10.08.2006 · Der Energieriese RWE wird 2006 möglicherweise weniger Geld verdienen als erwartet: Trotz einer Gewinnsteigerung zum Halbjahr äußert sich das Unternehmen vorsichtig. Großen Respekt hat RWE offenbar vor der Bundesnetzagentur.
Der Essener Energiekonzern RWE hat sich trotz einer Gewinnsteigerung im ersten Halbjahr vorsichtiger als bisher zu seinen Aussichten für 2006 geäußert.
Während RWE am Donnerstag seine Jahresprognose von fünf bis zehn Prozent Wachstum beim betrieblichen Ergebnis bekräftigte, schränkte der Konzern seine Erwartungen für den Nettogewinn ein. RWE rechne nun „mit einem Wert am unteren Rand“ des bisher erwarteten Wachstums von zehn bis 20 Prozent, hieß es.
Strom- und Gaspreise lassen Umsatz klettern
Als Grund für die vorsichtige Prognose nannte das Unternehmen unter anderem, daß die Erwartungen für das betriebliche Ergebnis der Sparte Energy und des Wasserbereichs angepaßt werden müßten. Im Wassergeschäft, von dem sich RWE fast vollständig trennen will, sank das betriebliche Ergebnis im Halbjahr um zehn Prozent auf 555 Millionen Euro.
Insgesamt steigerte RWE das betriebliche Ergebnis von Januar bis Juni um 19 Prozent auf 4,104 Milliarden Euro und lag damit etwas über den Erwartungen der Analysten. Das Nettoergebnis verbesserte der Konzern um 16 Prozent auf 1,659 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg auch wegen höherer Preise für Strom, Gas und Wasser um 17 Prozent auf 24,331 Milliarden Euro.
Zukünftiger Erfolg hängt von Verkauf der Wassertochter ab
RWE-Chef Harry Roels hat Gespräche mit Finanzinvestoren über einen Verkauf seiner britischen Wassertochter bestätigt. „Ja, wir führen diverse Gespräche“, sagte er am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Essen. Er bekräftigte, daß eine Trennung von Thames Water weiterhin auch über einen Börsengang möglich sei, wie er für die US-Tochter American Water bereits beschlossen ist. RWE liege nach wie vor im Zeitplan für den Verkauf der beiden Töchter, der 2007 abgeschlossen sein soll. Von dem Erfolg des Verkaufs hänge auch die Fähigkeit des Konzerns für Zukäufe ab, betonte Roels.
RWE hatte im Herbst den Verkauf der beiden Wasser-Töchter beschlossen und will sich wie der Konkurrent E.ON auf das Strom- und Gasgeschäft konzentrieren. Den Wert von Thames Water und American Water schätzen Analysten auf 16 Milliarden Euro. Aus informierten Kreisen hatte die Nachrichtenagentur Reuters kürzlich erfahren, die Bieterfrist für Thames Water sei bis zum 15. August verlängert worden. Bis dahin müßten konkrete Angebote vorgelegt werden. Den Kreisen zufolge ist an der Tochter unter anderem ein Konsortium unter Führung der australischen Macquarie Bank und ein weiteres Unternehmen unter Leitung des Finanzinvestors Terra Firma interessiert.
Regulierer könnte RWE einen Strich durch die Rechnung machen
Der neue Ausblick für das Nettoergebnis steht nach Angaben des Konzerns unter dem Vorbehalt, daß nicht noch „zusätzliche Gegenmaßnahmen“ auf Grund der verlangten Kürzungen bei den Stromnetzentgelten durch die Bundesnetzagentur nötig werden. Erste Rückstellungen hierfür seien bereits in der Prognose für das Gesamtjahr enthalten. Die gesamte Auswirkungen der Regulierung sei aber noch nicht absehbar, hieß es.
Die Bundesnetzagentur hatte kürzlich die Netzgebühren für die RWE Transportnetz Strom GmbH gesenkt, wodurch der Konzern Umsatzeinbußen in einem „hohen zweistelligen Millionenbereich“ erwartet. In den kommenden Wochen werden weitere Entscheidungen der Behörde zu Tochtergesellschaften von RWE erwartet.
Die Konkurrenz meldet positive Zahlen
Der schwedische Konzern Vattenfall, der Deutschlands viertgrößter Energieversorger ist, hat seinen operativen Gewinn in Deutschland im zweiten Quartal um 42 Prozent gesteigert. Energie Baden-Württemberg, das drittgrößte Energieunternehmen in Deutschland, hatte am Mittwoch mitgeteilt, daß sich seine Erträge mehr als verdoppelt haben.
RWEs größerer Wettbewerber Eon wird in der kommenden Woche Zahlen für das zweite Quartal bekanntgeben.
Ausbau der Marktposition in den Niederlanden
Bei der Vorlager der Halbjahresbilanz kündigte RWE-Chef Roels einen Ausbau der Marktposition des Stromversorgers in den Niederlanden an. Das Unternehmen beschäftige sich mit verschiedenen Wachstumsmöglichkeiten in dem Nachbarland, sagte der Manager am Donnerstag bei der Vorlage der Halbjahresbilanz in Essen. Die Niederlande sei eines der Kernländer in der RWE-Wachstumsstrategie.
Nach den Worten von Roels hat RWE in diesem Zusammenhang bereits Gespräche mit Nuon und anderen niederländischen Unternehmen geführt. Möglichkeiten zum Ausbau des Geschäfts könnten sich beispielsweise durch die anstehende Unbundling-Entscheidung des niederländischen Senats ergeben, erläuterte er. RWE komme derzeit auf einen Marktanteil in den Niederlanden von 5 Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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