. Im Mai vergangenen Jahres betrug sie 4,3 Milliarden Euro. In den vergangenen Jahren hat sich der Überschuss bis September dann allerdings um 2,5 Milliarden Euro verringert, bevor er im Herbst wieder zunimmt, wenn die Sonne seltener scheint und die Photovoltaikanlagen weniger Strom vergütet bekommen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          In diesem Jahr sind die Einnahmen nach der zum Jahreswechsel vollzogenen Anhebung der Umlage auf 6,88 Cent deutlich gestiegen. Bis Ende Mai beliefen sie sich auf 11,7 Milliarden Euro, das waren 900 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Auffällig ist, dass die Ausgaben in den ersten fünf Monaten geringer waren als im Vorjahreszeitraum. Standen damals 9,8 Milliarden Euro Ausgaben zu Buche, sind es 2017 lediglich 9,5 Milliarden Euro – obwohl im Jahresverlauf neue Windparks und Solaranlagen ans Netz gegangen sind. Fachleute begründen das vor allem mit der schwachen Windausbeute zu Jahresbeginn. Zudem sei der dennoch erzeugte Ökostrom wegen der sehr hohen Börsenpreise meist direkt am Markt verkauft worden, was die EEG-Umlage entlastet habe.

          Um 64 Prozent übertroffen

          Von Januar bis März blieb die Förderung aus dem EEG an die Betreiber von Wind-, Solar- und Biogasanlagen mit 4,7 Milliarden Euro rund 800 Millionen Euro unter Vorjahresniveau. Seither steigen die Auszahlungen allerdings überproportional. Im Mai lagen sie mit 2,5 Milliarden Euro etwa 200 Millionen Euro über dem Niveau des Vorjahresmonats. Erstmals in diesem Jahr reichten die wegen der wärmeren Jahreszeit gesunkenen Einnahmen aus dem Stromverkauf nicht aus, um die steigenden Ausgaben zu finanzieren. Der Überschuss sank deshalb um 200 Millionen Euro auf 5,1 Milliarden Euro.

          Auf eine andere Statistik verweist der Bundesverband Solarwirtschaft. Demnach haben die in Deutschland installierten Photovoltaik-Anlagen im sonnenreichen Mai die Rekordmenge von 5,57 Terawattstunden Strom produziert. Dies entspreche einem Anteil von 12,3 Prozent an der Nettostromerzeugung. Damit hätten sie mit den Kernkraftwerken (5,65 Terawattstunden und 12,5 Prozent der Nettoerzeugung) fast gleichauf gelegen.

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          Die Nachfrage nach Solarstromanlagen und Batteriespeichern habe in den vergangenen Monaten spürbar angezogen, was maßgeblich auf gesunkene Preise zurückzuführen ist. Laut Daten der Bundesnetzagentur habe der Photovoltaik-Zubau in den ersten vier Monaten dieses Jahres mit rund 480 Megawatt den des Vorjahreszeitraums um 64 Prozent übertroffen.

          Quelle: F.A.Z.

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