15.10.2006 · Das Öl soll teurer werden: Die Opec plant, die Fördermenge von 28 auf 27 Millionen Barrel am Tag zu drosseln. Sie begründet den Schritt mit den seit Monaten sinkenden Ölpreisen.
Angesichts der in den vergangenen Monaten deutlich gesunkenen Ölpreise plant die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) eine Kürzung der Förderung. Der Direktor der Forschungsabteilung der Opec, Hasan Qabazard, bestätigte im Gespräch mit der F.A.Z., daß eine Kürzung von 1 Million Barrel (zu 159 Liter) Tagesleistung vom November an diskutiert werde. Die offizielle Fördermenge würde von 28 auf 27 Millionen Barrel am Tag sinken. Damit drosselt die für gut ein Drittel des Weltölangebots und drei Viertel der Reserven zuständige Opec zum ersten Mal seit zwei Jahren ihre Produktion.
Auf die elf Opec-Mitglieder wird die Förderkürzung in Abhängigkeit von ihrer anteiligen Förderung verteilt. Auf den weltgrößten Produzenten Saudi-Arabien entfiele etwa ein Drittel. Die geplante Senkung ist nach Angaben des nigerianischen Opec-Präsidenten Edmund Daukoru eine vorübergehende Maßnahme, um den jüngsten Preisverfall zu stoppen. Die Ölpreise waren in den vergangenen zwei Monaten um ein Fünftel auf knapp unter 60 Dollar gefallen. Wie Daukoru der Nachrichtenagentur Reuters sagte, entspricht die - vermutlich in dieser Woche formal zu beschließende - Verringerung keiner dauerhaften Veränderung des Produktionsniveaus.
Ölpreise zwischen 55 und 65 Dollar realistisch
Qabazard begründete die geplante Verringerung mit hohen Lagerbeständen auf der Welt, die zu einem weiteren Rutsch der Ölpreise führen könnten. Derzeit sei der Markt stark durch fundamentale Größen bestimmt, während andere Faktoren wie geopolitische Spannungen und Wetterkapriolen in den Hintergrund geraten. „Wir befinden uns gerade an einem Wendepunkt“, sagt der aus Kuweit stammende Opec-Vertreter. „Wir glauben, daß der Markt diese zusätzliche Ölmenge nicht benötigt und wollen ein mögliches Abgleiten der Preise verhindern.“
Die Opec erwartet nicht, daß die Förderkürzung den Ölpreis, der im Juli ein Rekordniveau von 78 Dollar je Barrel erreicht hatte, hochschnellen läßt. Derzeit seien Ölpreise zwischen 55 und 65 Dollar realistisch, heißt es. Die immer wieder ins Spiel gebrachte Rückkehr zu einem angestrebten Preisband hält Qabazard für ausgeschlossen. Bis vor zwei Jahren wurde eine Preisspanne, die sich auf einen Korb verschiedener Ölsorten bezog, von 22 bis 28 Dollar als wünschenswert erachtet. „Der Markt macht den Preis, nicht wir“, sagt Qabazard.
„Öl ist keine Waffe“
„Wir sind keine Spekulanten und wollen realistisch sein. Wir können nicht etwas sagen, das so nicht mehr vertretbar ist.“ Für wünschenswert hält die Opec einen Preis, der das Wirtschaftswachstum nicht hemmt und Investitionen in die Ölfeld-Industrie fördert. Vor zwei Jahren lag dieser Preis noch bei 40 Dollar. Bedingt durch Inflation und Nachfrageanstieg wäre ein solcher Preis heute zwischen 55 und 65 Dollar je Barrel anzusiedeln, sagt der Ölfachmann. Mit Blick auf das prognostizierte Wirtschaftswachstum in vielen Ländern verneint er einen starken Einfluß der hohen Ölpreise auf die Weltwirtschaft.
Die Ölpreise-Hausse der zurückliegenden zwei Jahre wurde von der Opec stets auch auf Engpässe im Raffineriegeschäft zurückgeführt. Hervorgerufen sind diese durch die zu geringen Margen, die bis vor zwei Jahren Investitionen verhindert hätten. Wegen der langen Vorlaufzeiten bei Raffinerieanlagen gibt es nach Einschätzung Qabazards nach wie vor einen Mangel, der wohl zumindest bis 2010 noch ins Gewicht fallen dürfte.
Die Opec selbst investiert kräftig, um die Pufferkapazität von derzeit etwa 8 Prozent bis 2010 auf 15 Prozent zu erhöhen. Das entspräche einer Förderung von rund 37 bis 38 Millionen Barrel am Tag. Damit dürfte die Opec ihr Gewicht als bedeutender Akteur am Weltölmarkt ausbauen. Trotz ihrer angesichts des Ölpreisanstiegs in den vergangenen beiden Jahren relativ machtlosen Rolle kommt dem Rohstoffkartell im Urteil von Marktkennern eine wichtige Funktion beim Bereitstellen von Pufferkapazitäten zu. Die Opec-Staaten haben in den vergangenen Jahren dem Markt immer wieder Rohstoff zugeführt und damit zum Ausgleich von Engpässen beigetragen. Die Opec sieht sich eingedenk dieser Erfahrungen weder als Preisnehmer noch als Preissetzer. „Wie kann man den Preis kontrollieren, wenn der Ölverbrauch kollabiert?“ fragt Qabazard. „Wir sehen Öl als handelbares Gut auf einem Markt - keinesfalls als Waffe.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.756,90 | −1,04% |
| Nasdaq 100 | 2.545,51 | −0,72% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3177 | −0,80% |
| Rohöl Brent Crude | 117,46 $ | −1,04% |
| Gold | 1.748,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,71 € | +1,08% |