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Energiepreise Hoffnung auf niedrigere Strompreise geplatzt

09.05.2006 ·  Die Versorgungsunternehmen sehen keinen Grund, den Preissturz bei den Emissionszertifikaten an die Verbraucher weiterzugeben: Strom wird nicht billiger. Immerhin werden die Preise wenigstens ein Jahr lang stabil bleiben.

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Der Preissturz bei den Emissionszertifikaten nährt bei den Verbrauchern die Hoffnung auf sinkende Strompreise. Aber die Versorgungsunternehmen winken ab. Unter einem Dutzend befragter Unternehmen war kein einziges, das derzeit Anlaß für eine Neukalkulation der Tarife sieht, die von den Strompreisbehörden der Länder genehmigt werden müssen. Das gleiche gilt für die nicht genehmigungspflichtigen Strompreise.

Nur wer sich jetzt an der Börse am Spotmarkt für den aktuellen Verbrauch oder am Terminmarkt für das nächste Jahr eindeckt, zahlt deutlich weniger für die Megawattstunde Strom als vor zwei Wochen. So kostete die Megawattstunde an der Leipziger Strombörse EEX am Montag für Lieferung im Jahr 2007 in Nebenzeiten 48,50 Euro und zu Hauptverbrauchszeiten - zwischen 8 Uhr und 20 Uhr - fast 75,50 Euro. Am 24. April hatte der Basispreis noch gut 13 Euro höher gelegen; die Spitzenlast war damals knapp acht Euro teurer.

Börsennotierungen in Rekordhöhe

Am 24. April waren die Preise für die Emissionszertifikate, die zum Ausstoß von einer Tonne Kohlendioxyd berechtigen, stark gefallen. Bei sehr hohen Handelsvolumina sank der Preis innerhalb einer Woche von 29 auf elf Euro. Den Anstoß gaben Erfahrungsberichte aus den Niederlanden, Tschechien, Frankreich, Spanien oder Belgien, die zeigten, daß für das Jahr 2005 häufig mehr Emissionszertifikate an die Stromerzeuger und die Industrie, die Feuerungsanlagen betreibt, zugeteilt worden waren.

Seit Anfang 2005 benötigen in der Europäischen Union mehr als 12.000 Unternehmen solche Lizenzen zur Kohlendioxydemission. Im April hatte die Bundesregierung mitgeteilt, daß sie für die Anfang 2008 beginnende Handelsphase die Zertifikate für die Stromerzeuger um etwa fünf Prozent verknappen werde. Diese Entscheidung trieb die Börsennotierungen - sowohl für die Zertifikate als auch für den Strom - zunächst in neue Rekordhöhen; so lange, bis sich in den meisten Mitgliedstaaten eine zu großzügige Ausstattung in der ersten Handelsphase abzeichnete.

Insgesamt ausgeglichene Versorgung

Dabei war die Ursache klein und die Wirkung groß. In der Europäischen Union sind mehr als zwei Milliarden Zertifikate zugeteilt worden. Die bislang bekannte Überversorgung von 40 Millionen Zertifikaten liegt mithin nur bei 2 Prozent. Händler erklären den trotz der nur geringen Überversorgung ausgelösten Preis- und Wertverfall damit, daß die Erwartungen in der Branche völlig anders gelagert gewesen seien. Insofern befindet sich der Markt für Emissionszertifikate derzeit in einer sehr labilen Lage.

Die Händler warten ab, wie die Erfahrungsberichte von Deutschland und Großbritannien, die am 15. Mai vorgelegt werden sollen, aussehen werden. Bisher gingen die Fachleute davon aus, daß es in Großbritannien eine Unterversorgung und in Deutschland eine ziemlich ausgeglichene Versorgung gab. Auch hier wird eine etwaige Börsenreaktion wiederum nicht so sehr von den absoluten Zahlen als von dem Unterschied zwischen der Wirklichkeit und den Erwartungen abhängen. Die Frage der Neukalkulation wird jedoch anscheinend nirgendwo ernsthaft erwogen.

Strompreis zumindest für ein Jahr stabil

Für die privaten Verbraucher sind die Aussichten, daß sich ein auch dauerhaft niedrigerer Preis für die Handelsrechte bald auch auf den Strompreis auswirken wird, am geringsten. Zum Jahreswechsel haben die meisten Stadtwerke ihre Strompreise mit behördlicher Genehmigung angehoben. Die genehmigten Zuschläge reichten damals überwiegend von null bis acht Prozent.

Fast alle Endverkäufer decken sich auf dieser Basis für das Jahr 2006 ein. Die Stadtwerke kaufen den Strom auf Termin, weil sie nur einen geringen Teil selbst erzeugen. Selbst bei großen Stromproduzenten wie RWE, Eon oder Vattenfall ist im Januar die Jahresproduktion fast vollständig verkauft. Entsprechend decken sich auch die Vertriebsorganisationen für das Jahr ein.

Für den privaten Haushalt bedeutet dies in der Regel, daß er zumindest für ein Jahr einen stabilen Strompreis erhält, selbst wenn sich zwischenzeitlich die Produktionskosten erhöhen. Umgekehrt heißt es aber auch für ihn, daß er im Augenblick nicht von den niedrigeren Preisen für Emissionszertifikate profitiert.

Quelle: St. / F.A.Z., 09.05.2006, Nr. 107 / Seite 13
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