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Energie Vertrieb und Handel rücken vor

23.01.2006 ·  Arbeitsmarkt: Ingenieure mit Wirtschaftskenntnissen und Kaufleute mit Technikwissen sind gefragt. Der Strom muß schließlich nicht nur produziert, sondern auch verkauft werden. Der Verdienst ist überdurchschnittlich hoch.

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Die Liberalisierung in der Energiewirtschaft hat tiefe Spuren im Arbeitsmarkt hinterlassen. Seit 1998 ist praktisch jeder fünfte Arbeitsplatz der schärferen Kostenkontrolle zum Opfer gefallen, was allerdings auch auf Ausgliederungen etwa der Datenverarbeitung oder Call-Center zurückzuführen ist. Der Personalabbau hat sich durch alle Ebenen gezogen bis hin zum mittleren und oberen Management. Ulrich Goldschmidt vom Verband „Die Führungskräfte“ schätzt, daß ein Stellenabbau von mehr als 20 Prozent auch bei den höheren Chargen erfolgt ist.

Dennoch: Die Branche sucht - vor allem für den Vertrieb und den Stromhandel. Die Zeiten sind allerdings vorbei, in denen eine Beschäftigung in der Energie- und Stromwirtschaft quasi einen Beamtenstatus hatte. Unternehmen haben ganze Führungsebenen aus ihrem Organigram herausgenommen, womit den verbliebenen Arbeitskräften zusätzliche Verantwortung aufgebürdet worden ist. Historie ist zudem, daß Energieversorger nur Produzenten sind, bei denen Techniker das Sagen haben.

Verwaltungsanteil ist rückläufig

„Es reicht nicht mehr, Strom zu produzieren“, sagt Goldschmidt. „Er muß vor allem verkauft werden.“ Damit verlagern sich die Schwergewichte. Vertrieb und Handel stehen bei der Rekrutierung im Vordergrund, während die Stromerzeugung angesichts der hohen Automatisierung auf dem Rückzug ist. Rückläufig ist auch der Anteil in der Verwaltung als Folge der zahlreichen Fusionen und Kooperationen.

Der Kulturwandel muß verdaut werden: Ein Leiter Finanzen und Controlling wird unter Umständen im Unternehmen auf einmal höher eingestuft als ein Kraftwerksleiter. Dementsprechend richtet sich mittlerweile das Profil der gesuchten Mitarbeiter anders aus. Ingenieure mit Wirtschaftskenntnissen sind gefragt. Dabei geht es in den Augen von Goldschmidt gar nicht allein um Wirtschaftsingenieure. Für ihn hat etwa ein Elektrotechniker die besten Chancen, der ein Ingenieur-Vollstudium absolviert, parallel aber den Ausflug in die Betriebswirtschaftslehre gewagt hat. Für einen Betriebswirtschaftler kann es nicht schaden, technische Kenntnisse mitzubringen.

Überdurchschnittlich hohe Gehälter

Hier gibt es Engpässe; zu erkennen an der Abwerbeintensität nicht nur zwischen den Unternehmen, sondern auch innerhalb der Konzerne. Ein qualifizierter Mitarbeiter der Netzgesellschaft wechselt durchaus einmal zum Handel. Für den Stromhandel bieten sich auch Mitarbeiter aus fremden Branchen an, etwa von Banken.

Doch leiden die Energieversorger immer noch unter einem eher altmodisch angehauchten Image, das jedoch spätestens seit der Marktöffnung abgestreift worden, aber offenkundig draußen noch nicht ausreichend angekommen ist. Dabei zahlt die Branche gar nicht so schlecht. Nach Ansicht von Ulrich Goldschmidt sind die Gehälter überdurchschnittlich hoch. Energieversorger gehören hinter Banken, Chemie und Mineralölwirtschaft zur Spitze.

Quelle: kön. / F.A.Z., 20.01.2006
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