Das europäische Pipeline-Vorzeige-Projekt Nabucco wird wohl nicht in der geplanten Form umgesetzt. Wie am Dienstag aus EU-Diplomatenkreisen verlautete, hat sich der Bau einer Pipeline, die Erdgas aus den kaspischen Feldern durch die Türkei hindurch nach Österreich transportieren sollte, als zu teuer erwiesen.
Das Nabucco-Konsortium hatte die Kosten für das Projekt zuletzt mit 8 Milliarden Euro veranschlagt, einen weiteren Anstieg aber als absehbar bezeichnet. Das hat sich nun offenbar bestätigt. Das Konsortium prüfe deshalb, ob sich auch die kleinere Lösung Nabucco-West rechne, heißt es. Diese würde das Gas nur noch von der bulgarisch-türkischen Grenze bis nach Österreich befördern.
Für Unsicherheit sorgt zudem die Ankündigung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, dass sich der teilstaatliche Konzern MOL aus dem Projekt zurückziehen will – oder seine Beteiligung stark senken will.
MOL verwies auf „mehrere Unsicherheiten“ in dem Nabucco-Projekt, die „nicht außer Acht gelassen werden dürfen“. So wurde erst im Vorjahr der Baubeginn der Pipeline um ein Jahr auf 2013 verschoben, das erste Gas aus der kaspischen Region sollte erst 2017 fließen, zwei Jahre später als bis dahin geplant. Begründet wurde das damit, dass man die Pläne mit den Produzenten in den potentiellen Lieferländern der Kaspischen Region und im Nahen Osten abstimmen müsse.
Die Nabucco-Pipeline soll die EU unabhängiger von Gaslieferungen aus Russland machen. Sie steht in direkter Konkurrenz zur russischen South-Stream-Pipeline, die Gas durch das Schwarze Meer und über den Balkan nach Europa bringen soll. Die EU-Kommission unterstützt das Nabucco-Projekt seit Jahren finanziell und durch politische Verhandlungen auf höchster Ebene mit den potentiellen Hauptgaslieferanten Aserbaidschan und Turkmenistan. Dennoch stehen die Aussichten, dass das Nabucco-Konsortium ausreichende Lieferzusagen erhält, alles andere als gut.
Anfang Oktober 2011 hatte die Nabucco-Gesellschaft dem Betreiber des aserbaidschanischen Gasfeldes Shah Deniz II ein Angebot für den Gasexport nach Europa vorgelegt. Als Favorit für den Transport des Gases aus Shah Deniz II durch die Türkei gilt aber das Pipeline-Projekt Tanap (Transanatolische Pipeline-Projekt). Die Entscheidung soll im Sommer fallen. Dem türkischen Energieminister Taner Yildiz zufolge wird eine Zusammenarbeit von Nabucco mit Tanap diskutiert. Am Ende könnte das Gas dann von Tanap und Nabucco-West gemeinsam in die EU geliefert werden.
Die Kommission reagierte gelassen auf die neuen Unsicherheiten. „Für uns ist nicht wichtig, ob Nabucco auf der Pipeline steht, sondern ob Nabucco drin ist“, sagte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Das bedeute, die EU müsse über eine neue Pipeline freien Zugang zum kaspischen Gas erhalten. Ein Ausstieg von MOL müsse nicht negativ sein, hieß es in der Behörde weiter, wenn sich stattdessen ein finanzkräftiger anderer Partner fände. Mit einem Rückzug der Ungarn gäbe es im Nabucco-Konsortium noch fünf Partner. Neu könnte Bayerngas eintreten, seit vorigem Jahr wird darüber verhandelt. Derzeit gehören dem Konsortium neben OMV, RWE, MOL, die türkische Botas, die Bulgarian Energy Holding und die rumänische Transgaz an.
Wie ungerecht die EU doch ist
Hartmut Jacques (GeoffBTate)
- 25.04.2012, 16:10 Uhr
Lieber Rußland als Türkei
Wolfgang Richter (langweiler2)
- 25.04.2012, 11:14 Uhr
Brauchen wir Nabuco wirklich noch?
Herbert Sax (H.Sax)
- 25.04.2012, 10:52 Uhr
Politisches Leichtgewicht
Klaus Dieter (Leser2009)
- 25.04.2012, 10:22 Uhr
Kein Wort über Shale Gas
Thomas Pauli (ThomasPauli)
- 25.04.2012, 08:13 Uhr
