05.08.2005 · Die Gaspreise für die privaten Haushalte in Deutschland sind auf ein Rekordniveau geklettert. Die Hälfte der großen Versorger hat die Preise im Sommer erhöht. Ein Ende des Preisanstiegs ist nicht in Sicht.
Die Gaspreise für die privaten Haushalte in Deutschland sind auf ein Rekordniveau geklettert. 15 der größten Gasversorger Deutschlands haben ihre Preise im Juli und August um zum Teil zweistellige Prozentsätze erhöht. Vor allem in Ostdeutschland müssen Haushalte, die ihr Haus mit Erdgas heizen, inzwischen mehr als 1000 Euro im Jahr für den Durchschnittsverbrauch von 17.500 Kilowattstunden zahlen. Auch die Preise für Kochgas sind in diesem Jahr fast überall gestiegen.
Ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht: Nach einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erwarten zwei Drittel der befragten 200 Energieexperten in den kommenden sechs Monaten einen weiter steigenden Gaspreis. „Der Anstieg der Importpreise und die verzögerte Kopplung an den Ölpreis treiben den Erdgaspreis in Deutschland in die Höhe“, erklärt ZEW-Energiefachmann Ulf Moslener.
Gasversorger verweisen auf den Weltmarkt
Aufgrund der umstrittenen Bindung an den Ölpreis, der sich wegen der starken Nachfrage ebenfalls auf einem Rekordhoch befindet, zeichnet der Gaspreis mit etwa sechs Monaten Verzögerung die Entwicklung an den Ölmärkten nach. Auch der Klimaschutz wird die Gaspreise tendenziell in die Höhe treiben, denn Erdgas hat einen deutlich geringeren Kohlenstoffanteil als Öl oder Kohle. „Eine schärfere Klimapolitik begünstigt Erdgaskraftwerke, was langfristig zu steigenden Gaspreisen führen kann“, sagt Moslener.
Die Gasversorger verweisen ebenfalls auf den Weltmarkt. „Die weltweite Nachfrage nach Energie steigt, insbesondere aufgrund des enormen Wachstums in Ländern wie China und Indien - das spüren wir auch bei EWE immer deutlicher“, sagte Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender des niedersächsischen Energieversorgers EWE. Für die Verbraucher besteht wenig Hoffnung auf fallende Preise: „Das Ende der angespannten Situation auf dem Weltenergiemarkt ist nicht in Sicht, und es ist mit einem langfristig hohen Preisniveau zu rechnen“, begründete der Versorger Gelsenwasser seine jüngste Preiserhöhung. Im Herbst werden daher weitere Preisrunden der deutschen Versorger erwartet.
Monopolstellung mißbraucht
Tatsächlich ist der Importpreis für Erdgas auf dem höchsten Stand seit 14 Jahren. Nach Berechnungen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) betrug der durchschnittliche Importpreis in den ersten Monaten des Jahres rund 4000 Euro je Terrajoule importierten Erdgases. Das sind 23 Prozent mehr als im Vorjahr und etwa 130 Prozent Zuwachs im vergangenen Jahrzehnt.
Allerdings stehen einige Versorger unter dem Verdacht, im Vorfeld der bevorstehenden Öffnung des Gasmarktes die Preise zu stark angehoben zu haben. Das Bundeskartellamt hat im Sommer bereits Verfahren wegen des Verdachts auf mißbräuchliche Preisgestaltung gegen Gasversorger eingeleitet. Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel hatte Anfang Juli zwölf hessische Gasunternehmen aufgefordert, ihre Preise zu senken. „Die Gaspreise sind bis zu 19 Prozent überhöht. Die Gasversorger mißbrauchen ihre Monopolstellung zu Lasten der Kunden, die derzeit keine Chance haben, zu billigeren Anbietern zu wechseln. Falls die Unternehmen sich im nun begonnenen Kartellverfahren weiter weigern, Preisabschläge freiwillig vorzunehmen, dann müssen sie noch in diesem Sommer mit Untersagungsverfügungen, die Preisabschläge anordnen, rechnen“, sagte Rhiel.
Erhebliche Preisunterschiede
Die Unternehmen haben inzwischen ihre Anwälte eingeschaltet und eine Verlängerung der Frist für ihre Stellungnahmen erreicht. Nach Angaben des hessischen Wirtschaftsministeriums sind in dem Verfahren noch keine Entscheidungen getroffen worden. Allerdings hat die Initiative indirekt Wirkung gezeigt: Der Magistrat der Stadt Frankfurt hat die Beratung über den Antrag des Versorgers Mainova auf eine Anhebung der Preise zum 1. August unter Berufung auf das Verfahren vertagt.
Rhiel sind vor allem die Preisunterschiede ein Dorn im Auge, die nicht nur in Hessen, sondern auch im Bundesgebiet erheblich sind. „In der Gruppe der 30 größten Versorger beträgt die Differenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Preis zur Zeit 22 Prozent - für ein identisches Produkt. Es wird Zeit, daß der Wettbewerb auf dem deutschen Gasmarkt in Schwung kommt, damit die Verbraucher von den Preisvorteilen profitieren können“, fordert Peter Reese vom Verbraucherportal Verivox.
Öffnung der Gasmärkte für Wettbewerber
Er sieht die Bundesnetzagentur in Bonn in der Pflicht, die Konditionen für einen Wechsel des Anbieters auf dem Gasmarkt möglichst schnell festzulegen. Bisher können die Verbraucher in Deutschland ihren Gasversorger nicht wechseln. Die 700 Anbieter sind regionale Monopolisten.
Das im Sommer in Kraft getretene Energiewirtschaftsgesetz sieht jedoch die Öffnung der Gasmärkte für Wettbewerber vor. Darauf wollen aber nicht alle Verbraucher warten. Die Entwicklung der Preise für Öl und Gas hat dem Markt für Pelletsheizungen in Deutschland einen Schub gegeben: Nach Schätzungen von Branchenexperten wird die Zahl der in diesem Jahr installierten Holzheizungen um 80 Prozent auf rund 13000 steigen.
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