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Energiekonzerne Endesa weist Eon-Übernahmeangebot zurück

22.02.2006 ·  Die Pläne des deutschen Energiekonzerns Eon, durch eine Übernahme der spanischen Endesa zu einem der größten Anbieter auf dem europäischen Markt zu werden, stoßen auf Widerstand. Die Spanier halten das Angebot von 29,1 Milliarden Euro nicht für angemessen.

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Der spanische Versorger Endesa hat das Milliarden-Übernahmeangebot des deutschen Energiekonzerns Eon als nicht angemessen bezeichnet. Die Offerte in Höhe von 29,1 Milliarden Euro sei zwar höher als die des spanischen Konzerns Gas Natural, teilte Endesa am Dienstag abend mit. Aber auch das Eon-Angebot spiegele den tatsächlichen Wert von Endesa nicht wider.

Deutschlands größter Energiekonzern hatte zuvor in Düsseldorf angekündigt, ein Übernahmeangebot für 100 Prozent der Aktien zu einem Preis von 27,50 je Aktie in bar abzugeben. Die Offerte hatte die Aktienkurse sowohl von Eon als auch von Endesa beflügelt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Spaniens Regierungschef Jose Luis Zapatero nach Angaben eines Regierungssprechers in Madrid vorab über das Eon-Angebot informiert. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der von seinem spanischen Amtskollegen um Auskunft gebeten wurde, sagte, es sei „sicher kein Nachteil“, wenn ein so großer Energiekonzern seinen Sitz in Deutschland habe. Die Regierung in Madrid betonte, sie akzeptiere die Regeln des Marktes. Wichtige strategische Entscheidungen für Spaniens Energieversorgung müßten aber dem Land überlassen bleiben.

Endesa reagiert zurückhaltend

Das Transaktionsvolumen betrage einschließlich der bei Endesa ausgewiesenen Verbindlichkeiten, Rückstellungen und Minderheitsbeteiligungen von etwa 26,1 Milliarden Euro insgesamt etwa 55,2 Milliarden Euro, rechnete der Düsseldorfer Konzern am Dienstag vor. Eon erwarte eine freundliche Reaktion des Managements. Es habe zuvor zahlreiche Gespräche in positiver Atmosphäre gegeben, sagte Eon-Chef Wulf Bernotat am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Die Übernahme wäre die teuerste in der Unternehmensgeschichte und der größte Zukauf der Energiebranche, sagte Bernotat. Der spanische Marktführer sei jedoch eine „sehr attraktive Gelegenheit zum Einstieg in den iberischen Markt“.

Doch nun hat Endesa deutlich zurückhaltender reagiert als erwartet. Das Eon Angebot sei nicht angemessen, positiv sei aber, daß Eon für den Fall einer Übernahme zugesichert habe, keine Vermögensteile von Endesa zu verkaufen. Im Zusammenhang mit einem Angebot von Gas Natural habe es Gespräche mit mehreren Unternehmen - darunter auch Eon - gegeben, erklärte Endesa weiter. Diese seien aber zu Ende gegangen, ohne daß eine der Parteien Verpflichtungen eingegangen sei.

Eon in der Rolle des „weißen Ritters“

Eon steht mit seinem Interesse an Endesa also nicht alleine da: Die spanische Regierung hatte Anfang Februar dem spanischen Gasanbieter Gas Natural den Kauf von Endesa zugesagt. Gas Natural, das am Abend sein Angebot bekräftigte, bietet 22,5 Milliarden Euro und damit knapp sieben Milliarden Euro weniger als Eon. Allerdings hatte Spanien eine Reihe von Bedingungen an die Übernahme geknüpft, um die Folgen für den Wettbewerb abzumildern. Endesa hat sich von Beginn an gegen das Zusammengehen mit Gas Natural ausgesprochen mit dem Argument, dem Vorhaben fehle die industrielle Logik, da Endesa von einem reinen Pipeline-Unternehmen als Eigentümer nicht profitiere. Außerdem sei der gebotene Preis zu niedrig. Bei einer Übernahme von Endesa durch Gas Natural würde der neue Konzern zur unumstrittenen Nummer eins in Spanien und Lateinamerika. Er hätte mehr als 30 Millionen Kunden in elf Ländern. Endesa hatte gegen die feindliche Übernahme vor dem Obersten Gerichtshof Spaniens geklagt, war aber unterlegen. Eon springt nun als „weißer Ritter“ ein.

