29.08.2008 · Um die Abhängigkeit von Gasimporten besonders aus Russland zu senken, erwägt die Regierung nach Informationen der F.A.Z. den Aufbau einer nationalen Gasreserve. Das könnte 2 Milliarden Euro kosten.
Von Andreas MihmDie Bundesregierung erwägt den Aufbau einer nationalen Erdgasreserve, um im Falle von Lieferunterbrechungen die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will entsprechende Vorschläge prüfen. „Der Konflikt in Georgien zeigt, dass wir uns auch beim Gas nicht noch stärker einseitig abhängig machen dürfen“, sagte er der F.A.Z. In einer Vorlage seines Hauses wird kritisiert, dass es „trotz der hohen Abhängigkeiten von Gasimporten“ bisher „keine dem Ölbevorratungssystem vergleichbare staatliche Krisenvorsorge gibt“. Es sei „zu prüfen, ob für Erdgas eine ähnliche Vorkehrung erforderlich ist, um die Energieversorgung sicherzustellen“.
Die Erfahrungen mit der bestehenden Ölvorsorge sollten in den Überlegungen für eine Gasbevorratung genutzt werden. Glos setzt auch auf die Kooperation mit Gasnetz- und Speicherbetreibern. Vor- und Nachteile einer nationalen Gasreserve sollten „unter Berücksichtigung des vorhandenen Speichervolumens im Dialog mit der Energiewirtschaft“ ausgelotet werden. Kosten und Nutzen der nicht näher definierten Form staatlicher Gasbevorratung müssten analysiert werden, „insbesondere deren Auswirkungen auf die Verbraucherpreise.“
40 Euro jährliche Mehrkosten für einen Durchschnittshaushalt
Die Kosten einer Gasbevorratung könnten hoch sein. Der Außenhandelsverband für Mineralöl und Energie (AFME) kalkuliert die jährlichen Zusatzkosten auf 2 Milliarden Euro. „Die Erhöhung des Gaspreises würde etwa 0,18 Cent je Kilowattstunde betragen“, sagt AFME-Präsident Hellmuth Weisser. Bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden in einem Durchschnittshaushalt wären das 40 Euro jährliche Mehrkosten.
Basis der Berechnungen ist eine Verdoppelung der Speicherkapazität von derzeit 20 Milliarden Kubikmeter in privaten Speichern auf 40 Milliarden Kubikmeter – was dann rund 40 Prozent des Jahresverbrauchs entspräche und Gas für zusätzlich 90 Tage bunkern würde. Experten sehen aber auch andere Möglichkeiten, etwa den staatlichen Zugriff auf private Speicher im Krisenfall zu vorab festgelegten Konditionen.
„Eine verlässliche Energieversorgung in Europa muss ein strategisches internationales Kriseninstrumentarium sowohl für Öl als auch für Gas umfassen“, sagt AFME-Präsident Weisser, der Vizechef der Ölbevorratungsgesellschaft EBV ist. Nur so bleibe die EU bei Versorgungskrisen handlungsfähig.
Gaskonzerne sind dagegen
Die Gaskonzerne halten jedoch wenig davon: „Wir brauchen in Deutschland keine staatlich kontrollierte strategische Erdgasreserve wie beim Mineralöl“, sagt Eon-Ruhrgas-Sprecherin Astrid Zimmermann. Die Verbraucher könnten sich auf die Lieferungen verlassen. „Eine strategische Erdgasreserve würde das Erdgas weiter verteuern, die Verbraucher unnötig belasten und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen einschränken.“ Eon-Konkurrent Wintershall warnt, die von der EU-Kommission erwogene Pflicht zur Mindestbevorratung von zwei Monaten sei nicht sachgerecht. „Speicher sind für uns keine Bunker, sondern ein Marktinstrument, dessen Kapazitäten optimal genutzt werden müssen.“
Nach einer Übersicht des Branchenverbands BDEW gibt es in Deutschland 46 Untertages-Gasspeicher mit einer Kapazität von 20 Milliarden Kubikmetern. Die Unternehmen nutzen sie als Puffer für die verbrauchsstarke Winterzeit wie auch für den kurzfristigen Handel. Deutschland hat mit Abstand die größten Speicherkapazitäten in der EU. Italien kommt auf knapp 14 Milliarden, Frankreich auf 10 und Großbritannien auf 4,4 Milliarden Kubikmeter. Die kleinen Speicher in anderen Ländern sind auch ein Grund für die Abwehrhaltung der deutschen Betreiber. Sie fürchten, dass ihre Investitionen bei einer von der EU betriebenen Öffnung für strategische Reserven gleichsam sozialisiert würden.
Einen nationalen Ölvorrat gibt es schon seit den Siebzigern
Erdgas ist nach Erdöl der wichtigste Energieträger in Deutschland. Während Erdöl den Primärenergieverbrauch zu rund einem Drittel abdeckt, kam Erdgas im vergangenen Jahr auf 22,7 Prozent. Anders als beim Öl ist die Zahl der Gaslieferanten begrenzt. Wichtigste Lieferanten waren Russland (36 Prozent), Norwegen (26 Prozent) und die Niederlande (18 Prozent) vor der Inlandsförderung mit 15 Prozent. Da die Nachfrage steigt und die hiesige Produktion sinkt, steigt die Nachfrage nach und die Abhängigkeit von russischem Gas. Allerdings hat Russland seine Lieferverträge immer erfüllt.
Eine nationale Krisenbevorratung für Energieträger ist kein neues Thema. Nach der ersten Ölkrise 1974 hat Deutschland wie andere westliche Industriestaaten auch eine Ölreserve aufgebaut. Im niedersächsischen Kavernen lagert Öl, das die Versorgung für 90 Tage sicherstellen soll. Die Kosten dafür von etwa 0,4 Cent je Liter zahlen die Ölverbraucher.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |