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Energie Vor einem neuen Ölpreisschock?

08.09.2005 ·  Erst nach dem Wirbelsturm Katrina setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, daß der Ölpreis noch für lange Zeit hoch bleiben dürfte. Droht ein neuer Ölpreisschock? Ein FAZ.NET-Spezial.

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Merkwürdig ist es ja schon: Schon vor dem Wirbelstrum Katrina ist der Ölpreis um 60 Prozent und mehr gestiegen - und niemand hat es so richtig aufgeregt. Nun aber, nach den Verheerungen im Süden der Vereinigten Staaten durch den Wirbelsturm Katrina, ist der Ölpreis in aller Munde. So sind die Mechanismen einer Mediengesellschaft. Die Erkenntnis, daß der Ölpreis dank der großen Nachfrage noch für lange Zeit hoch bleiben dürfte, setzt sich erst jetzt allmählich durch.

Wirtschaftlich gesehen, hat sich eigentlich nicht viel geändert. Der Ölpreis ist weiter gestiegen, und im Gefolge die Benzin- und Dieselpreise sowie die Preise für Heizöl. Die Gasunternehmen haben Preiserhöhungen für das Jahr 2006 angekündigt. Die Politik beschimpft die Spekulanten am Weltölmarkt. Alles wie gehabt, oder nicht?

Eines unterscheidet die aktuelle Lage von den bisherigen Ölpreissteigerungen. Als Folge des Wirbelsturms sind in den Vereinigten Staaten vor allem Raffineriekapazitäten zumindest auf mittlere Sicht ausgeschaltet. Wo bisher die weltweit - mit Ausnahme Deutschlands - robuste Konjunktur die Nachfrage nach Öl erhöhte, der Anstieg also nachfragegetrieben war, besteht nun erstmals seit langem die ernsthafte Gefahr einee Angebotsschocks. Wie stark dies die Weltwirtschaft und die exportabhängige deutsche Wirtschaft dämpfen wird, ist offen. Sicher ist, daß die Belastung durch höhere Energiepreise die Verbraucher daran hindert, Konsumlust zu entwickeln und die Kosten für Unternehmen erhöht. Alles hängt davon ab, wie lange die Raffineriekapazitäten ausfallen werden. Auf mittlere Sicht könnte ein hoher Ölpreis sogar die Investitionen beleben, weil mehr Investitionen in energiesparende Produktion umgesetzt werden.

Die Energiemärkte haben auf die Vorkommnisse normal reagiert. Der Ölpreis stieg rasant in die Höhe, die Kraftstoffpreise auch; dann gaben sie wieder nach. Auch die Regierungen zeigten den üblichen Aktionismus: Im Rahmen der Internationalen Energieagentur, einer fast vergessenen internationalen Organisation in Paris, die nach dem ersten Ölpreisschock Anfang der siebziger Jahre gegründet wurde, haben wichtige Industriestaaten Teile ihrer Ölreserven freigegeben. Wie lange dies den Ölpreis drücken wird, ist offen. Sicher ist, daß die Ölreserven auch mal wieder aufgefüllt werden müssen. Das kann teuer werden.

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