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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Zweifel an der Wirtschaftlichkeit RWE vor Ausstieg aus der Gaspipeline Nabucco

 ·  Kosten und fehlende Lieferverträge machen den Bau der Russland umgehenden Leitung unwahrscheinlich. Jetzt plant der Energiekonzern RWE, sein Engagement zu überprüfen.

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© Nabucco Von Russland unabhängig: Nabucco soll von der Türkei nach Österreich führen

Der Bau der neuen und von Russland unabhängigen Gasleitung Nabucco wird immer weniger wahrscheinlich. Der Energiekonzern RWE teilte am Sonntag, mit, das Engagement überprüfen zu wollen. Mit einem Wegfall der RWE ginge dem Konsortium einer seiner kapitalkräftigen Partner verloren. Zuletzt hatte Ungarn wegen der Kostenexplosion bereits den Rückzug des Staatsunternehmens MOL aus dem Sechs-Länder-Projekt angekündigt, das Gas aus dem Kaspischen Raum über die Türkei und den Balkan nach Österreich transportieren will. Wegen der inzwischen auf bis zu 15 Milliarden Euro verdoppelten Kostenschätzung war zuletzt eine Verkürzung der Leitung auf den europäischen Teil im Gespräch.

RWE ist damit offenbar nicht einverstanden. In der ursprünglichen Form sei das Vorhaben nach wie vor die beste Lösung, betonte eine Sprecherin. Der Konzern prüfe derzeit, „ob unsere kommerziellen und strategischen Anforderungen an Nabucco weiterhin gewahrt bleiben“. Die Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens seien bei dem Essener Konzern in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, auch wegen der Zusatzbelastungen durch die Energiewende.

Nicht das einzige Leitungsprojekt

Das Projekt ist ein Konkurrenzunternehmen zu der vom russischen Staatskonzern Gasprom mit europäischen Partnern geplanten „South Stream“-Leitung. Die Pipeline soll ebenfalls Gas aus dem kaspischen Gebiet - allerdings durch das Schwarze Meer - nach Südost- und Mitteleuropa bringen.

© F.A.Z.

Zudem hatte das ebenfalls von Gasprom dominierte „Nord Stream“-Konsortium angekündigt, bis Anfang 2013 eine Verdoppelung der durch die Ostsee führenden Leitung auf vier Stränge zu prüfen. Derzeit wird die für den Herbst geplante Inbetriebnahme des zweiten Strangs vorbereitet, der die Kapazität der Leitung auf 55 Milliarden Kubikmeter erhöhen würde. Zum Vergleich: Deutschland verbraucht im Jahr etwa 80 Milliarden Kubikmeter.

Pikant an der Sache ist, dass der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für Gasprom arbeitet, sein früherer Koalitionskollege Joseph Fischer (Grüne) für das Nabucco-Konsortium. Dessen Leitungsprojekt wird auch von der Bundesregierung und der Europäischen Union politisch und finanziell als europäisches Infrastrukturprojekt mitgetragen. Das damit verbundene strategische Ziel ist, einen Lieferweg für Pipelinegas zu öffnen, der von Russland nicht direkt beeinflusst werden kann. Nabucco ist allerdings nicht das einzige Leitungsprojekt. Die schweizerische EGL, Norwegens Statoil und der deutsche Konzern Eon planen den Bau einer kleiner Leitung für Gas aus dem kaspischen Raum von der Türkei über Griechenland nach Italien. Die Trans Adriatic Pipeline (TAP) wäre allerdings kleiner als Nabucco.

Investitionsentscheidungen wurden immer wieder verzögert

Mehrfach waren deutsche und EU-Delegationen von Politkern und Wirtschaftsvertretern in Turkmenistan und Aserbaidschan, auch um für den Verkauf des dort in großen Mengen geförderten Erdgases an das Nabucco-Konsortium zu werben. Allerdings ist es bisher zu keinem Abschluss gekommen, Entscheidungen wurden immer wieder vertagt. Jetzt hofft das Konsortium auf eine Entscheidung zum Jahresende.

Nach einem Bericht des Magazins „Spiegel“ sind bei RWE die Zweifel an der Realisierbarkeit des Vorhabens groß. Führende Manager bereiteten Politiker in Berlin und Brüssel darauf vor, dass ein Rückzug aus dem Konsortium unmittelbar bevorstehen könnte. Eine abschließende Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Derzeit gehören neben dem, das Konsortium führenden österreichischen Konzern OMV noch RWE, MOL, die türkische Botas, die Bulgarian Energy Holding und die rumänische Transgaz dem Verbund an. Mit einem Rückzug von RWE und dem der Ungarn gäbe es im Nabucco-Konsortium noch vier Partner. Als fünfter könnte allerdings Bayerngas hinzukommen. Seit vorigem Jahr wird über eine Mitgliedschaft verhandelt.

Über Nabucco wird seit Jahren verhandelt, doch wurden die Investitionsentscheidungen immer wieder verzögert. Ein Grund sind die fehlenden langfristigen Lieferverträge, ohne die eine milliardenschwere Investitionsentscheidung nicht getroffen werden kann. Hinzu kommen politische Restriktionen. So will die türkische Regierung am Handel mit Gas möglichst mitverdienen. Sie hatte Russland auch alle rechtlichen Genehmigungen zum Bau von „South Stream“ zugesagt, der angeblich noch dieses Jahr beginnen soll. Unklar sind aber auch die Marktbedingungen und Abschätzungen über den künftigen Gasverbrauch in Europa. In den vergangenen Jahren waren die Preise stark unter Druck geraten, weil preiswertes verflüssigtes Gas angelandet wurde und teureres Pipelinegas aus dem Markt drängte.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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