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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Energie Kampf um Prozente

23.01.2006 ·  Innovationen: Höhere Wirkungsgrade und geringere Emissionen bei der Stromgewinnung werden angestrebt. Allein in China übersteigen die jährlichen Zuwächse bei Kohlestrom die hierzulande insgesamt produzierten Mengen.

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Der anstehende Ersatz alter Kraftwerke stellt die deutschen Stromproduzenten vor eine Herausforderung. Ein neues Kraftwerk muß mindestens drei Jahrzehnte im Stromwettbewerb bestehen, vor allem aber die anspruchvoller gewordenen Anforderungen an die Umwelt erfüllen. Die Brisanz liegt im gewaltigen Umfang des Erneuerungsbedarfs. Zunehmend müssen aus den sechziger und siebziger Jahren stammende Kraftwerke ersetzt werden. Der Ausstieg aus der Kernenergie erhöht zusätzlich den Ersatzbedarf.

Daher hat die Branche die Suche nach innovativen Lösungen forciert. Im Fokus steht die Kohle- und Gasverstromung. Sie wird trotz der damit verbundenen Klimabelastung als Brückenenergie zur emissionsfreien Stromerzeugung noch länger unverzichtbar sein. In Forschungsgemeinschaften befassen sich Kraftwerksbetreiber und -hersteller, Werkstoffproduzenten und Forschungseinrichtungen mit der Entwicklung neuer Konzepte. Das ambitionierteste Ziel ist das kohlendioxydfreie Kraftwerk. Wegen des hohen Energieaufwandes beim Abscheiden von Kohlendioxyd wird diese Technologie vorläufig aber noch nicht zum Einsatz kommen.

Kohlendioxidemissionen stark reduziert

Daher konzentriert sich die Entwicklung auf die Wirkungsgradsteigerung. Mit höherem Wirkungsgrad nehmen der Brennstoffbedarf und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen für die gleiche Strommenge ab. Dadurch werden bei einer Effizienzsteigerung um einen Prozentpunkt zum Beispiel in einem 700-Megawatt-Steinkohleblock 100.000 Tonnen Kohlendioxyd weniger freigesetzt. RWE hat mit dem sogenannten Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik (BOA) einen Wirkungsgrad von 43 Prozent erreicht.

Gegenüber den Altanlagen wurden dadurch die Kohlendioxidemissionen um 30 Prozent oder drei Millionen Tonnen reduziert. Eine im Test befindliche Trocknungsanlage soll weitere vier Punkte Effizienzverbesserung bringen. Steag gehört zu den Unternehmen, die bei der Steinkohleverstromung den Wirkungsgrad auf 45 bis 47 Prozent erreicht haben. Die Bestwerte in Kombinationskraftwerken mit Gas- und Dampfturbine liegen derzeit knapp unter 60 Prozent.

Kohlestromzuwachs in China enorm

Die Grundlagenforschung befaßt sich bereits mit Werkstoffen für weitaus höhere Rauchgas-Temperaturen um 1.600 Grad. Das ist die Basis für Hybridkraftwerke, die in der Kombination von Gas- und Dampfturbinenkraftwerken sowie Hochtemperaturbrennstoffzellen Wirkungsgrade von bis zu 70 Prozent versprechen. Ihr Einsatz wird in den aufstrebenden, bevölkerungsreichen Schwellenländern bitter nötig sein. Allein in China übersteigen die jährlichen Zuwächse bei Kohlestrom die hierzulande insgesamt produzierten Mengen.

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