Home
http://www.faz.net/-gqg-6ukh3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Energiepreise Klimaschutz verdoppelt Kosten für Haushalte

Die europäischen Verbraucher müssen sich in den kommenden Jahren auf deutlich höhere Energiepreise einstellen. Ein internes EU-Papier geht von einer Verdoppelung bis 2030 aus. Doch die Annahmen der Szenarien sind zweifelhaft.

© ZB Vergrößern Mehr Energie: Die Haushalte werden künftig mehr Geld für Strom und Heizen ausgeben

Die europäischen Verbraucher müssen sich in den kommenden Jahren auf deutlich höhere Energiepreise einstellen. Die Ausgaben der privaten Haushalte für Energie werden sich bis 2030 voraussichtlich verdoppeln. Dies geht aus einem internen Entwurf für ein Strategiepapier zur EU-Energiepolitik bis 2050 hervor, das der zuständige Kommissar Günther Oettinger bis Ende des Jahres offiziell vorstellen will.

Hendrik  Kafsack Folgen:    

Derzeit wenden die Haushalte 7 bis 8 Prozent ihres Einkommens für die Energieversorgung auf. Nach dem Papier werden es bis 2030 bis zu 15 Prozent und 2050 bis zu 16 Prozent sein. Darin sind auch die Kosten für die bessere Isolierung von Gebäuden und für die Anschaffung effizientere Fahrzeuge enthalten, die nötig sind, um die Energieeffizienzziele der EU zu erfüllen. Der Strompreis wird bis 2030 inflationsbereinigt bis zu 50 Prozent steigen, anschließend aber leicht sinken.

Gemeinsames Klimaschutzabkommen

Wie stark die Kosten steigen, hängt auch davon ab, inwieweit die EU künftig auf erneuerbare Energiequellen setzt und ihren Energieverbrauch senkt. Die EU-Kommission hat dazu sieben verschiedene Szenarien analysiert - nicht aber, wie sich die Energiekosten entwickeln würden, wenn die EU ihre globale Vorreiterrolle im Kampf gegen den Klimawandel aufgeben würde.

Mehr zum Thema

Vielmehr basiert die Analyse auf der Annahme, dass sich die Staaten der Welt doch noch auf ein gemeinsames Klimaschutzabkommen einigen. Am stärksten wird der Preis demnach bis 2030 ansteigen, wenn die EU sich weitgehend aus der Kernenergie verabschiedet und keine neuen Atomkraftwerke mehr baut. Der Anteil der Kernenergie an der Energieerzeugung sänke dann bis 2050 auf 2,5 Prozent. 65 Prozent entfielen auf erneuerbare Quellen und 33 Prozent auf fossile Brennstoffe.

Viele Variablen in den Berechnungen

Ähnlich stark steigt der Preis, wenn die EU die erneuerbaren Energiequellen besonders fördert. In diesem Szenario würden 83 Prozent der in der EU erzeugten Energie aus diesen Quellen gewonnen, allein 49 Prozent aus Windkraft. Der Anteil von Atomenergie sänke auf 3,5 Prozent, derjenige fossiler Brennstoffe auf unter 10 Prozent. Etwas geringer steigt der Preis, wenn die EU auf die noch nicht marktreife und stark umstrittene Abspaltung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS) setzte.

Bis 2050 würde der Strompreis in den meisten Szenarien leicht sinken. Nur bei der starken Förderung der erneuerbaren Energie stiege er weiter an. Allerdings basiert das auf der nach Ansicht von Fachleuten zweifelhaften Annahme, dass die aus erneuerbaren Quellen erzeugte Energie nur ineffizient gespeichert werden kann und dass mit Atomkraft und mit fossilen Brennstoffen betriebene Kraftwerke mit geringer Auslastung (20 bis 50 Prozent) betrieben werden. Das treibt die Stromkosten künstlich nach oben.

Infrastrukturinvestitionen führen auch zu Anstieg

In allen anderen Szenarien liegt die Auslastung zwischen 40 und 90 Prozent. Am günstigen wäre es nach der Analyse langfristig, wenn keine Technologie bevorzugt wird und die EU sowohl CCS als auch die Kernenergie weiter nutzt. Die Atomkraft machte dann 2050 16 Prozent der Energieerzeugung aus, die erneuerbaren Energien 59 Prozent und fossile Brennstoffe 25 Prozent. Auch in diesem Szenario läge der Strompreis 2050 aber noch ein Drittel höher als heute.

Grund für den Preisanstieg sind nicht zuletzt die Infrastrukturinvestitionen, um das Stromnetz zu modernisieren oder an den Ausbau der erneuerbaren Energie anzupassen. Die Kosten dafür hatte Oettinger schon zuvor auf allein 200 Milliarden Euro bis 2020 beziffert. Ein Teil davon dürfte allerdings auch ohne den Klimaschutz anfallen. Das EU-Energienetz ist 30 bis 40 Jahre alt und muss dringend erneuert werden. Hinzu kommen unter anderem die Kosten für die Förderung erneuerbarer Energie, die für die Erzeugung von Strom aus Gas, Öl oder Kohle nötigen Emissionsrechte sowie die Senkung des Energieverbrauchs von Gebäuden.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kommentar Die Verrücktheiten der Energiewende

Auch wenn Hessen bei der Energiewende nur eine Nebenrolle spielt, zahlen müssen die Bürger trotzdem. Und das über diverse Wege, sodass zu hoffen bleibt, dass neue Investitionen genau überlegt sind. Mehr

20.08.2014, 18:50 Uhr | Rhein-Main
Mittelstandsanleihen-Ticker 3W-Power-Anleger bekommen knapp die Hälfte zurück

Nach Abschluss des Umtauschs der Alt-Anleihe erhalten die Anleger des Solarzulieferers 3W Power, die keine neuen Wertpapiere wollten knapp 50 Prozent ihrer Anlage zurück. Mehr

27.08.2014, 13:11 Uhr | Finanzen
Energiewende Blaues Wunder mit grünen Jobs

Mit der Energiewende sollten viele neue Arbeitsplätze entstehen. Die Grünen sprachen gar von einer Million. Zumindest bislang aber ist die deutsche Energiewende alles andere als ein Wachstumsmotor für den Arbeitsmarkt. Mehr

19.08.2014, 09:55 Uhr | Wirtschaft

Nicht Übel

Von Kerstin Schwenn, Berlin

Zuwanderung ist gut, der Missbrauch des deutschen Sozialstaates ist schlecht. Die Regierung geht zu Recht dagegen vor. Mehr 7 12

Umfrage

Nerven Sie geschäftliche Mails im Feierabend?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Leiharbeiter-Hochburg Bremen

Der Anteil der Leiharbeiter ist in keinem deutschen Bundesland so groß wie in Bremen. Aber auch dort beträgt er nur etwas mehr als fünf Prozent. Mehr 1