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Energie Gas wird 2009 günstiger, Strom aber teurer

17.11.2008 ·  Energie paradox: Der Ölpreis hat sich halbiert, Gas aber ist so teuer wie nie. Zum Jahreswechsel wollen noch einmal 70 Versorger die Preise erhöhen. 2009 wird Gas endlich billiger - Strom aber um zehn Prozent teurer.

Von Holger Schmidt
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Wegen des gesunkenen Ölpreises wird Gas im kommenden Jahr deutlich billiger werden. „In Dollar gerechnet ist der Ölpreis um etwa 40 Prozent seit dem Höchststand im Juli gesunken. Da die Gaspreise an den Ölpreis gekoppelt sind, ist zu erwarten, dass im Frühjahr des kommenden Jahres die Preise um voraussichtlich 20 bis 30 Prozent purzeln werden“, sagte Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Auch Heino Elfert vom Energie-Informationsdienst (Eid) erwartet einen Preisrutsch, allerdings nicht ganz so kräftig: „Die Preise werden im Frühjahr um 10 Prozent oder mehr fallen“, sagte Elfert.

Der Ölpreis hatte sein Rekordhoch von rund 150 Dollar je Fass Anfang Juli erreicht. Da der Gaspreis mit etwa sechs Monaten Verzögerung reagiert, ist der Preis zurzeit so hoch wie nie zuvor: Der Exportpreis für russisches Gas, das nach Westeuropa geliefert wird, beträgt mehr als 500 Dollar (392 Euro) je 1000 Kubikmeter. Das russische Unternehmen Gasprom, der größte Gaslieferant der Welt, hat aber schon eine Senkung der Preise für Europa angekündigt. „Von Anfang 2009 an wird das Gas billiger sein“, sagte Gasprom-Vorstandschef Alexej Miller.

Zum Jahreswechsel bis zu 27 Prozent Preisaufschlag

Bis es so weit ist, planen aber rund 70 Versorger noch einmal zum Teil deutliche Preiserhöhungen. Zum 1. Dezember sollen die Preise von den Eon-Regionalgesellschaften um rund 10 Prozent und von der Frankfurter Mainova um knapp 16 Prozent erhöht werden. Zum Jahreswechsel schlägt die Darmstädter Gesellschaft Entega 25 Prozent und die N-Ergie in Nürnberg sogar 27 Prozent auf den Gaspreis auf. Obwohl diese Unternehmen ihre Preise in den vergangenen Monaten auf einem moderaten Niveau weitgehend stabil gehalten haben, kommen die Erhöhungen zur Unzeit.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte die Gasversorger aufgefordert, die Preise zu senken. „In der aktuellen Konjunkturlage ist es schwer verständlich, warum die Versorger jetzt noch die Preise erhöhen. Es wäre richtig, wenn die Verbraucher jetzt entlastet würden. Ich hoffe, dass die Energieunternehmen ihre Pläne noch einmal überdenken“, sagte auch Kemfert. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) forderte zu Preissenkungen bis zu 25 Prozent auf. „Fallende Energiepreise sind das beste Konjunkturprogramm“, sagte Marnette. Mit solch einer Senkung könnten Verbraucher um Hunderte Euro im Jahr entlastet werden.

Tarifsenkungen erst 2009

Der Druck auf die Preiserhöher nimmt täglich zu, denn immer mehr Gasanbieter, die allerdings in diesem Jahr oft schon kräftig aufgeschlagen haben, stellen jetzt Preissenkungen in Aussicht. „Wir gehen davon aus, dass es Anfang 2009 zu einer Senkung kommen wird. Wann genau und in welchem Ausmaß, kann ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen“, sagte RWE-Finanzvorstand Rolf Pohlig. Wegen des fallenden Ölpreises wollen auch der Energiekonzern EnBW, die Mannheimer MVV Energie und die Stadtwerke Duisburg ihre Tarife senken. Allerdings werden die meisten Anbieter die Preise wohl erst nach dem Ende der Heizperiode senken, um in diesem Winter noch einmal kräftig Kasse zu machen.

Denn viele Regionalversorger müssen die Konkurrenz neuer Anbieter auf dem Gasmarkt nicht fürchten. Der einzige ernsthafte Konkurrent, die Eon-Tochtergesellschaft E wie Einfach, hat ihren attraktiven bundesweiten Tarif inzwischen vom Markt genommen. Wie es in der Branche heißt, hat Eon damit kein Geld verdient. Am Dienstag will das Unternehmen einen Nachfolgetarif vorstellen, der aber wohl weniger attraktiv ausfallen wird. Andere neue Konkurrenten haben wegen der fehlenden Wettbewerbsstrukturen noch nicht richtig Tritt gefasst. „Alle Anbieter hoffen, dass die Bundesnetzagentur schnell den Rahmen für einen funktionierenden Wettbewerb schafft“, sagte Peter Reese vom Verbraucherportal Verivox. Die Durchleitung des Gases zum Kunden ist immer noch kompliziert und eine liquider Handel existiert ebenfalls noch nicht. Viele neue Anbieter können gar nicht genug Gas kaufen, um flächendeckend anzubieten.

Strom etwa zehn Prozent teurer

Die Freude der Verbraucher über fallende Gaspreise im neuen Jahr wird wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sein, denn im Gegenzug werden die Strompreise 2009 steigen. „Die Großhandelspreise am Strommarkt sind schon gestiegen. Wegen der sinkenden Kraftwerkskapazität, fehlender Investitionen in die Netze zur Anbindung der erneuerbaren Energien und des zu geringem Stromhandels in Europa werden die Strompreise eher weiter steigen“, sagte Kemfert. Auch Reese geht davon aus, dass Strom teurer wird. „Wir erwarten etwa 10 Prozent Preisanstieg in den Wintermonaten“, sagte Reese.

„Wir rechnen damit, dass insgesamt etwa 300 bis 400 Grundversorger in den ersten Monaten des kommenden Jahres ihre Preise um durchschnittlich 8,5 Prozent anheben werden“, sagte Thorsten Bohg vom Vergleichsportal toptarif.de. „Viele Kunden müssen sich auf besonders starke Erhöhungen gefasst machen. Aktuell sind uns 19 Anbieter bekannt, die ihre Preise um mehr als 10 Prozent anheben wollen. Insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg, wo der Strom im deutschen Vergleich bislang sehr günstig war, wird es die stärksten Preisschübe geben.“ Für eine durchschnittliche Familie bedeute diese Preissteigerungen weitere Zusatzbelastungen von etwa 70 bis 80 Euro im Jahr. „Zusammen mit den aktuellen Gaspreiserhöhungen im November und Dezember werden betroffene Haushalte in diesem Winter etwa 15 bis 20 Prozent mehr für ihre Energie bezahlen müssen als im vergangenen Jahr“.

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