Vorstandsvorsitzender Bernotat sagte, Eon und Endesa paßten strategisch hervorragend zusammen. Die Übernahme, deren Abschluß Eon bis Mitte 2006 erwartet, wird sich nach Einschätzung des Konzerns bereits im ersten vollen Jahr nach dem Abschluß ertragsteigernd auswirken. Die erwirtschafteten Renditen würden über den Kapitalkosten liegen. Die Dividendenpolitik der Eon AG werde unverändert bleiben.

Finanzieren will das Düsseldorfer Unternehmen die Übernahme durch eigene Mittel und Bankdarlehen. Dazu könne man auf eine neue Kreditlinie von HSBC, Citigroup, JP Morgan und Deutscher Bank zurückgreifen. Unabhängig davon werde Eon für weitere Investitionen auch künftig über die nötige Finanzkraft verfügen.

„Kreditlinie deckt Kaufpreis“

Der Kurs der Eon-Aktie hat am Dienstag in Reaktion auf das Gebot zunächst im Minus eröffnet, dann aber rasch und deutlich ins Plus gedreht. Das Papier gewann zeitweise mehr als vier Prozent auf bis zu 98,82 Euro und war klar stärkster Wert im Deutschen Aktienindex. Die Titel von Endesa schnellten in Madrid sogar fast zehn Prozent auf bis zu 27,85 Euro in die Höhe in die Höhe. Händler führen diese im Gegensatz zu vorbörslich anderslautenden Einschätzungen überraschende Kursentwicklung darauf zurück, daß der Kaufpreis mit Eigenkapital und Bankkrediten finanziert werden solle. Damit seien Sorgen vor einer Kapitalerhöhung vom Tisch. Zudem stütze auch die höhere Dividende den Kurs, heißt es. Damit werde die Transaktion insgesamt sehr interessant, da Nachteile für die Aktionäre nicht zu erkennen seien.

Gleichwohl hält sich Eon die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung offen. Sollte es zur Einhaltung aller Vorhaben nötig sein, sei eine Kapitalerhöhung bis zu einem Volumen von zehn Prozent des Grundkapitals denkbar, sagte Finanzvorstand Erhard Schipporeit am Dienstag in Madrid. Er bekräftigte, der Kaufpreis von 29,1 Milliarden Euro sei durch Kredite voll abgedeckt. Der endgültige Finanzierungsbedarf hänge von der Akzeptanz der Endesa-Aktionäre ab, fügte Schipporeit an.

Die Kassen voll

Eon hat die Kassen für eine Übernahme prall gefüllt: Die Düsseldorfer haben im vorigen Jahr ihren Konzerngewinn um mehr als 70 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro gesteigert. Grund sind die Einnahmen aus den Verkäufen der Töchter Viterra und Ruhrgas, wie Eon weiter mitteilte. Auch Endesa wirtschaftet äußerst erfolgreich: Mitte Januar hatte der Konzern ein Rekordergebnis von 3,18 Milliarden Euro verkündet.

Eon hat sein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um fünf Prozent auf 10,3 Milliarden Euro gesteigert, der Konzernumsatz verbesserte sich um 21 Prozent auf 56,4 Milliarden Euro. Eon schlug eine Dividende für 2005 von sieben Euro je Aktie vor. Darin sei eine Sonderausschüttung von 4,25 Euro enthalten, teilte der Konzern mit.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters, AFP, Dow Jones, pso./F.A.Z.
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