02.09.2005 · Hohe Energiepreise stören Sebastian Gallehr überhaupt nicht. Im Gegenteil: "Der hohe Ölpreis wird zum Wettbewerbsvorteil für europäische Firmen", sagt Gallehr von der Unternehmervereinigung E5. Europa kann mit Energiesparprodukten auf den Weltmärkten punkten.
Hohe Energiepreise stören Sebastian Gallehr überhaupt nicht. Im Gegenteil: "Der hohe Ölpreis wird zum Wettbewerbsvorteil für europäische Firmen", sagt Gallehr, dessen Unternehmervereinigung European Business Council for Sustainable Energy (E5) für die Nutzung der wirtschaftlichen Chancen des Umweltschutzes eintritt. "Der Preisanstieg treibt die Nachfrage nach Energiespartechnik in aller Welt an. In Deutschland entwickelte Technik hat international einen extrem guten Ruf. Wir können sie bestens in Ländern wie China oder Indien verkaufen", sagt Gallehr, dessen Vereinigung Unternehmen wie die Deutsche Telekom, die Deutsche Bahn und Sony angehören. Viele Schwellenländer stoßen nach seiner Meinung heute an die Umweltprobleme, die Deutschland schon vor vielen Jahren gelöst habe. Unternehmen, die in Zeiten steigender Energiepreise ihre Ressourcen effizient einsetzen, erreichten damit Wettbewerbsvorteile auf den Weltmärkten.
Güter für Energieeinsparung
Gallehr steht mit seiner Meinung nicht alleine dar. "Deutschland ist in besonderem Maße Lieferant für Länder, die vom Ölpreisanstieg profitieren. Dies gilt für Rußland, aber auch für Norwegen oder den Nahen Osten. Darüber hinaus gewinnt Deutschland, weil es Güter für Energieeinsparung anbietet und wir sind Anbieter von Systemen alternativer Energien sind", sagt Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank.
Das Kyoto-Protokoll, das verbindliche Reduktionsziele für den Ausstoß der Treibhausgase enthält, und den Handel mit Emissionsrechten sieht Gallehr daher als Motor für technische Innovationen in der deutschen Energiewirtschaft. "Die Rechnung des Kyoto-Protokolls geht auf. Die Wirtschaft setzt die Anreize zur Emissionsminderung um, indem sie neue Techniken entwickelt", sagt Gallehr, der inzwischen ein Umdenken bei einigen Unternehmen festgestellt hat. Prominente Vorstandsvorsitzende wie Jeffrey Immelt von General Electric hätten die Klimapolitik als Vorteil für Europa erkannt. "Die Vereinigten Staaten sollten wie Europa eine klare Politik für den Klimaschutz und die erneuerbaren Energien entwickeln", sagte Immelt bei der Vorstellung seiner neuen Umweltinitiative Ecomagination im Mai. Nur langfristig verläßliche Rahmenbedingungen führten zur Entwicklung erfolgreicher Technik.
550 Milliarden Euro Investition
Die europäischen Energieversorger hätten die große Chance, diese Technik zu entwickeln, sagte Gallehr. In den kommenden 20 Jahren müßten 550 Milliarden Euro in das Energiesystem investiert werden, weil der bestehende Kraftwerkspark veraltet sei. Dazu gehören nach Gallehrs Meinung nicht nur erneuerbare Energien wie Windkraft oder Solarenergie, sondern auch moderne Kohlekraftwerke, deren schädliche Kohlendioxyd-Emissionen gar nicht erst in die Luft gelangen. "Die Vertreter der erneuerbaren Energien müssen noch eine Generation konventioneller Kraftwerke akzeptieren", sagt Gallehr. Diese Kraftwerkstechnik werde nicht nur in den schnell wachsenden Ländern Asiens, sondern auch in den Vereinigten Staaten gefragt sein. "Den Amerikanern geht das Erdgas aus", sagt Gallehr. Aus Gründen der Versorgungssicherheit werden die Vereinigten Staaten nach seiner Meinung in Zukunft stark auf die Kohle als heimischen Energieträger setzen.
Es sei oft schwierig, Unternehmen von den Vorteilen des Umweltschutzes zu überzeugen, gibt Gallehr zu. "Ich bin enttäuscht über die bisherigen Energiesparanstrengungen in Deutschland." Wegen langfristiger Lieferverträge seien die hohen Energiepreise noch nicht in allen Unternehmen angekommen, vermutet er. Ein negatives Beispiel seien auch die Fluggesellschaften. "Der Flugverkehr frißt sämtliche Einsparungen des Kyoto-Protokolls auf. Daher müssen wir Emissionen aus der Luftfahrt in den Klimaschutz integrieren. Die großen Fluggesellschaften sehen aber nicht ein, daß eine streckenbezogene Abgabe den Wettbewerbsvorteil der Billigflieger mindert", sagt Gallehr.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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