30.06.2007 · Energieversorger in Deutschland nutzen den Wegfall der Preisaufsicht, um ihre Strompreise ab Juli zu erhöhen. Die Stromrechnung für einen Standardhaushalt, der jährlich 4000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, steigt auf durchschnittlich 815 Euro im Jahr.
Von Holger SchmidtMindestens 126 Energieversorger in Deutschland nutzen den Wegfall der Preisaufsicht zum 1. Juli, um ihre Strompreise zu erhöhen. Im Durchschnitt heben die Versorger die Grundversorgungstarife um 7,7 Prozent an, hat das Verbraucherportal Verivox errechnet. Damit steigt die Stromrechnung für einen Standardhaushalt, der 4000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, auf durchschnittlich 815 Euro im Jahr und liegt fast 7 Prozent höher als zur Jahresmitte 2006. Die meisten Anbieter begründen die Preiserhöhung mit gestiegenen Beschaffungskosten. Der dafür maßgebliche Großhandelspreis an der Strombörse in Leipzig ist in den vergangenen zwölf Monaten indes nicht gestiegen, sondern im Trend auf hohem Niveau gleich geblieben.
Zu den großen Anbietern, die ihre Grundversorgungstarife anheben, gehören Vattenfall in Berlin und Hamburg, der Frankfurter Versorger Mainova, die Stadtwerke Düsseldorf und die Envia Mitteldeutsche Energie AG in Brandenburg. Spitzenreiter der Preisrunde sind die Stadtwerke Weißenfels in Sachsen-Anhalt, die den Strom 34 Prozent verteuern und nun im Grundversorgungstarif fast 1100 Euro für 4000 Kilowattstunden verlangen. Der Durchschnitt in Deutschland beträgt 815 Euro. Weitere Anbieter könnten mit Preiserhöhungen in der kommenden Woche nachziehen. Die großen Versorger Eon und RWE hatten angekündigt, ihre Preise vorerst konstant zu halten.
Abschaffung der Preisaufsicht zum 1. Juli
Der Grund für die Preiserhöhugnsrunde liegt in der Abschaffung der Preisaufsicht zum 1. Juli. Bisher mussten die Stromversorger sich alle Erhöhungen ihrer Grundversorgungstarife von der jeweiligen Landesbehörde genehmigen lassen. Viele Minister wie der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) hatten dieses Instrument genutzt, um den Preisanstieg zumindest zeitweise zu dämpfen. Doch schon 2005 wurde vereinbart, dass das Instrument der Preisaufsicht nicht mehr in einen liberalisierten Markt gehört und 2007 wegfallen soll. Auch Rhiel findet die Abschaffung gut. „Rund 95 Prozent der Endkundenpreise konnten von den Ländern gar nicht beeinflusst werden: Steuern und Abgaben, die regulierten Entgelte für die Netzdurchleitung und die Großhandelspreise an der Strombörse in Leipzig. Daher war die Preisaufsicht ein stumpfes Schwert“, sagte Rhiel.
Baden-Württemberg hatte die Preisaufsicht schon im Jahr 2000 mit der Begründung abgeschafft, der Wettbewerb auf dem Strommarkt funktioniere und mache eine staatliche Kontrolle überflüssig. Die Strompreise in Baden-Württemberg zählten in den vergangenen beiden Jahren stets zu den höchsten in Westdeutschland; die Preiserhöhungen fielen im Südwesten stets besonders kräftig aus. Auf hohe Preise werden sich bald womöglich alle Stromkunden einstellen müssen. „Wir rechnen auch in den kommenden Monaten mit weiter steigenden Grundversorgungspreisen, die sich dem Niveau in Baden-Württemberg anpassen werden“, sagte Peter Reese, Energiefachmann bei Verivox.
Verbraucherschützer raten zum Wechsel
Bundesregierung, Kartellamt und Bundesnetzagentur versuchen, mit einer Stärkung des Wettbewerbs auf dem Erzeugermarkt und Senkungen der Netznutzungsentgelte für sinkende Preise zu sorgen. Diese Schritte haben die höheren Strompreise bisher nicht verhindern können. Verbraucherschützer raten den Stromverbraucher zum Wechsel des Tarifs oder des Anbieters. Rund 6 Prozent der deutschen Stromkunden – vor allen in Großstädten wie Berlin und Hamburg und den Hochpreisgebieten Sachsen und Baden-Württemberg – haben schon ihren Versorger gewechselt. Rund ein Viertel der Haushalte wechselte in einen Spartarif ihres lokalen Versorgers. Für einen Durchschnittshaushalt könne ein Wechsel des Versorgers leicht eine Ersparnis von 100 Euro im Jahr bringen, sagte Reese.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |