25.11.2009 · Wenn die Bundesregierung die Laufzeiten für Kernkraftwerke wie beabsichtigt verlängert, dann sollten die Deutschland zugebilligten Kohlendioxidemissionen im Gegenzug drastisch gekürzt werden. Das fordert der Chef der staatlich kontrollierten Deutschen Energieagentur (Dena), Stephan Kohler.
Von Andreas MihmWenn die Bundesregierung die Laufzeiten für Kernkraftwerke wie beabsichtigt verlängert, dann sollten die Deutschland zugebilligten Kohlendioxidemissionen im Gegenzug drastisch gekürzt werden. Das fordert der Chef der staatlich kontrollierten Deutschen Energieagentur (Dena), Stephan Kohler. Der erlaubte Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) könne um 100 bis 120 Millionen Tonnen im Jahr verringert werden, sagte er vor Journalisten in Berlin. Sonst komme es zu einer umweltpolitisch falschen „Überausstattung“ mit Emissionszertifikaten.
Die geforderte Emissionsminderung wäre recht groß im Vergleich zu den derzeitigen deutschen Emissionen. Im vergangenen Jahr hat Deutschland nach Angaben des Bundesumweltamtes 832 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. Die Industrie darf nur noch 450 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr emittieren. Darauf bezogen, würde das von Kohler genannte zusätzliche Einsparvolumen ein Viertel ausmachen.
Die Bundesregierung will die Laufzeiten für Atommeiler verlängern, wenn die Stromkonzerne die „Zusatzgewinne“, die sie mit den abgeschriebenen Kernreaktoren machen, weitgehend abtreten. Verhandlungen darüber haben noch nicht begonnen. Die Regierung will ein Energiekonzept bis Oktober kommenden Jahres verabschieden. Der Dena-Chef begründete seine Forderung nach einer weiteren Minderung der Emissionszertifikate damit, dass die bisherigen Einsparziele unter der Voraussetzung des Atomausstiegs bis 2021 gemacht worden seien. Diese Ziele beinhalten bis 2020 eine Minderung des Kohlendioxidausstoßes um 30 oder sogar 40 Prozent gegenüber 1990. Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke rechtfertigen nach Ansicht Kohlers höhere Einsparziele.
Als unzureichend bewertete Kohler die Regierungspläne zur Verlängerung der Förderung erneuerbarer Energien. Es reiche nicht, die Förderung von Solarstrom zu senken. Sinnvoller sei es, Verbrauchern finanzielle Anreize zu geben, den produzierten Öko-Strom einzusetzen. Es sei volkswirtschaftlich unsinnig, die Einspeisung von Wind- oder Solarstrom zu fördern, damit der dann – wie in Einzelfällen schon geschehen –, bei einem plötzlichen Überangebot ins Ausland verschenkt werde. Einige Male war es an der Strombörse sogar passiert, dass der Strompreis negativ wurde, weil so viel erneuerbare Energien eingespeist wurden. In diesen Fällen erzielten die Stromanbieter keine Einnahmen, sondern mussten sogar Geld bezahlen, um das Überangebot loszuschlagen. Kohler sagte, es könnten Kühlhäuser als Puffer besser genutzt werden. Dafür brauche man aber finanzielle Anreize, die das Fördergesetz nicht zulasse.
Kohler bekräftigte seine frühere Warnung vor einer absehbaren Lücke im Stromangebot. Dazu hat die Dena neue Berechnungen. Umweltverbände ziehen das in Zweifel. Der starke Ausbau der erneuerbaren Energien ermögliche höhere Minderungsziele für den Kohlendioxidausstoß, er mache aber auch den Neubau von Steinkohle- und Gaskraftwerken notwendig, die zur Ergänzung des je nach Sonnen- oder Windaktivität schwankenden Angebots an erneuerbarer Energie gebraucht würden, sagte der Dena-Chef. Zudem müssten alte und ineffiziente Anlagen auch aus Klimaschutzgründen abgeschaltet werden. Die These, dass der Stromverbrauch sinken werde, wie von der alten Bundesregierung angenommen, bezweifelt Kohler. An mancher Stelle gebe es zwar Einsparungen, diesen stünden aber neue, stromfressende Anlagen, etwa die Wärmepumpen für Niedrigenergiehäuser, entgegen.
Einmal mehr rief Kohler zu einem schnelleren Ausbau der Stromnetze auf. Ohne diesen könne die erwartete Strommenge aus erneuerbaren Energiequellen nicht transportiert werden. Kritisch äußerte er sich zu Überlegungen, Solarstrom aus der Sahara nach Europa und Deutschland einzuführen. Wirtschaftlicher wäre es, die Ostsee-Anliegerstaaten in einem „baltischen Ring“ zu vernetzen. Dann könne man die großen skandinavischen Kapazitäten an Wasserkraft nutzen, zugleich die baltischen Staaten und Polen besser in das westeuropäische Netz einbeziehen.
DENA abschaffen
Horst Trummler (Vandale6906)
- 25.11.2009, 08:01 Uhr
Umweltfreundlich....
Horst Günther (MarkTwain)
- 26.11.2009, 00:57 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?