02.01.2009 · Trotz höherer Preise wurde 2008 mehr Energie benötigt. Doch der Klimaschutz änderte den Energiemix: Die Kraftwerke verfeuerten weniger Kohle. Dafür wurde mehr Strom in Kernkraftwerken und von Windrädern erzeugt.
Von Konrad MrusekKlimaschutz ist schwieriger geworden, weil die Politiker in der Wirtschaftskrise Bürgern und Unternehmen nicht zusätzliche Lasten aufbürden wollen. Dennoch wird es 2009 auch ohne zusätzliche Maßnahmen weniger Emissionen von Treibhausgasen geben. Dafür sorgt einerseits die Rezession, denn eine schrumpfende Wirtschaft braucht weniger Energie. Auf der anderen Seite zeigt der Emissionshandel erstmals Wirkung, weil er die Höchstgrenze für den Kohlendioxid-Ausstoß stetig vermindert und die Kraftwerke seit dem vergangenen Jahr erstmals gezwungen sind, Emissionszertifikate käuflich zu erwerben. Diese kosten zurzeit an der europäischen Energiebörse in Leipzig 15 Euro je Tonne Kohlendioxid.
Welche Wirkung dieser Kohlendioxid-Preis hat, zeigt die Energiebilanz 2008. Zwar stieg die Nachfrage nach Strom, Wärme und Kraftstoffen um 2 Prozent, doch es wurden 6 Prozent weniger Steinkohle verwendet. Auch verfeuerten die Kraftwerke, obwohl die gesamte Stromerzeugung um knapp 6 Prozent stieg, 3 Prozent weniger Braunkohle. Dafür wurde mehr Strom in Kernkraftwerken und von Windrädern erzeugt. Diese Änderung im Energiemix war zu erwarten, denn Kohlekraftwerke emittieren besonders viel Kohlendioxid. Die ökologische Lenkungswirkung der Emissionszertifikate ist hier also besonders ausgeprägt, und sie wird auch mit dem europäischen Handelssystem angestrebt. „Ein Großteil des Rückgangs im Kohle-Einsatz ist dem Emissionshandel zuzuschreiben“, sagt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Wie groß dieser Effekt 2008 war, lasse sich indes noch nicht genau beziffern. Denn auch andere Faktoren trugen dazu bei, dass weniger Kohle verwendet wurde. So gingen einige alte „Dreckschleudern“ vom Netz, und der Bau neuer Kraftwerke wurde durch Einsprachen von Bürgern vereitelt.
Kohlendioxid-Preis beeinflusst die Stromgewinnung
Der Kohlendioxid-Preis beeinflusste bisher in einem besonders starken Maße die Stromgewinnung, weil der Emissionshandel längst nicht die ganze Wirtschaft erfasst, sondern auch in der zweiten Handelsperiode (2008 bis 2012) allein Kraftwerke und Industrie. Das entspricht etwa der Hälfte der gesamten deutschen Emissionen von knapp 900 Millionen Tonnen. Im Gegensatz zur großzügigen Vergabe von Zertifikaten in der ersten Handelsperiode wurde jedoch 2008 die Höchstgrenze um 10 Prozent herabgesetzt, was dazu führte, dass Energiekonzerne mit vielen Kohlekraftwerken (wie etwa RWE) bis zu 30 Prozent der Verschmutzungsrechte zukaufen müssen. Strom wurde allerdings nicht deshalb teurer, denn die Konzerne preisen den Wert der Kohlendioxid-Zertifikate bereits seit Jahren in den Strompreis ein, auch wenn sie die Rechte damals noch gratis erhielten. Dies war betriebswirtschaftlich geboten, weil die Zertifikate einen Börsenpreis haben und somit Opportunitätskosten darstellen, also bei „sauberer“ Produktion veräußert werden könnten.
Die Einpreisung der Rechte in den Strompreis ist nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch geboten, weil die Kunden zur Reduktion ihrer Nachfrage nach kohlendioxidhaltigen Gütern bewegt werden sollen. Der Börsenpreis im Emissionshandel zeigt jeweils die Grenzkosten der Kohlendioxid-Vermeidung. Nach Berechnungen des Öko-Instituts haben die Energiekonzerne bisher einen Preis von 25 Euro je Tonne den Kunden in Rechnung gestellt, was für einen Haushalt mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch jährlich 90 Euro wären. Dass der Zertifikate-Preis gegenwärtig auf 15 Euro gesunken ist, führt Kemfert einerseits auf die Rezession zurück und damit auf die geringere Stromnachfrage der Industrie. Eine andere Ursache sei der kräftige Zubau regenerativer Energiequellen wie Windkraft und Biogas-Anlagen.
Rezession drängt Kohlendioxidausstoß zurück
Die Energieexpertin des DIW rechnet damit, dass 2009 wegen der Rezession der Kohlendioxid-Ausstoß weiter sinkt. „Selbst mit einer wachsenden Wirtschaft würden die Emissionen nicht so stark steigen, da der Klimaschutz immer mehr greift und der Emissionshandel langsam seine Wirkung entfaltet.“ Die Wissenschaftlerin verweist auch auf das Klima- und Energiepaket der Bundesregierung, das 2009 zu wirken beginnt und vor allem durch eine bessere Dämmung von Gebäuden und die anteilige Nutzung von Öko-Wärme auch jenen Ausstoß an Treibhausgasen vermindert, der nicht vom Emissionshandel erfasst wird. Deutschland zählt schon jetzt zu den wenigen Industrieländern, die die Vorgabe des Kyoto-Protokolls erfüllen und die Emissionen seit 1990 um 22 Prozent gesenkt haben. Der Emissionshandel wurde mit diesem Protokoll geschaffen.
Es wäre ja nicht so schlimm, wenn dahinter wenigstens ein Sinn wäre
Heinz Thieme (HeinzThieme)
- 02.01.2009, 23:28 Uhr
Die CO2-Lüge,
Michael Adam (MACHE174)
- 03.01.2009, 13:13 Uhr
Sie haben ja recht, Herr Esser, da Sie darauf hinweisen, daß
Stefan Pohl (friedrich_leipzig)
- 03.01.2009, 14:16 Uhr
Dennoch wird es 2009 auch ohne zusätzliche Maßnahmen weniger Emmissionen
Maria Gruber (marilu1)
- 03.01.2009, 14:59 Uhr
Nur konkrete Zahlen helfen nicht Prozentsätze weil
Maria Gruber (marilu1)
- 03.01.2009, 15:03 Uhr
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