Die Bundesregierung wird die Ziele für die Einspeisung von Biogas in das Gasnetz bis 2020 aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erreichen, was ein Hindernis für die von der Bundeskanzlerin ausgerufene „Energiewende“ wäre. Diese Schlussfolgerung legt ein neuer Bericht der Bundesnetzagentur nahe. Nach dem Atomausstieg soll Gas in der Verstromung eine wachsende Rolle spielen; Biogas soll zugleich die Abhängigkeit vom Ausland senken. Steigt der Gasbedarf, ohne dass das heimische Angebot wächst, würde diese Abhängigkeit zunehmen, die Begrenzung des CO2-Ausstoßes wäre schwerer zu erreichen.
In ihrem Bericht weist die Netzagentur nun darauf hin, „dass die gesetzlich festgelegten Ziele momentan nur schwer erreichbar scheinen“. Zwar begründe die für dieses Jahr erwartete Einspeisung von 440 000 Kubikmeter Biogas gegenüber den 270 000 Kubikmetern aus dem Vorjahr einen „positiven Trend“. Doch selbst wenn der Wert erreicht würde, wären das erst 7,3 Prozent jener 6 Milliarden Kubikmeter Biogas, die 2020 in das Leitungsnetz gepresst werden sollen. 2030 sollen es gar 10 Milliarden Kubikmeter sein, etwa ein Zehntel des heutigen deutschen Gasverbrauchs, den Dämmmaßnahmen und andere Effizienzsteigerungen bis dahin allerdings erheblich senken sollen.
Der Grund für die schwache Entwicklung seien die unverhältnismäßig hohen Kosten für Biogas, heißt es in dem Bericht, der sich allerdings nicht auf die Anbieter bezieht, die Biogas direkt in Strom umwandeln. Matthias Kurth, Chef der Agentur, spricht von einer „erheblichen Diskrepanz zwischen den Produktionskosten von Biogas und den Marktpreisen für fossiles Erdgas“. Im Jahr 2010 hätten die Herstellungskosten für Biogas im Schnitt bei 6 Cent je Kilowattstunde gelegen, bei einer Streubreite von 1,3 bis 9,3 Cent je Kilowattstunde. Biogas sei viermal so teuer wie der direkte Konkurrent, das meist aus Russland, Norwegen und den Niederlanden eingeführte fossile Erdgas. Lagen die Kosten hierfür bei durchschnittlich 2,07 Cent je Kilowattstunde - an den Börsen nur 1,74 Cent - lag der Verkaufspreis für Biogas bei 8,1 Cent je Kilowattstunde.
Staatlich subventionierte Anbau verschärfe den Hunger in der Welt
Biogas biete, wenn es in das Erdgasnetz eingespeist werde, große Vorteile, sagt Kurth. Es könne gespeichert und auch zu entfernt liegenden Kraftwerken transportiert werden und damit künftig „einen wesentlichen Beitrag zur Verstetigung fluktuierender regenerativer Energiearten leisten“. Gaskraftwerke können sehr schnell an- und abgefahren werden. Mit Gas- und Dampfturbinentechnik ausgestattet, kommen sie zudem auf einen sonst nicht erreichbaren Wirkungsgrad.
Biogas wird nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert, und zwar fast nur zur Stromerzeugung. Wie hoch die Förderung im Einzelfall ausfällt, hängt davon ab, welche Stoffe der Landwirt zur Methanproduktion einsetzt („Güllebonus“) und wie viele Veredlungsstufen der Prozess durchläuft. Auch werden die Kosten für den Anschluss der Biogasanlage an das Gasnetz seit 2010 zu 75 Prozent (bis 10 Kilometer Länge) vom Netzbetreiber übernommen, der sie auf die Gaspreise umlegt. Diese „Wälzungskosten“ kletterten 2010 um mehr als das Doppelte auf 53 Millionen Euro.
Die Regierung will die Förderung der Bioenergieerzeugung konzentrieren und kürzen. Sie reagiert damit auch auf die wachsende Zahl jener, die die Verwendung von Nahrungs- und Futtermitteln zur Energieerzeugung aus ethischen, umweltschützerischen und ökonomischen Gründen kritisieren. Zuletzt hatten mehrere internationale Organisationen wie die Weltbank, der Internationale Währungsfonds und die OECD davor gewarnt, dass der staatlich subventionierte Anbau von Energiepflanzen die Nahrungsmittelpreise in der Welt treibe und den Hunger in der Welt verschärfe.
Fütterung verweigert
Günter Gladis (Gladis)
- 21.06.2011, 12:48 Uhr
Wo bleibt der ökologische Idealismus
Horst Trummler (Vandale6906)
- 21.06.2011, 12:51 Uhr
Deutsche Politiker kapieren es ja nicht...
Heiko Scholz (okibenschloz)
- 21.06.2011, 13:54 Uhr
Klasse 4 mal so teuer!
Reinhard Martin (mfgreinhard)
- 21.06.2011, 13:55 Uhr
Wie sieht es hier mit einem GAU aus?
Sönke Peters (soenkepeters)
- 21.06.2011, 14:09 Uhr
